Marvelous 3 - Ready sex go

Marvelous 3- Ready sex go

Elektra / Warner
VÖ: 19.02.2001

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fantastischer Fehlstart

Es ist noch gar nicht so lange her, daß sich Männer mit langen, zuweilen skurril toupierten Haaren mit Gitarren in den abgefahrensten Formen bewaffneten. Sie begaben sich auf die Bühnen der größten Stadien der Welt und rockten hemmungslos die Menge. Die Konzerte der Heroen dieser Ära kündigten sich mit lauten Pyro-Krachern an und klangen mit zumeist pathetischen 'Nananas' aus. Die glorreichen Zeiten dieser Haarspray-Bands gehören aber, wohl glücklicherweise, der Vergangenheit an. Geblieben sind uns Bands wie die Marvelous 3, die unverdrossen den großen Traum von Sex, Drugs and Rock'n'Roll weiterträumen. Mit Hilfe ihres '99er Debüts "Hey!" trafen sie vor allem bei den Kritikern auf großen Anklang und lieferten ihren Beitrag zur vermeintlichen Wiederbelebung der Arena-Beschallung alter Schule ab.

Und so wirkt auch "Ready sex go" wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Rockende Dinosaurierriffs, stampfendes Schlagzeug, gemischt mit häufig mehrstimmigen Refrains, die wahlweise zum Mitsingen oder zum Schwenken eines Feuerzeugs anregen, bieten alles, was man für ein anständiges Rockkonzert zu brauchen meint. Zunächst fängt man sogar recht viel versprechend an. "Little head" ist eine nette, rockende Nummer, wie sie die Goo Goo Dolls wahrscheinlich nicht besser hingebogen hätten. Leider haben die fantastischen Drei damit aber bereits schon den Großteil ihres Kanonenpulvers verschossen, verballern sie doch häufiger den ein oder anderen Rohrkrepierer. So zeigt uns "Grant park" direkt, wo uns die weitere Reise hinführen wird: irgendwo ins Niemandsland zwischen längst vergessenem Def Leppard-Gestampfe und belanglosen Gitarren, wie sie bevorzugt von einer gewissen Combo aus New Jersey seit Jahren verpulvert werden.

Kurzzeitig blitzt mit "Radio Tokyo" lediglich ein Song auf, welcher wirkliches Potential zum echten Stadion-Hit mitbringt. Aber im Ernst: Wer möchte eigentlich solch überschwengliche 'Nananas' denn wirklich noch hören? Dreizehn Stücke, die wahrlich nicht weh tun, aber in ihrer Duchschlagskraft ebenso harmlos daher kommen wie der Sturm der deutschen Fußballnationalelf bei der letzten EM. Zu allem Überdruß wurde zu guter Letzt noch Bowies Klassiker "All the young dudes" fein säuberlich zum "Cigarette lighter love song" sterilisiert , welcher den Charme einer einer frisch geputzten Zahnarztpraxis verspüht. So hört sich "Ready sex go" eher wie ein Bewerbungsschreiben für das Vorprogramm der diesjährigen Bon Jovi-Tour als wie die Wiedergeburt des Glam-Rock an. Sicherlich werden sich einige Oben-offen-Fahrer unter uns mit "Ready sex go" anfreunden können. Den Beweis aber, daß der Spirit des Rock'n'Roll noch lange nicht tot ist, bleibt uns der fantastische Dreier über weite Strecken schuldig. Dafür nämlich müßten die Songs erkennbar aus der Seele und nicht dermaßen offensichtlich vom Reißbrett stammen.

(Patrick Rodeck)

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Highlights

  • Little head
  • Radio Tokyo

Tracklist

  1. Little head
  2. Grant park
  3. Get over
  4. Sugarbuzz
  5. Supernatural blonde
  6. Radio Tokyo
  7. Cold as hell
  8. Beautiful
  9. I'm losing you
  10. This time
  11. Better off alone
  12. I could change
  13. Cigarette lighter love song

Gesamtspielzeit: 48:18 min.

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