Wunder - Strom

Wunder- Strom

Warner
VÖ: 29.09.2006

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Abflug

Die Spezies der Stadionrocker müßte man unter UNESCO-Schutz stellen. Man könnte sie als Wachsfiguren in Kabinetten ausstellen, Kirchen nach ihnen benennen und ihre Songtexte mit einer Rakete ins unendliche Universum schicken, auf das Außerirdische das wirklich Wesentliche über uns Menschen erfahren. Vielleicht würden diese dann gar mit uns in Kontakt treten und mit gereizter Stimme fragen: "&§# $%= ?&%!/)& ?®&%$&?" ("Ist das euer Ernst?") Schnell würde jedes Land zur nachdrücklichen Betonung seine Stadionband herausrücken. Und ihr einen guten Flug wünschen. Endlich könnten wir Deutschen uns von Wunder trennen, die schon seit 11 Jahren ihrer eigenen Stadionrock-Attitüde hinterher rennen. Adieu!

Erinnert sich noch jemand an dieses epochale Werk der Langeweile, Unnötigkeit und Feierabend-Philosophie namens "Was hält uns wach"? Verdrängt? Peinlich berührt? Der Therapiebesuch war teuer? Dann bitte an der nächsten Kreuzung Richtung Christina Stürmer abbiegen, bevor die Zielgerade zu "Strom" führt, dem nächsten Langspieler der Hamburger Band Wunder. Die hält ihr zweites offizielles Album für eine homogene und organische Fortführung ihres Debüts. So schlimm gleich?

Von einer Veränderung kann zunächst keine wahrlich Rede sein: Stillstand, Resignation, Kopfkratzen. "Manchmal" vergreift sich am Hustensaft der Hausapotheke, "Wenn wir aufhören zu reden" ist so heiß wie ein brennender Matthias Reim. Auch "Herz", die Schlagerwerdung eines gewissen Darkwave-Gefühls, will Wunder nicht gelingen, sondern reiht die Band in die von Joachim Witt angeführte Riege der Trauerklöße ein. Hier träumt eine Band vom großen Erfolg und schmiert ihrer Musik das Fett nur so um die Backen. Mit Powerkitsch, Keyboardromantik und lyrischen Tiefstpreisen gewinnt man aber mit Sicherheit nicht mal den "Bronzenen Otto" der Bravo. Wunder treten mit Nachdruck in ihre eigenen Fußstapfen.

Doch lassen wir wenigstens Sängerin Katrin ("Mein Herz ist schwer wie Blei / Und ich bin nicht schwindelfrei") Schröder am Ende dieser Rezension zu Wort kommen. "Wir sind die Letzten / Bleiben bis zum Schluß / Voreinander stehen / Wir gehen jetzt", verspricht sie in "Stadionlicht". Richtig, das ist deprimierend. Abschied ist eben ein scharfes Schwert. Aber dafür kennen sich Wunder schon mit seltsamen Lebensformen aus: "Zwischen Posern und Poeten / Leb ich mein Leben / Irgendwie." Viel Spaß auch im All.

(Christian Preußer)

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Highlights

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Tracklist

  1. Manchmal
  2. Schatten und Licht
  3. Wenn wir aufhören zu reden
  4. Aus dem Nichts
  5. Zeitloch
  6. Herz
  7. Einfach
  8. Stadionlicht
  9. Hinter den Mauern
  10. Es kommt immer wieder
  11. Bernsteinregen

Gesamtspielzeit: 45:54 min.

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User Beitrag
Armin
2006-09-22 14:41:19 Uhr
WUNDER - Strom
CD, VÖ 29.09.2006
In den Räumen ihres Studios Zwischengeschoss haben WUNDER ihren natürlichen Lebensraum eingerichtet. Hier, unweit des Hamburger Vergnügungsviertels St. Pauli, umrahmt vom Multikulti-Stadtteil Altona auf der einen Seite und den Szenevierteln Schanze und Karo auf der anderen, verbringen Katrin Schröder, Arne Ghosh, Peter Keller und Achim Köllner den größten Teil ihres Lebens - wenn sie nicht gerade auf Tournee sind. Im Zwischengeschoss entstand ihr Album Was hält uns wach, mit dem sie vor knapp zwei Jahren ihren Warner-Einstand gaben, und nun wird hier bis zur letzten Minute Hand an das neue Album gelegt, das den Titel Strom trägt.

