Mouse On Mars - Varcharz

Mouse On Mars- Varcharz

Ipecac / Southern / Soulfood
VÖ: 29.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Tonbänderdehnung

Mouse On Mars sind umgezogen. Gelandet sind sie zwar immer noch nicht auf dem Mars, aber wenigstens in einer Region, deren Klanglandschaften gewisse Zerklüftungsähnlichkeiten mit der Oberfläche des roten Planeten aufweisen: auf Ipecac, Mike Pattons notorischem Label für musikalische Antiperistaltik. Daß dabei noch mehr Reibungsverluste auftreten als ohnehin üblich, ist selbstverständlich Ehrensache. War "Radical connector" das wohl stabilste Ausmaß an Pop, welches sich die rheinischen Schachtelköpfe zuzumuten bereit waren, kippte für "Varcharz" jedweder Anflug von Eingängigkeit und Songstruktur einfach mal vom Umzugslaster. Und überlebte möglicherweise lediglich als Sample des platschenden Aufpralls auf dem doppelten Boden.

Denn darum geht es hier. Schon der verquere Titel, der sich anzuhören scheint wie "war charts", ist eigentlich nur eine anglophile Verballhornung von "Wortschatz". Oder einfach ziemlich achtlose Orthographie. Entsprechend nachlässig präparieren Mouse On Mars mit ihrem Sound eine Agar-Platte, schieben diese in einen Inkubator und kümmern sich kein Stück um die bedenklichen Ergebnisse: Die neun Stücke fallen ihnen in insgesamt 21 Tracks auseinander. Allein das zertrümmerte "Ret phase" schwappt über ein Dutzend Spurindizes. Und zerbröselt auf dem Weg alles, was ihm in die Quere kommt.

"Chartnok" beginnt wie ein fataler Headcrash des CD-Lasers und pumpt sich doch noch zu muskulösem Drum'n'Bass-Versteckspiel auf. "Fish bord" wippt lässig im Takt von Roboterfürzen, verhedderten Tapeloops und kulleräugigen Synthlinien. Die beiden Teile von "Inocular" sägen Sollbruchstellen in den aufgefahrenen Maschinenpark. "Skik" vergewaltigt ein paar polyphone Klingeltöne, deren sterbliche Überreste dann auch noch durch den Wolf gedreht werden. Und das grantige Geboller von "Düül" ist Krautrock auf ziemlich üblem Löschpapier.

Die penetrante Zerfilterung von Sounds und Rhythmen, all die pullernden Bässe und die zwitschernden 8bit-Chips - aus diesem Gewirr quetschen Andi Thoma und Jan St. Werner immer wieder derangierten Funk und elektrostatische Grooves. Klangorthopädische Fingerübungen, Störgeräusche am quietschbunten Ende des Geduldsfadens. "Varchaz" ist das Äquivalent des fiesesten Bauchschmerzes, mit dem man gerade noch tanzen kann. Man muß nur den richtigen Winkel finden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Chartnok
  • Fish bord
  • Düül
  • Bertney

Tracklist

  1. Chartnok
  2. Fish bord
  3. Düül
  4. Inocular a
  5. Inocular b
  6. Skik
  7. Hi fienilin
  8. Bertney
  9. Ret phase 1
  10. Ret phase 2
  11. Ret phase 3
  12. Ret phase 4
  13. Ret phase 5
  14. Ret phase 6
  15. Ret phase 7
  16. Ret phase 8
  17. Ret phase 9
  18. Ret phase 10
  19. Ret phase 11
  20. Ret phase 12
  21. One day, not today

Gesamtspielzeit: 52:13 min.

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