Ensemble - Ensemble

Ensemble- Ensemble

Fat Cat / Rough Trade
VÖ: 06.10.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Klirrfaktor

Manchmal öffnet man den Briefkasten und wundert sich. Über Post, die man so nicht erwartet hätte. Ein durcheinandergeratenes Etwas in blau, dessen Aufschrift für Augenbrauengymnastik sorgt. Da steht doch tatsächlich etwas von "including collaborations with Lou Barlow & Cat Power". Ausrufezeichen. Und dann entpuppt sich der Projektname Ensemble auch noch als Tummelplatz eines Knispelgenossen von Madame Björk. Der Einzelkämpfer Olivier Alary hatte mit seinen bisherigen Bastelstunden aus Island für Aufhorchen gesorgt, durfte daraufhin ein paar Remixes machen und schrieb für das großartige Gejaul von "Medúlla" sogar an einer Vokalartistik mit. Was da wohl auf dem Tonträger versteckt ist?

Schwurbelige Elektronik, zärtelnder Laptopfolk, Harmoniegymnastik knapp über der Wahrnehmungsschwelle. Zwischen nicht mal zwei und neuneinhalb Minuten. Vor fünf Jahren mit "Sketch proposal" auf Richard D. James' Rephlex-Label der eigenen Aufmerksamkeit entwischt. Und jetzt bei den Besinnlichkeitsexperten von Fat Cat genau richtig. Gleich der Opener "Summerstorm" verknüpft Hippieniedlichkeit mit Verstimmungsstreß und Schepperbrausen. Denn wenn der Franzose sich für "Ensemble" eines bei den Nachbarn seiner Wahl-Heimat Montréal abgeguckt hat, ist es dies: Musikalisches Kindchenschema wird immer nur angetäuscht.

"One kind two minds" fährt mit dem feuchten Finger übers Wasserglas, bis sich Barlows erdverbundene Stimme ins klingelnde Crescendo mogelt. "Threatened by your beauty / Have I got into you." Besser könnte man dieses Wohlgefühl kaum beschreiben, welches auch der singende Rasierapparat am Ende nicht fortpusten kann. "Loose" fahndet in Streichern und Säuseln fast zehn Minuten lang nach den Gründen für dieses flaue Gefühl in der Magengegend. Das resignierte Umhertasten von "Disown, delete" wächst und wächst und wird durch Marshall die gigantischste Winzigkeit dieses Albums. Klanginstallationen wie "Still" oder "Unrest" drücken schon im Titel ihren Wesensgehalt aus. Und "For good" ist dann wirklich nur noch ein entferntes Rauschen. Lärm ist Pop ist Experiment ist Melodie. For good.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • One kind two minds (feat. Lou Barlow)
  • Disown, delete (feat. Chan Marshall)
  • Loose

Tracklist

  1. Summerstorm (feat. Mileece)
  2. Still
  3. One kind two minds (feat. Lou Barlow)
  4. Unrest
  5. Disown, delete (feat. Chan Marshall)
  6. All we leave behind (feat. Mileece)
  7. Loose (feat. Camille Claverie)
  8. For good

Gesamtspielzeit: 43:35 min.

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