The Bluetones - The Bluetones

The Bluetones- The Bluetones

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 13.10.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The inside of love

Es ist das Paradies der Besserhörer: Der laue Sommerabend verschluckt die Sonne am Horizont, ein leichter Wind weht ins Gesicht, und man frönt den Geschichten, die nur diese Menschen erzählen können, welche man heute Nacht zusammen getrommelt hat. Davey von Bohlen (Maritime) hätte seine Akustische mitgebracht, Matthew Caws (Nada Surf) seinen Lockenkopf und Evan Dando (The Lemonheads) seine neueste Vision. Der Fuß wippt, das Bier schmeckt. The Bluetones liefern die Essenz solch einer schwelgenden Träumerei. Zwischen zuckersüßen Popsongs und rosaroter Liebestrunkenheit geben sich die Hits die Klinke in die Hand. Mit Engelsflügeln und leicht angeheiterten Sinnen, gespitztem Mund und "Love. Love. Love!" im Kopf schwebt man auf Zehenspitzen dem Federbett entgegen.

Das Quartett aus Hounslow ist längst kein unbekannter Teiler des großen Ganzen. Das Debütalbum "Expecting to fly" ließ 1996 energisch die britischen Charts explodieren und plazierte sich an deren Spitze. Der NME entzündete Raketen, das poppige Ende des Britpops schien gerettet, Oasis kurzzeitig vergessen. Zehn Jahre später stoßen eher Perlentaucher auf die galanten Songs der Engländer, als daß sie lauwarm auf dem Silbertablett serviert werden. Mark Morriss lacht sich ins Fäustchen, das Ersparte reichte. Die Songs funkeln noch immer. Wozu die Mühe, wenn man seine Hymnen vor einer erlesenen Zahl von Freunden darbieten kann? Denkste: Wir ziehen mit, wir können nicht genug bekommen. Wir sind hochgradig suchtgefährdet.

Ein swingender Beat, ein hüpfender Baßlauf, und schon stecken wir bis zu den Ohren in "Surrender", einer Perle von Song, die eine Melodie im Gepäck hat, welche man laut unter der Dusche mitsingen möchte, der Liebsten auf den Anrufbeantworter haucht und heimlich im Gottesdienst vor sich hersummt. Das herrlich deprimierte "Hope & jump" scheut sich nicht vor Beach-Boys-Chören, Simon-&-Garfunkel-Lyrics und lauert als sehnsüchtigste Sommerhymne seit Maritimes "Tearing up the oxygen" auf die ersten Herbstblätter. Wild zupft die knackige Single "My neighbour's house" am schief sitzenden Schlips, bevor dieser im zärtlichen "Fade in/fade out" abgenommen wird und als Taschentuch herhalten muß. The Bluetones teilen aus, was alle einstecken wollen.

"The Bluetones" ist zu einem funkelnden Album geraten, das man gerne in seiner Vitrine zwischen The Promise Ring und Nada Surf ausstellt, um sich selbst an den Kleinigkeiten des Covers immer wieder zu erfreuen. Ein kleines Album mit großen Hits, ein bester Freund im Polycarbonatgewand. Die Blumen gehen diesen Herbst in den Westen Londons. Mit Kußhand und einer Schleife verpackt. Und wem das rosarote Leinentuch der Liebe zu straff um den Kopf gewickelt wird, der orientiert sich besser an den Scissor Sisters. Die haben nicht nur für jeden Geschmack das passende Utensil, sondern auch den Erfolg im Flächenquadrat parat. The Bluetones können mit ruhigem Gewissen darauf verzichten und flechten weiter an ihren Freundschaftsbändchen. Im Sonnenuntergang, mit Matthew Caws und Evan Dando.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Surrender
  • Hope & jump
  • My neighbour's house
  • Fade in/ fade out

Tracklist

  1. Surrender
  2. Baby, back up
  3. Hope & jump
  4. Head on a spike
  5. The king of outer space
  6. Thank you, not today
  7. My neighbour's house
  8. Fade in/fade out
  9. The last song but one
  10. Wasn't I right about you

Gesamtspielzeit: 36:11 min.

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  • The Bluetones (4 Beiträge / Letzter am 30.05.2010 - 18:21 Uhr)