Delicate - Kali yuga

Delicate- Kali yuga

Kick / Warner
VÖ: 19.02.2001

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Plastik statt Jute

Da geht man nichtsahnend über den Wochenmarkt, plaudert ein wenig mit dem netten indischen Herrn mit den leckeren Gewürzen, und ehe man sich versieht, findet man sich in einer schummrigen Ladenecke wieder. Mit einer dampfenden Tasse Darjeeling in der Hand wird man auf einen Diwan gedrückt, während der Duft erlesener Räucherstäbchen die Nase zum Kräuseln bringt. "Du trinken. Tee gutt", bekommt man gesagt und tut wie geheißen, ehe man sich so langsam einmal umschaut.

Überall liegen Teppiche herum, die ihre besten Tage bereits hinter sich haben. Von der Decke baumelt ein wenig "Lokalkolorit", welches bestenfalls als Touristenfänger durchgeht, und klimpert vor sich hin. Der Tee schmeckt wie zweimal aufgebrüht, die Räucherstäbchen riechen nach BASF und merkwürdigerweise hat die gesamte Einrichtung ein dezentes Flair von "Made in Taiwan". Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Während der freundliche Herr mit dem roten Punkt auf der Stirn etwas von "Kali yuga" und "Krita yuga" plappernd hinter einem Vorhang verschwindet, nutze ich seine esoterischen Anwandlungen, um ein wenig weiter zu stöbern. In der halbherzigen Hoffnung, mit meinem Mißtrauen wenigstens ein wenig daneben zu legen, finde ich neben verdächtiger roter Theaterschminke auch ein paar Postkarten. "Delicatessen-Club, Berlin" steht darauf. Allerlei indische Symbolik trifft auf germanische Verkitschtheit. Authentizität ade.

Ähnlich echt klingt auch die Musik, die schon seit geraumer Zeit aus irgendwelchen Lautsprechern plätschert. Statt eines stilechten Grammophons finde ich aber nur eine billige Stereoanlage in der Ecke. Auf ihr liegt eine CD mit der Aufschrift "Kali yuga". Das habe ich doch vorhin schon mal gehört? Aber nicht nur dies, auch die Songs einer siebenköpfigen Truppe namens Delicate kommen mir ziemlich abgestanden und vorgekaut vor. Auffällig sphärische Elektronik, aufgesetzt wirkende Sitarklänge und abgelutschte Triphouse-Beats von vorletzter Woche - nichts, was es nicht schon bereits im Dutzend gegeben hätte. Es schmeckt nach Plastik-Hinduismus. Die Reime des Vorbeters wirken nur wegen seiner nicht zu verhehlenden deutschen Abstammung akzentuiert. Was sich als völkerverbindend und bewußtseinserweiternd verkaufen will, kommt doch nicht über provinziell wirkendes Geplucker heraus. Klein-Machnow statt Neu Delhi.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Careless
  • Eyelids

Tracklist

  1. Visionary intro
  2. Close your eyes - non serviam
  3. Careless
  4. Xed's message
  5. Eyelids
  6. Lovesong
  7. Empty space
  8. Sentimental when drunk
  9. Blinded by the light
  10. Third eye
  11. Colours
  12. Strange
  13. Bourbon
  14. Busride
  15. Timestealer
  16. Lara's song
  17. Monster of love
  18. Vision complete outro

Gesamtspielzeit: 64:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Doro
2004-01-27 10:26:37 Uhr
Ich hatte das große Glück zum Unitag an der technischen Universität Dresden zufällig bei einem Konzert dabei zu sein! Die Musik einmal gehört und verliebt... bis heute liesen sich schon viele meiner Freunde davon anstecken denn auch die Stimme von Jelena Halt ist absolut verschärft!
Bin immernoch neugierig auf weitere Singles!
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