Erase Errata - Nightlife

Erase Errata- Nightlife

Kill Rock Stars / Cargo
VÖ: 29.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Turmbau

Das allgemeine Getümmel eines Erase-Errata-Albums kann einem schnell zuviel werden. "At Crystal Palace" stolperte mit kakophonischem Geklapper ebenso verkurvt an der Aufmerksamkeitsschwelle vorbei wie das Debüt "Other animals". Denn während diejenigen, die hinhören wollten, noch nach der passenden Schublade suchten, hatten Jenny Hoyston, Bianca Sparty, Ellie Erickson und Sara Jaffe schon ein paar Kleiderschränke weiter für wirbelnde Unordnung gesorgt.

Beim ersten, fassungslosen Aufeinandertreffen mit "Nightlife" jedoch könnte man fast meinen, die Band hätte seit dem bildungsbedingten Ausstieg von Jaffe die Geradlinigkeit entdeckt. Oder wenigstens etwas entfernt Verwandtes. Dermaßen unvermittelt springt einem der Tourette-Groove von "Cruising" ins Gesäß, daß man das wirre Kuhglockengerumpel glatt für einen übles New-Wave-Delirium halten könnte. Wacklige Knochen werden zu Wachs, Ohren stülpen sich um, und der Baß reibt sich an einer zahnarztbohrernde Gitarre. "Surrender / You've got to give in to me."

Und das ist erst der unter Starkstrom gesetzte Anfang: Wenn das lebensmüde "Hotel suicide" mit dem eigenen Abschiedsbrief spielt, kollidieren Fingernägel-auf-Schiefertafel-Riffs mit Black-Sabbath-Breaks. Im angepißten Groover "Another genius idea from our government" verrostet ein Saxophon zwischen zittrigen Singlenotes. Das brodelnde "Tax dollar" pfeift sich eins auf Bushs Steuergeschenke an alte Verbindungs-Kumpel: "Murder with your tax dollars." Und nach dem beinahe lasziven "Take you" weiß man nicht, ob in der geheimen Höhle jetzt hemmungsloser Sex wartet. Oder doch nur ein ziemlich ekliger Tatbestand nach §211 StGB.

Hoystons Riffs kratzen sich gegenseitig die Augen aus, während Erickson und Sparta noch jeden Rhythmus unter Beschuß nehmen und sich erst dann zufrieden geben, wenn sie mit den Sägespänen noch schnell Puzzle spielen können. Obwohl "Dust" beinahe übersichtlich loslegt, hüpfen in den gerade mal zweieinhalb Minuten doch noch drei ganz andere Grooves wie aufgeputschte Springteufel durch den Song. "Rider" schabt wie eine nervöse Kakerlake an den Tonabnehmern herum. Und "Giant Hans" hat schließlich irgendwo im Durcheinander ein Popowackelriff gefunden, das jetzt dringend auseinandergenommen werden muß. Es zappelt an allen Ecken. Stillsitzen ist nicht. Wenigstens liegen die ganzen Splitter am Ende säuberlich aufgetürmt herum. Aber beweg Dich jetzt bloß nicht! Bei der kleinsten Berührung könnte das Chaos endgültig auf Dich einstürzen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hotel suicide
  • Another genius idea from our government
  • Tax dollar
  • Giant Hans

Tracklist

  1. Cruising
  2. Hotel suicide
  3. Another genius idea from our government
  4. Take you
  5. Dust
  6. Tax dollar
  7. Rider
  8. Beacon
  9. He wants what's mine
  10. Giant Hans
  11. Wasteland (in a …)
  12. Night life

Gesamtspielzeit: 30:10 min.

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  • Erase Errata (4 Beiträge / Letzter am 09.03.2006 - 16:01 Uhr)