Slut - Lookbook

Slut- Lookbook

Virgin
VÖ: 05.03.2001

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alptraum im Wunderland

"Komm!", klopft es dumpf an meine Fensterscheibe. "Komm mit!" Es ist mir schleierhaft, was hier vorgeht, doch ich lasse mich darauf ein. "Welcome to a fairy tale / Here it is: The cage of our lives". Irgendetwas stimmt hier nicht. Aus Formen werden Umrisse, die Farben zerfließen. "Peace is over, peace is over" flüstert jemand unheilvoll in mein Ohr. Von einem Augenblick auf den nächsten befinde ich mich in einem fremden Land und ahne nichts Gutes. "Caretakers theme" schießt mir in den Kopf. Hätte ich bloß besser aufgepaßt. Wolken ziehen auf, der Himmel verdunkelt sich. Donnergrollen, bedrohliche Blitze zucken vom Himmel. "The day it rained forever". Was zum Teufel treibt mich hierher? Wird diese Düsternis je ein Ende finden?

Die Formen werden wieder klarer und verheißen dennoch Unheil. Ein "Big mistake" war es, hierherzukommen, das steht fest. Mächtige Gebirge türmen sich auf, und ein kleiner Junge tippt mir auf die Schulter. Er stellt sich als "Kid A" vor. Was für ein bescheuerter Name. Aber ehe ich Zeit bekomme, darüber nachzudenken, hat er sich auch schon aus dem Staub gemacht. Irgendwie fällt mir ein Stein vom Herzen. "Easier" fühle ich mich plötzlich und wandere befreit durch die Gegend, mit den Worten "It was easier when he ran away almost everyday" ein beschwingtes Lied summend. Doch die Ruhe ist nur von kurzer Dauer. Auf einmal steht ein Alleinunterhalter unheilvoll grinsend vor mir. Der Aufschrift seiner Orgel zufolge nennt er sich "Mr. Blake". Eine Minute lang singt er unbeirrt sein Kirmesliedchen und scheint sich dabei nicht im geringsten albern zu fühlen. Langsam wächst mir die Sache über den Kopf hinaus. Ehe ich mich versehe, ist der Schreihals verschwunden, und ein Hase mit der Fratze von Ex-Pixie Frank Black rast über ein Erdbeerfeld. Er sieht aus, als ob er ziemlich in Eile wäre. Jedenfalls blickt er unaufhörlich auf seine goldene Taschenuhr und schreit hysterisch "No time, no time!" Ein ziemlich mitreißender Hase, der mich neugierig macht - ich folge ihm.

Plötzlich verliere ich den Boden unter den Füßen und falle in ein tiefes Erdloch, doch mein Sturz wird weich von einem überdimensionalen Vogelnest gebremst. Als ich genauer hinblicke, stelle ich fest, daß es kein Vogelnest ist, sondern nur die Haarpracht eines überdimensionierten Robert Smith. Sollte der Cure-Frontmann etwa auch den gleichen Fehler wie ich gemacht haben und sich in diese fremde Welt verirrt haben? Nein, er scheint sogar der Anführer dieser irren Einwohner zu sein. "No say" - ich bin sprachlos und verwirrter denn je. Smith hat eine ganze Armee trauriger Barden um sich geschart, und zusammen singen sie tränenüberströmt "There is nothing that can bring me down cause I am on the ground." Recht haben sie, und ich ertappe mich beim Mitsingen. Vielleicht etwas zu inbrünstig. "This is stronger than me" - ich werde ohnmächtig und nur Sekunden später von einem Schlag auf die Stirn wieder ins Bewußtsein zurückgeholt. Was ist das? Es regnet Kekse vom Himmel, verlockend duftende Kekse. "Flashbacks me in the second slam / With the cookies falling out of my hands". Lieber nichts davon essen. Ich war mit meiner Größe bislang eigentlich immer ganz zufrieden, und das soll auch so bleiben. Alles andere in dieser seltsamen Welt aber bitte nicht! Zum Glück vernehme ich plötzlich vertraute Klänge. Es müssen dieselben sein, die mich am Anfang hierhergezogen haben, und sie singen eine Art Schlaflied von unbegreiflicher Schönheit. "Welcome 2" heißt dieses - und öffnet mir die Augen. "Sleep like a baby" - das muß es gewesen sein. "Now I'm standing at the edge of my world", wird mir schlagartig bewußt - und ich entscheide mich für die vertraute Seite der Welt.

Ich blinzle, richte mich auf und stelle fest, mich wieder in meinen heimischen vier Wänden zu befinden. War das alles wirklich nur ein Traum? Das Robert Smith-Poster über meinem Bett zwinkert vielsagend. Ganz sicher bin ich mir nicht. Was, wenn es wirklich nichts als Musik war, die meine Fantasie derart anregte, wenn es nur das Album namens "Lookbook" der Ingolstädter Band Slut war, das mich in fremde Welten getragen hat? Die Wahrscheinlichkeit ist gering, und falls doch, muß es mehr als nur eine gewöhnliche Platte sein. "Hope" durchfließt den Raum, und das Robert Smith-Poster blinzelt immer noch. Manchmal sind die Grenzen zwischen Traum und Realität, zwischen Bilderbuch und Erleben, näher als man denkt.

Zum Slut-Interview-Special

(Armin Linder)

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Highlights

  • The day it rained forever
  • It was easier
  • No time
  • Welcome 2

Tracklist

  1. Welcome 1
  2. Caretakers theme
  3. The day it rained forever
  4. Andy
  5. Big mistake
  6. Swing quest
  7. Easier
  8. Mr. Blake
  9. No time
  10. Global cut
  11. No say
  12. Minerals
  13. On fire
  14. Welcome 2
  15. Hope

Gesamtspielzeit: 60:00 min.

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User Beitrag
D:
2011-10-22 21:13:02 Uhr
not here. sucker!!

terminalninja
2011-10-22 21:06:24 Uhr
accutane :-DDD buy accutane online 9052
Zero
2010-05-05 09:18:27 Uhr
Also ich würd dir für den Einstieg "Nothing will go wrong" empfehlen. War der Nachfolger von Lookbook, sehr knackig und eingängig und absolut empfehlenswert!
Dreamseller
2010-05-05 08:52:47 Uhr
Ich habe mich endlich etwas mit Slut befasst und bin bisher begeistert. Nun bin ich jedoch nicht ganz sicher, mit welchem Album mir wohl der beste Einstieg gelingt. Lookbook scheint die besten Kritiken zu erhalten, ist jedoch wohl eher komplex. Was meint ihr? Trotzdem mit diesem Werk einsteigen?
Kugelfisch
2009-09-24 20:50:59 Uhr
Ne 8/10 isses schon, das Album, 9/10 für mich vielleicht nicht ganz.
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  • Slut (64 Beiträge / Letzter am 28.08.2012 - 22:33 Uhr)