Fiona Apple - When the pawn...

Fiona Apple- When the pawn...

Clean Slate / Epic / Sony
VÖ: 01.11.1999

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bauer schlägt König

Schräg, verschroben, schrill - Fiona Apple ist eine Künstlerin, die sich durch viele Adjektive betiteln lassen muß, doch keines trifft es richtig. Und auch ich werde daher gar nicht erst den Anspruch stellen, ihr neuestes Werk "When the pawn hits the conflicts he thinks like a king what he knows throws the blows when he goes to the fight and he'll win the whole thing 'fore he enters the ring there's no body to batter when your mind is your might so when you go solo, you hold your own hand and remember that depth is the greatest of heights and if you know where you stand, then you know where to land and if you fall it won't matter, cuz you'll know that you're right." treffend beschreiben zu können.

Zur Zeit befremdet sich so mancher Kritiker über den längsten Titel der bekannten Musikgeschichte, denn "When the Pawn..." ist nur der Beginn eines 90 (!) Worte umfassenden Gedichts, das Miss Apple ihrem Werk als Titel vermacht hat. Aber auch darüber gehen die Meinungen auseinander, denn von so manchem Kritiker als Nonsense abgewertet, ist es doch gerade Ausdruck der Überlegenheit ihrer Individualität über jede Kritik. Sie als der Bauer im Schach, der denkt wie der König und sich im Recht weiß, egal was auch kommen mag, am Ende mächtiger als der König selbst - ich kann mich ja irren, aber ich glaube, an diesem Album zumindest den Titel verstanden zu haben und bedanke mich mit einem Lächeln für diese schallende Ohrfeige.

Das klingt Euch zu abgehoben? Na, dann müßt ihr erst mal die Musik dazu hören. Vor allem steht natürlich diese klare Alto-Stimme, die zumindest auf mich von Beginn an fesselnd in ihrer Ausdrucksstärke und Variation war. Die Stücke sind schwer zu beschreiben, es ist definitiv nicht tanzbar und es ist definitiv nicht radiotauglich. Es erinnert ein wenig an Tori Amos mit den Stücken, die man vorsichtshalber nie im Radio spielte. Vielleicht auch wegen des ebenfalls eindrucksvoll gespielten Pianos, das immer wieder auftaucht.

Dies ist Musik, die Bildassoziationen auslöst. Das beginnt für mich gleich mit "On the Bound" mit einer gebeugten Gestalt auf einer matschigen Wiese, von der gerade ein Zirkus im grauen Regenwetter zum nächsten Ort aufbricht. Und diese Gestalt sucht nach ihrer Liebe, die aber schon lange davonzog in den nächsten Ort mit unbekannten Ziel. "You're all I need"... verzweifelt, zwischen Drehorgeln und geknickten Existenzen.... Ja - und sie ist eben tatsächlich schräg, somit läßt sich ihr Songwriting auch nicht mit normalen Maßstäben messen, das Handwerk wird hier eindeutig beherscht, keine Frage, aber wenn man die Richtung festlegen soll, dann bleibt nur "Alternative" wie es nicht alternativer sein könnte.

Miss Apple singt nicht schwarz und nicht weiß, sie hat ein Album abgeliefert, das in keinem schöneren Grau strahlen könnte. Die Songs sind filigran, wechseln ständig die Richtung, verändern ihre Motive, ihre Intensität und ihre Stimmung. Vorne rechts singt Wehmut daher, und hinten in der Ecke intoniert das Schlagzeug zum Solo. Extrem abwechslungsreich und zumindest musikalisch so anspruchsvoll gemacht, daß man nicht loslassen mag. Dieses Album werde ich garantiert sehr selten hören, denn leider fehlt allzuoft die Zeit, sich nicht ablenken zu lassen. Die Texte drehen sich im Grunde genommen stets um das Zwischenmenschliche. Der einzige Punkt, der bei näherer Betrachtung etwas langatmig wirkt. Aber ansonsten ist klar, hier gewinnt der Bauer die Partie - was für eine Künstlerin!

(Torven Hartz)

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Highlights

  • On the bound
  • Paperbag
  • Fast as you can

Tracklist

  1. On the bound
  2. To your love
  3. Limp
  4. Love ridden
  5. Paper bag
  6. A mistake
  7. Fast as you can
  8. The way things are
  9. Get gone
  10. I know

Gesamtspielzeit: 42:37 min.

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nörtz

Postings: 3250

Registriert seit 13.06.2013

2017-03-04 09:45:54 Uhr
In "Sullen Girl" gibts ja diese eine Textstelle:

I used to sail the
Deep and tranquil sea
But he washed me shore
And he took my pearl
And left an empty
Shell of me

https://www.youtube.com/watch?v=Pilud0vQVmk

"When the pawn" ist nach all den Jahren immer noch eine 10/10 für mich und das wird sich auch nie ändern.
Fiona Pear
2017-03-04 02:34:14 Uhr
Oh, hatte mich mit Fiona Apples Vergangenheit noch nie befasst. Eine Schande ist es, wie vielen Frauen so etwas angetan wird. Das ist wirklich schrecklich. Es gibt Frauen, die nach einer Vergewaltigung Suizid begehen. Andere werden irgendwie düster und zynisch und ihres Lebens nicht mehr froh. Kenne eine Frau persönlich, die Schreckliches in ihrer Kindheit erlebt hat. Und die ist psychisch irreparabel verkorkst und zieht mich oftmals mit runter mit ihren ganzen Dramen und ihrer düsteren Weltsicht. Das ist alles andere als lustig. Ich würde es gar nicht aushalten, die ständig um mich zu haben. Was er eigentlich alles damit anrichtet (einen anderen Menschen langfristig psychisch zu zerstören), darüber macht sich wohl kein Vergewaltiger Gedanken.
Ähnlich
2017-03-03 22:00:13 Uhr
Stimmt, Fiona hat ganz schön was abbekommen. Die Sängerin Nico wurde als Jugendliche auch vergewaltigt. Hat bei ihr auch ein Trauma hinterlassen, insbesondere weil es ein schwarzer Besatzer-GI war (den hat man danach hingerichtet). Anschließend war Nico bis zu ihrem Tod psychisch krank, hasste Schwarze (fast schon logisch) und versank im Drogensumpf.

The MACHINA of God

Postings: 8641

Registriert seit 07.06.2013

2017-03-03 17:06:47 Uhr
Sie wurd unter anderem als Jugendliche vergewaltigt. Das macht nun mal was mit Menschen. Warum du hier ein "aber" nach dem Erwähnen des Künstlertum stellst, verstehe ich nciht.
Ich dreh die Sache mal um: wäre Fiona nicht so eine Persönlichkeit, wäre ihre Musik auch nicht so aufwühlend wie sie ist.
rate mal mit rosenthal
2017-03-03 15:41:29 Uhr
ich mein, ich liebe fiona als künstlerin. aber eines muss man festhalten: sie war und ist ´ne heftige borderline-persönlichkeit, als mensch sicher wahnsinnig schwierig im umgang.

auch ihre drogenkarriere (schaut euch mal den verfall der letzten 10 jahre von ihr an) und ihre dauerhaft instabilen partnerschaften legen davon zeugnis ab. tut mir irgendwie voll leid für sie.

es tut ihr offensichtlich nicht gut als so sensibler mensch in einem scheißloch wie kalifornien beheimatet zu sein?
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