Arab Strap - The red thread

Arab Strap- The red thread

Chemikal Underground / Zomba
VÖ: 26.02.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Blutrote Farbspiele

Sie sind mitunter schon eine verrückte Zunft, die auf Indie-Labels aktiven Künstler. Die einen lehnen jede Art von Kommerz ab und hassen den Erfolg geradezu, verkaufen aber ihre Platten wie geschnitten Brot. Die anderen hingegen wollen endlich ihren Hauptjob als Hausmeister aufgeben und sich um jeden Preis ganz auf die Musik konzentrieren. Wohl eher zu den letzteren zählen Aidan Moffat und Malcom Middleton von Arab Strap. Nach einem Kurzbesuch bei einem Majorlabel, das in Unstimmigkeiten über fehlendes Hit-Potential endete, wurde die Band kurzum wieder fallen gelassen. Reumütig und geläutert von diesen negativen Erfahrungen kehrten Arab Strap zum Kleinstlabel Chemikal Underground zurück und legen jetzt mit einem sinnigerweise "The red thread" betitelten Album ihr kompromißlosestes Werk vor.

Durch den besonderen Gegensatz, den Arab Strap aus der Kombination aus handgemachter Musik und Elektronik kreieren, lassen sie in ihren Kompositionen sehr viel Raum und liefern oft nur zerbrechliche Klanggebilde ab. Beim kargen Opener "Amor Veneris" beispielsweise fühlt man sich versucht, den Lautstärkeregler ein gutes Stück aufdrehen, um die nackte Akustikgitarre mit dem beiläufigen Quietschen der Saiten beim Akkordwechsel überhaupt wahrzunehmen. Wenn daraufhin die von Acts wie Tortoise bestens bekannten Post-Rock-Bässe einsetzen und sich selbst die Düstermänner von Joy Divison Hoffnungen auf einen wenigstens eingehenden Refrain-Teil machen würden wird man enttäuscht, denn auch auf diesen wurde verzichtet. Endlich ist wieder alles erlaubt, ohne daß Arab Strap jemand reinredet oder sie kontrolliert. Das erklärt wohl auch die Auswahl der ersten Singleauskopplung "Love detective", die die düstere Stimmung der Platte perfekt präsentiert und mit dem erzählenden Sprechgesang etwas an die Tindersticks erinnert, aber in den englischen Charts wohl keine Chance haben dürfte.

Dem Fan kann es egal sein, denn tiefgraue Epen wie "Scenary" oder "Infrared" faszinieren mit den spartanischen Rythmen der Drummachine und dem müden Gesang in einer hypnotischen, nie langweilig werdenden Einfachheit. Highlight der Platte ist allerdings "Blackness", bei dem die ständige Wiederholung derselben Akkorde zum einzigen Stilmittel erklärt wird. Arab Strap versuchen dabei sieben Minuten lang, den Hörer weichzukochen, um in Form eines krachenden Gitarrenparts doch noch auszubrechen und auszudrücken, was ihnen auf dem Herzen liegt. Nicht selten verlieren Arab Strap in ihrer Eintönigkeit den Faden, doch immer wenn dem geheimnisvollen Rot ein bedrohliches Schwarz zur Seite steht, vermischen sich die Elemente für eine kurze Weile zu einem faszinierenden Klanggemälde.

(Thomas O. Huber)

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Highlights

  • Blackness
  • Scenery
  • Love detective

Tracklist

  1. Amor veneris
  2. Last orders
  3. Scenery
  4. The devil-tips
  5. Blackness
  6. Love detective
  7. Infrared
  8. Screaming in the trees
  9. The long sea
  10. Turbulence

Gesamtspielzeit: 59:58 min.

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