Meat Loaf - Bat out of hell III: The monster is loose

Meat Loaf- Bat out of hell III: The monster is loose

Mercury / Universal
VÖ: 20.10.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Two out of three ain't bad

Marvin Lee Aday alias Meat Loaf ist ein großartiger Sänger, dessen Stimmvolumen mehrere Oktaven umfaßt. Das ist den meisten bekannt. Bekannt ist auch, daß Meat Loaf ein umso lausigerer Songwriter ist. Genau deshalb sind insbesondere die Alben, an denen Songtitelzeilenschinder Jim Steinman beteiligt war, die besseren auf der Speisekarte des Fleischklopses. Und an der Spitze von allen steht die Platte, die an Platz 7 der meistverkauften Alben aller Zeiten geführt wird: "Bat out of hell". Auch der zweite Teil dieses Epos, ebenfalls aus der Feder des Herrn Steinman, verkaufte sich wie geschnitten Brot. Dann muß doch Teil drei mindestens genauso abgehen. Wenn nicht noch mehr. Oder so.

Schock eins durfte der Presse entnommen werden: Noch nicht ganz von einem Schlaganfall genesen, konnte Steinman nur einen Teil der Songs beisteuern. Schock zwei wird dem arglosen Käufer auf dem Cover entgegen gebrüllt: "Songs by Jim Steinman and Desmond Child". Desmond Child. Ausgerechnet! Herr aller Weichspüler, Meister der Produzenten, die lieber ihre meist limitierten Vorstellungen durchdrücken als den Künstler zur Entfaltung zu bringen. Und richtig: Er entblödet sich nicht einmal, als einziger eine Thanks-Liste zum Booklet beizusteuern. Und schickte zu allem Überfluß Meat Loaf zum Gesangstraining.

Und es kommt, wie es kommen mußte: "The monster is loose" klingt zwar für Meat-Loaf-Verhältnisse erstaunlich ruppig. Kunststück, schwingt doch John 5 (Marilyn Manson) hier die Axt. Doch der Opener bleibt erschreckend blutleer, mit einem irgendwie gepreßt singenden Meat Loaf. Der Fledermaus sei Dank soll sich diese Leistung jedoch steigern. Denn bei "It's all coming back to me now" ist endlich wieder großes Drama angesagt. Der Titel kommt bekannt vor? Richtig, Celine Dion durfte sich vor ein paar Jahren bereits an der Nummer versuchen, die Jim Steinman nach eigener Aussage immer schon für "Bat out of hell III" vorgesehen hatte. Und Meat Loaf schickt Frau Dion mit leichter Hand dahin, wo sie hingehört: auf den Stapel der Trällerelsen mit großer, aber emotionsloser Stimme.

Weitere Beispiele? Nehmen wir mal "Bad for good". Wer den Gitarristen nicht nach spätestens 2,83 Sekunden erraten hat, hat noch nie einen Queen-Song gehört. Selbst "Cry over me" von Pathos-Queen Diane Warren paßt ins Bild. Ein absolutes Highlight Steinmanscher Kompositionskunst folgt auf dem Fuße. Und endlich wieder ein Zeilenschinder: "In the land of the pig, the butcher is king". Was der Text bedeuten soll, weiß nur Steinman selber. Allemal jedoch ein feines Schnitzel Classic Rock, gut gepfeffert durch Steve Vai an der Gitarre.

Mehr und mehr wird klar: Nur gemeinsam mit Jim Steinman kann Meat Loaf seine Klasse abrufen. Seine Liebe zum Drama muß einfach von pathetischen Kompositionen getragen werden. Natürlich tropft der Schmalz bei den Balladen, natürlich breitet selbst der Zuhörer seine Arme zur großen Geste aus. Aber das ist allemal besser als die Reißbrett-Songs des Herrn Child, die allzu selten das Niveau der restlichen Songs halten. Beispielsweise bei "Alive", welches nur auf der Autobahn bei voller Lautstärke gehört werden darf. Oder "If God could talk" mit zwar banalem, aber dennoch hinreichend bombastischem Refrain. So bleibt es bei weniger Ausfällen, als ursprünglich zu befürchten war. Und bei derlei Kitschrock macht Meat Loaf genau niemand etwas vor. Das kann er perfekt. Und auch wenn "Bat out of hell III: The monster is loose" in der Trilogie lediglich den Bronzerang einnimmt, bleibt doch der Abstand nach unten, zu den Platten ohne Fledermaus nämlich, auch hier deutlich. Glück gehabt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • It's all coming back to me now
  • Bad for good
  • In the land of the pig, the butcher is king

Tracklist

  1. The monster is loose
  2. Blind as a bat
  3. It's all coming back to me now
  4. Bad for good
  5. Cry over me
  6. In the land of the pig, the butcher is king
  7. Monstro
  8. Alive
  9. If God could talk
  10. If it ain't broke, break it
  11. What about love
  12. Seize the night
  13. The future ain't what it used to be
  14. Cry to heaven

Gesamtspielzeit: 77:35 min.

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