Console - Mono

Console- Mono

Disko B / Hausmusik / Indigo
VÖ: 25.08.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Boy in static

Die Welt ist ungerecht, Beweisstück #4.595: Wann immer ein Künstler, der auch nur im allerentferntesten irgendetwas mit The Notwist zu tun hat, eine neue Platte veröffentlicht, geht das den meisten Leuten seitwärts am Arsch vorbei. Stattdessen interessiert sie: Was bedeutet dieser Release denn jetzt für das neue Notwist-Album? Nochmal zwei Jahre warten? Zerwürfnis? Auflösung? Wir wollen gar nicht dran denken. Letztes Jahr haben die Leute wegen solcher Meckereien zum Beispiel das Zauberprojekt John Yoko von Markus Acher und Valerie Trebeljahr (Lali Puna) komplett übersehen, das auf einer Seven Inch jeweils einen Song von Smog und den Magnetic Fields mit Magic Marker umformulierte. Und jetzt wird es der neuen Console-Platte wieder ganz genauso gehen. Wobei man ja schon zugeben muß, daß "Mono" geradezu darauf besteht, überhört zu werden.

Statt Scatterbeats und großem Doppel-LP-Gefriemel, bestreitet das vierte richtige Console-Album seine moderaten 45 Minuten in erwartungsfroher Ereignislosigkeit. Majestätische Entfaltungsübungen, anmutige Rückzugsmanöver, ambiente Zeitlupenaufnahmen, in diese Richtung bewegen wir uns diesmal. "City of dog" schleicht da tonangebend voran und setzt behutsam abgerundete Kontrapunkte in die Stille. "To catch a beat" ist nach einer Minute vierzig tatsächlich erfolgreich in seiner Mission und schaut den geknickten Sprungversuchen seines Drumcomputers danach in ehrfürchtiger Winterstarre zu. Miriam Osterrieder, die treue Flugbegleiterin mit der Eiswüstenstimme, kümmert sich ums Wohlergehen des stillständigen Brian-Eno-Covers "By this river". Und Mastermartin Gretschmann spinnt in der Zwischenzeit weiter am Geduldsfaden.

Man muß da vielleicht schnell etwas klarstellen: Ereignislosigkeit, Winterstarre, Stillstand - hier sind das natürlich ebenso positiv behaftete Vokabeln wie Zeugnisse der Hilflosigkeit, wenn man erklären will, warum einem dieser Erwachsenencocktail aus Baldrian und Tranquilizern so unerhört gut tut. "Mono" trägt seinen Titel sicherlich nicht ohne Grund, aber eben auch mit Stolz. Diese Platte weiß, wo sie hin will mit der überquellenden Auslaufspur von "Formicula" oder den detaillierten Standbildern, die Osterrieder in "Magnolia" besingt. Der Hammer, und da wechseln wir gerne abrupt das Register, ist allerdings erst "Starpower" zum feierlichen Finale. Wieder ein Cover, Sonic Youth diesmal, zunächst linkisch auf Standby, dann beim besten Willen und in aller Freundschaft zerlegt. Einige Zuhörer mit kurzer Zündschnur wird die Platte bis dahin schon verloren haben. Die Welt ist ungerecht, Beweisstück #4.596.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • City of dog
  • Magnolia
  • Starpower

Tracklist

  1. City of dog
  2. To catch a beat
  3. Foster Kane
  4. Houwelandt
  5. By this river
  6. Formicula
  7. Magnolia
  8. Hibernating
  9. Man with a web camera
  10. Lost in sensation
  11. Starpower

Gesamtspielzeit: 44:59 min.

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