Crash Tokio - Heads, we're dancing

Crash Tokio- Heads, we're dancing

Tapete / Indigo
VÖ: 29.09.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Tanzflächenbrand

Aufstehen oder Liegenbleiben? Hose oder Rock? Barfuß oder Lackschuh? Tee oder Kaffee? Zucker oder Milch? Das Leben fordert täglich unzählige Entscheidungen, als sei es eine nimmermüde Nachmittags-Gerichts-Show. Was also tun, wenn man die Entscheidungsfreudigkeit einer mißgelaunten Katze besitzt? Richtig: Münze werfen. Wobei man sich dann natürlich auch erstmal entscheiden muß, welche Wahlmöglichkeit Kopf und welche Zahl entspricht. Es ist schon ein Dilemma. Womöglich waren sich Crash Tokio nach ihrem Debüt "We are plastic" auch nicht so ganz sicher, in welche Richtung der Nachfolger denn nun gehen sollte. Was haben sie also gemacht? Genau: Münze geworfen. Und dann war alles klar - "Heads, we're dancing".

"Oh my God / I can't believe my eyes", zappelt Sänger Pese gleich zu Beginn los. Allerdings traut man zunächst wohl eher seinen Ohren nicht. Sind Crash Tokio in die Lametta-Kiste gefallen? Weist diese japanische Metropole in Bandnamen vielleicht grundsätzlich auf eine gewisse Tollwütigkeit hin, die man bei den Münchnern eben nur noch nicht entdeckt hatte? Jedenfalls: Das Album brennt lichterloh und zerrt mit eiserner Entschlossenheit auf den Dancefloor. Als wäre der ein Löschteich. Die Rhythmusgruppe ist mindestens anabolikagedopt, und woher kommen eigentlich diese höllisch hymnischen Refrains, insbesondere der von "I'm a ship"?

Crash Tokio klingen neuerdings so, als wäre die Größe des Münchener Olympiastadions transportabel wie ein Klappfahrrad. Fliegende Synthieteppiche werden ausgerollt, der Gitarrenkoffer in Koffein getränkt und Nina Kränsel (jawohl, die Ex-Bassistin von Miles) quietscht kokette Backing-Vocals, als denke sie ernsthaft darüber nach, bei den Pipettes anzuheuern. Wenn die Vier allerdings nochmal so einen feisten Beat wie bei "Anatomy of love" auffahren, dürfen sie sich nicht wundern, wenn Justin Timberlake plötzlich mitmachen will.

"Girls can dance" zieht jedem genüßlich die blue suede shoes aus, und "Heavy end" richtet schließlich unter tatkräftiger Mithilfe von Orgel und Trompete eine kuschelige Chill-Ecke ein. Es empfiehlt sich übrigens, darauf zu achten, nach dem letzten offiziellen Track die CD schnell auszumachen. Sonst wird man von gruseligem, wasserstoffblondiertem Techno-Gedöns erschreckt. Ist Crash Tokios Zweitwerk nun eine würdevolle Dancing Queen oder bloß ein hyperaktiver Zappelphilipp? Schwere Entscheidung. Man kann ja mal ne Münze werfen - und darf sich nicht wundern, wenn die diplomatisch balancierend auf ihrem Rand stehen bleibt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Good you are
  • I'm a ship
  • Girls can dance

Tracklist

  1. Good you are
  2. Eureka
  3. I'm a ship
  4. Anatomy of love
  5. Girls can dance
  6. Monsters & machines
  7. You're home
  8. For you always
  9. Not made for talking
  10. Heavy end

Gesamtspielzeit: 45:26 min.

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