Strom, ein perfekter Titel für ein Album, das wie in einem Fluss zu einem Ganzen wurde: homogen, natürlich fließend und in einem organischen Prozess sich entwickelnd. "Die meisten Songs entstanden wie von selbst," erzählt Bassmann und Studiodrummer Arne Ghosh. "Viele von ihnen haben wir auf Tour im letzten Jahr geschrieben, beim Soundcheck oder auf akustischen Gitarren im Hotelzimmer. Die Songs zum ersten Album entstanden zum großen Teil am Rechner, diesmal entwickelten wir die Songideen als Live-Band."

Die Jahre 2004 und 2005 haben WUNDER in der Tat hauptsächlich auf der Bühne verbracht. Nachdem das Album Was hält uns wach im Juli 04 erschienen war, spielten WUNDER mit der finnischen Band The Crash auf Club-Tour, im Laufe derer sie von einem durchaus sehr jungem Publikum begeistert aufgenommen wurden. Liveshows mit Laith Al Deen und Element of Crime schlossen sich an und rundeten das Jahr ab. 2005 ging es mit Juli auf 21 Shows in Deutschland und Österreich, die für alle Beteiligten eine großartige Erfahrung und inspirierende Zeit war. Zugleich ging die Single Was hält uns wach für 11 Wochen in die deutschen Top-60. Im Sommer kamen weitere 20 Open Air-Konzerte, denen im Herbst eine eigene Headliner-Tour mit 13 weiteren Gigs folgte. Fast nahtlos schloss sich dann die Arbeit im Studio an, die bei einer so gut eingespielten Band zügig vonstatten ging.

Armin
2006-09-11 11:50:30 Uhr
WUNDER

"Schatten und Licht", Single

VÖ 22.09.2006, Warner Music

"Strom", Album

VÖ 29.09.2006, Warner Music



Wie die meisten deutschsprachigen Bands, die sich in den letzten Jahren über die Achtung der deutschen Musikszene freuen können, gibt es auch Wunder nicht erst seit der "perfekten Welle". Schon seit 1995 entwickeln sie spielerisch ihre eigene Vision von moderner Popmusik, die kräftigen Pop/Rock mit aussagestarken und direkten Texten verbindet. "Das war damals, Mitte der Neunziger, durchaus ein schwieriges Pflaster, da man deutschsprachiger Popmusik noch lange nicht so offen gegenüberstand", erinnert sich Gitarrist Keller. In der Folge mussten Wunder früh lernen, selbständig zu arbeiten: Touren selbst organisieren, das komplette Booking übernehmen, Selbstmanagement, ein eigenes Studio aufbauen.



1999 veröffentlichten sie ihre selbst produzierte EP "Ach ja". Belohnt wurde die Mühe mit bundesweiter Medienpräsenz und Live-Übertragungen auf Radio- und Fernsehkanälen im ganzen Land. Dazu gesellten sich mehrere Musik-Beiträge für Kurzfilme und eine Version eines ihrer Songs für das Hörspiel "Die wilden Kerle". Als Wunder in Jahr 2004 zu Warner Music kamen, hatten sie ihr Album "Was hält uns wach" bereits fertig aufgenommen und produziert. Auch für ihr neues Album "Strom" hatten Wunder künstlerisch vollkommen freie Hand über Repertoire und Sound. Eine Band wie Wunder muss frei fließen können, um das Beste aus sich herauszuholen. Die Freiheit, einen "Strom" zu bilden, der Widerstände einfach umspült und weiterfließt.



Auffallend ist die große Homogenität des Albums, die wärmere Atmosphäre und die starke Emotionalität. Wirkte "Was hält uns wach" auf Manchen sehr technisch, sind bei "Strom" die wärmeren Sounds und die Gitarren in den Vordergrund gerückt: Nähe statt Distanz. "Es ist für uns eigentlich ganz normal, dass wir uns da nicht festlegen," betont Katrin. "Dass unser Schwerpunkt zwischen Gitarre und Elektro pendelt, zieht sich als Faden durch unsere Geschichte. Es geht immer darum, was das Herz und die Seele sagen, was wir gerade wollen und in welcher Situation wir gerade sind." So verzichten die Songs auf "Strom" weitgehend auf elektronisches Schlagzeug und erhalten ihre treibenden Impulse von echten Drums, die zum Teil bei Wunsch-Engineer Peter Schmidt in Berlin aufgenommen wurden - einfach "weil dort die Bedingungen mit großen Schlagzeugräumen und die entsprechende technische Umgebung optimal waren," so Keller. Das meiste Material wurde im Zwischengeschoss in Hamburg aufgenommen.



