Fun Lovin' Criminals - Loco

Fun Lovin' Criminals- Loco

DiFontaine / Chrysalis / EMI
VÖ: 26.02.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Last dance with Mary Jane

Ein New Yorker Hinterhof, irgendwann im Spätsommer des letzten Jahres. Langsam öffnet sich ein Fenster. Gewaltige Rauschschwaden entweichen in die kühle Abendluft. Drinnen sitzen drei junge Männer mit einem breiten Grinsen und beschließen spontan, erwachsen zu werden. So oder so ähnlich muß es sich zugetragen haben, als Huey, Fast und Mackie die Pläne für ihr drittes reguläres Album "Loco" schmiedeten.

Während die letztjährige Kuriositäten-Sammlung "Mimosa" eine Konzentration auf den Faktor "Smooth" darstellte, bedeutet "Loco" einen Aufbruch zu neuen Ufern. Vorbei sind die Zeiten, als sich die Fun Lovin' Criminals damit zufrieden gaben, für jede Bar den passenden Song parat zu haben: Rock und Soul, Hip-Hop und Blues, seit jeher Stilmittel der Band, geben sich nun ein Stelldichein mit lateinamerikanischen Klängen und elektronischen Verfremdungen. Die einzelnen Genres haben mehr Platz zum Atmen statt zum Inhalieren erhalten und verleihen jedem Stück eine eigene Identität. Die Anzugprolls und Grasbarone haben sich zu ernsthaften Musikern entwickelt. Cleverness ersetzt die frühere Spontaneität und das bekiffte Etwas.

Crossover 2001: "Where the bums go" rumpelt programmatisch in bester Punkmanier aus den Boxen. "The biz" hätte man auch ohne Probleme auf einem Black Music-Sampler pressen können, und mit "She's my friend" und "Little song" finden sich zwei Schnulzen aus der Kuschelrock-Schublade zum gepflegten Mitjaulen. Wer jetzt entsetzt die Bong aufstellt und versucht, die Nerven zu glätten, sei beruhigt: Egal, in welchem Revier die Criminals auch wildern, das berühmte Augenzwinkern und der relaxte Grundton schimmern immer durch. Auch aus den Texten haben sich die Wurzeln nicht verflüchtigt: Ob Huey in "Dickholder" untertänige Adjuntanten anprangert oder sich in "Loco" über schlechte Ausreden ausläßt - deftiger Humor ist garantiert.

"Loco" ist damit sicher der versierteste und abwechslungsreichste Longplayer der drei geworden und schwebt bis auf kleine Durchhänger wie "Swashbucklin' in Brooklyn" und das Eric B & Rakim-Cover "Microphone fiend" auf einem konstanten Niveau zwei Meter über dem Erdboden. Und dennoch drückt sich ein winziges Tränchen im Knopfloch meines anläßlich dieser Platte übergeworfenen Sakkos herum: Wo sind die Jungs geblieben, deren Musik mich auf Streifzüge durch die Cocktailbars New Yorks mitnahm? Bei denen alle Probleme sich in Rauch auflösten? Doch Stillstand hätte vermutlich einmal mehr Rückschritt bedeutet, und so ist es wohl besser, daß die Fun Lovin' Criminals erhobenen Hauptes in die Zukunft schreiten. Solange sie nur dieses verschmitzte Grinsen nicht verlieren.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Loco
  • She's my friend
  • Half a block

Tracklist

  1. Where the bums go
  2. Loco
  3. The biz
  4. Run daddy run
  5. Half a block
  6. Swashbucklin' in Brocklyn
  7. Bump
  8. Microphone fiend
  9. My sin
  10. Underground
  11. She's my friend
  12. There was a time
  13. Dickholder
  14. Little song

Gesamtspielzeit: 58:38 min.

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