Albert Hammond, Jr. - Yours to keep

Albert Hammond, Jr.- Yours to keep

Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 13.10.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bleib, wie Du bist

Albert Hammond, Jr. spielt nicht eben in einer optisch unspektakulären Band. Zweifel daran, daß er der Stroke mit dem lustigsten Look ist, können wir aber trotzdem gar nicht erst aufkommen lassen. Seine Chucks haben die meisten Löcher, seine Jeans schweben in ärgster Hochwassergefahr (der Ringelsöckchen wegen), seine Sakkos haben die kürzesten Ärmel. Und was er als Sideshow-Al-Hairdo durch die Gegend trägt, würde sowieso jede Raumpflegerin gern in ihr Putzlumpensortiment aufnehmen. Freilich nicht ändern läßt sich durch diese Äußerlichkeiten: Der Stroke mit den besten Ideen war bisher regelmäßig Julian Casablancas, von dem alle der rund 40 Eigenkompositionen stammen, die die Band bisher veröffentlicht hat. Als Hammond, Jr. letztes Jahr mal anfragte, ob das denn für immer so bleiben müßte, gab es folglich auf die Mütze. In aller Freundschaft, natürlich.

Es hätte "Yours to keep" vermutlich gar nicht gegeben, wenn einige seiner Stücke auf "First impressions of Earth" untergekommen wären. Darum wurde im Vorfeld gar keine größere Geheimniskrämerei betrieben. Die Rest-Strokes lehnten Hammond, Jr.s Songs jedoch ab, der Zurückgewiesene stellte kurzerhand eine eigene Band auf. Und sein erstes "Soloalbum" geht jetzt mit einer Akustikgitarre los, das habt ihr nun davon! "Cartoon music for super heroes" schwebt elegant an der Platte vorbei, die es eigentlich eröffnen sollte, vergißt aber immerhin nicht, die Head-in-the-clouds-Stimmung vorwegzunehmen, die "Yours to keep" sehr konsequent durchhalten wird. Anschließend läßt sich das Album bequem einteilen in Songs, die nach den Strokes klingen und Songs, die nicht nach den Strokes klingen. Wir sortieren das mal eben.

"In transit", das schon titelstiftendes Stück einer Strokes-Doku war, bringt seine Zeitmaschine in den frühen Siebzigern zum Stehen und kriegt gerade noch mit, wie Casablancas mit großen Einkaufstüten aus einem Velvet-Underground-Outlet herausstolpert. Hammond, Jr. trägt's mit Fassung, zwitschert seine patentierten Kandiszuckergitarren tapfer zuende und genehmigt sich obendrauf noch ein mindestens genauso kalorienbombendes Keyboard. Der Gesang ist charmante Wackeligkeit, das Rumpeln altbekannt, aber es geht ja auch anders hier. "Call an ambulance" ist der zweitnetteste Beatles-Shuffle des Jahres nach Matt Costas "Oh dear", die Luft ist genauso rosa wie in diesen bedenklichen "Fritz the cat"-Filmen, wenn die versammelten Vierbeiner mal wieder schnell einen durchziehen. Kein Wunder, daß sich "Scared" da in einen Heliumluftballon verkriecht. Daß der Song aber auch das Ende der Platte antäuscht, ist schon ein bißchen gemein.

Soweit sind wir nämlich noch lange nicht. Der Blick über die Schulter läßt die Überreste von "Back to the 101" erahnen, wieder ein Strokes-Song, wieder möchte man ihm die Wange knuffen vor Freude. Entspannter könnte Hammond, Jr. die Sache nur noch in Badehosen nach Hause schaukeln, daran ändert auch die zarte Melancholie nichts mehr, die sich in den Sonnenuntergang von "Blue skies" einmischt. Für seine Gäste (u.a. Ben Kweller, Sean Lennon, Strokes-Buddy Ryan Gentles und, na also, Julian Casablancas) reicht Hammond, Jr. dann noch pflichtbewußte Cocktails zur Gitarre, fürs Wundertüten-Finale mit "Hard to live" bucht er gleich eine ganze Anfänger-Jazzband. Solche Sinnlosigkeiten sind die Sonnenblumenkerne auf den Sonntagmorgen-Brötchen der Popmusik. Bei "First impressions of Earth" hatte man noch den Eindruck, daß die Strokes sich daran gar nicht mehr erinnern konnten.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Cartoon music for super heroes
  • In transit
  • Back to the 101
  • Hard to live (In the city)

Tracklist

  1. Cartoon music for super heroes
  2. In transit
  3. Everyone gets a star
  4. Bright young thing
  5. Blue skies
  6. Back to the 101
  7. Call an ambulance
  8. Scared
  9. Holiday
  10. Hard to live (In the city)

Gesamtspielzeit: 34:55 min.

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