Natürlich kann man von Wunder nach wie vor keinen flauschigen Sommerpop mit einer Prise Nachdenklichkeit erwarten, sondern Songs, die Zweifel hegen und den Konfliktfall nicht scheuen. Etwa wie die erste Single "Schatten und Licht", die auf ihre Art ein typisches Wunder-Liebeslied ist. Hier werden nicht Zweisamkeit und die schmerzlichen Wonnen der Sehnsucht gefeiert, sondern von Unvereinbarkeiten und Disharmonie erzählt, wenn das Buch der Liebe aufgeklappt wird: Schwächen werden nicht akzeptiert / Gefühle ständig isoliert / der eine gewinnt, der andere verliert... Und doch siegt die Liebe im Refrain: Der Schatten braucht das Licht / genauso wie ich Dich / dass wir zusammengehören / kann niemand zerstören.



Mehr Infos:



Band: http://www.wunder.tv

Label: http://www.warnermusic.de


alfred
2006-07-14 15:59:48 Uhr
mal unfreiwilig live erlebt. nein danke.
Armin
2006-07-14 12:53:23 Uhr
WUNDER - Schatten und Licht
CDM, VÖ 25.08.2006
In den Räumen ihres Studios Zwischengeschoss haben WUNDER ihren natürlichen Lebensraum eingerichtet. Hier, unweit des Hamburger Vergnügungsviertels St. Pauli, umrahmt vom Multikulti-Stadtteil Altona auf der einen Seite und den Szenevierteln Schanze und Karo auf der anderen, verbringen Katrin Schröder, Arne Ghosh, Peter Keller und Achim Köllner den größten Teil ihres Lebens - wenn sie nicht gerade auf Tournee sind. Im Zwischengeschoss entstand ihr Album Was hält uns wach, mit dem sie vor knapp zwei Jahren ihren Warner-Einstand gaben, und nun wird hier bis zur letzten Minute Hand an das neue Album gelegt, das den Titel Strom trägt.

Natürlich kann man von WUNDER nach wie vor keinen flauschigen Sommerpop mit einer Prise Nachdenklichkeit erwarten, sondern Songs, die Zweifel hegen und den Konfliktfall nicht scheuen. Etwa wie die erste Single Schatten und Licht, die auf ihre Art ein typisches WUNDER-Liebeslied ist. Hier werden nicht Zweisamkeit und die schmerzlichen Wonnen der Sehnsucht gefeiert, sondern von Unvereinbarkeiten und Disharmonie erzählt, wenn das Buch der Liebe aufgeklappt wird: Schwächen werden nicht akzeptiert / Gefühle ständig isoliert / der eine gewinnt, der andere verliert... Und doch siegt die Liebe im Refrain: Der Schatten braucht das Licht / genauso wie ich Dich / dass wir zusammengehören / kann niemand zerstören.
"Es geht um Gegensätze, die sich anziehen. Darum, dass in der Auseinandersetzung etwas Fruchtbares entstehen kann," so Katrin. "Bei Wenn wir aufhörn zu reden geht es mir um den Menschen von nebenan, der alles in sich hineinfrisst. Aber dadurch wird es ja nicht besser."
Oft aber lassen die Texte viele Deutungen zu, bilden kleine Aufgaben für den Zuhörer, werden an anderer Stelle wieder sehr deutlich und gestatten in jedem Fall ein eigenes Verständnis. "Es soll ja jeder in den Texten lesen, was er auf sich beziehen kann. Es ist ja auch viel spannender, wenn Fans auf uns zukommen und uns erzählen, wie sie einen Text auf sich bezogen haben."

Die Jahre 2004 und 2005 haben WUNDER in der Tat hauptsächlich auf der Bühne verbracht. Nachdem das Album Was hält uns wach im Juli 04 erschienen war, spielten WUNDER mit der finnischen Band The Crash auf Club-Tour, im Laufe derer sie von einem durchaus sehr jungem Publikum begeistert aufgenommen wurden. Liveshows mit Laith Al Deen und Element of Crime schlossen sich an und rundeten das Jahr ab. 2005 ging es mit Juli auf 21 Shows in Deutschland und Österreich, die für alle Beteiligten eine großartige Erfahrung und inspirierende Zeit war. Zugleich ging die Single Was hält uns wach für 11 Wochen in die deutschen Top-60. Im Sommer kamen weitere 20 Open Air-Konzerte, denen im Herbst eine eigene Headliner-Tour mit 13 weiteren Gigs folgte. Das kommende Album STROM erscheint am 29. September. Die Single SCHATTEN UND LICHT am 22. September. Mehr zu WUNDER auch unter www.wunder.tv


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