Pere Ubu - Why I hate women

Pere Ubu- Why I hate women

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 15.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Leben des Ernstes

Die wollen nur spielen? Pustekuchen. "This is an irony-free recording." Das muß einfach mal so gesagt werden. Oder mindestens ins Booklet geschrieben. Politsche Korrektheit, verständnisvolle Kompromisse oder andere Liberalitäten haben auf "Why I hate women" so gar nichts zu suchen. Wenn David Thomas losnörgelt, merkt man ihm jedes der 31 Jahre Erfahrung mit dem lieben Genervtsein an. Seiner gegerbten Stimme übrigens auch. Lakonischer angepißt bekommt das maximal noch Mark E. Smith hin.

Dabei steht das Hadern mit den weiblichen Umständen gar nicht im Mittelpunkt. Das wäre ja einfach. Und einfach haben Pere Ubu es sich und ihrem Publikum noch nie gemacht. Das Album sei nach einem Jim-Thompson-Roman benannt, den jener kommunistische Pulp-Fiction-Schwarzseher zwar nie geschrieben habe, aber hätte. Soviel dazu. Auch für "Why I hate women" lassen sich wieder einmal ratlose Einsortierungen als Protopunk, Postpunk oder Punkrock herbeispinnen. Indierock? New Wave? Dafür, daß nichts davon auch nur halbwegs paßgerecht wird, sorgen David Thomas und seine Mitavantgardisten schon selbst.

Immer wieder flirrt alterschwache Elektronik mit fiesem Störgezwitscher zwischen mal zittrigen, mal ausfransenden Saitenkrach. Von links und von rechts, von vorne und von hinten. Im verhexten Mantra "Babylonian warehouses" nestelt das Zirpen solange an Thomas' Beschwörungen herum, bis jeder mal dieses knuffige Migränegefühl erleben durfte. "Love song" läßt sich Tentakeln wachsen, um "I live in a house without any windows / I got a 40 watt bulb to light up my life" spotten zu können. "Texas overture" hat für die Rednecks nichts als Free-Refill-Galle übrig. Und das klappernde "Two girls (one bar)" findet nicht einmal im Suff Erlösung: "In this bar the beer don't work on me."

Pere Ubu rumpeln mal träge, mal aufgedreht und mal nervenzerrüttend durch ihr dreizehntes Album. Sie zermörsern Blues, Funk und Jazz, distanzieren sich von alldem und zerkloppen im manischen "Caroleen" die letzten noch intakten Nerven mit schwerem Gitarrengeschütz. Thomas wechselt immer wieder von erbärmlichem Gewinsel über schnittiges Raspeln zu halsaderngeschwollenem Crooning und wirkt nur deswegen wie der größte Dickkopf dieses faszinierenden Getaumels, weil Keyboarder Robert Wheeler doch nicht alles mit seinen Gerätschaften unterminiert. Kunstvolle Zertrümmerung, vorsätzlich desorientierter Hintersinn, großartige Kaputtheit. Pere Ubu haben sich vor dreißig Jahren in ihrer eigenen Sackgasse irgendwo im vermeintlichen Untergrund verlaufen. Egal wo das ist - es ist herrlich ungemütlich dort.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Babylonian warehouses
  • Caroleen
  • Love song
  • Stolen

Tracklist

  1. Two girls (one bar)
  2. Babylonian warehouses
  3. Blue velvet
  4. Caroleen
  5. Flames over Nebraska
  6. Love song
  7. Mona
  8. My boyfriend's back
  9. Stolen Cadillac
  10. Synth farm
  11. Texas overture

Gesamtspielzeit: 46:52 min.

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