Russell Simins - Public places

Russell Simins- Public places

Grand Royal / Virgin
VÖ: 05.02.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Summe der einzelnen Teile

Russell Simins ist die wandelnde Definition eines Multitalents: Neben seiner Arbeit als Schlagzeuger und Co-Autor der Jon Spencer Blues Explosion hat er sich durch diverse Nebenprojekte wie Butter 08 und insbesondere als vielgefragter Remixer für Stereolab, Asian Dub Foundation und weitere Größen einen Namen gemacht. Und wie nicht anders zu erwarten war, birgt auch auf seinem Solodebüt der Name Russell Simins Qualität!

Eine Vielzahl von Einflüssen ist bei seiner Biographie eine Selbstverständlichkeit. Diese dann auch noch in 49 Minuten zu verarbeiten, ohne die Grenzen der Chaostheorie auszuloten, verdient aber mehr als Respekt. Simins betätigt sich als akribischer Fragmentesammler und Nestdieb bei allen Spielarten zeitgenössischer Musik und zimmert aus dem Geklauten ein eigenes Soundgerüst. Elektronisch-Tanzbares steht gleichberechtigt neben bösartigem Rock'n'Roll alter Schule, besinnlichen Gitarrenhymnen und beatlastigem Hip-Hop.

Frei nach der Dr. Oetker-Methode "Man nehme ..." mischt bereits der Opener "I'm not a model" Streicher mit Beats und Gitarren mit Samples. Rockiger geht es bei "Public places" zu, das mit seinem eingängigen Gitarrenriff ein Hit in jeder Alternative-Disco werden dürfte. Einziges Verbindungsstück zwischen den Stücken ist Russells immer leicht kratzende Stimme, die auf so manche durchzechte Nacht während der Aufnahmen schließen läßt. Auf dem besten Weg in die Fußstapfen von Everlasts "What it's like" befindet sich das extrem relaxte "Comfortable places". Beim Versuch, alle Geschmäcker auf einmal zu bedienen, enstehen mit dem mächtig verzerrten "No 90210" und dem etwas überladenen "Feel that emotion" gerade mal zwei Stücke, die regelmäßig der Skip-Taste zum Opfer fallen.

Russell Simins hat ausdrücklich betont, daß dieses Solo-Werk nicht zum Seiten-Projekt verkommen soll. Man darf also schon mächtig gespannt sein, wie viele Leute er benötigt, um das Ganze live zu präsentieren oder welche Ideen er für einen Nachfolger in der Hinterhand behalten hat. Auf "Public places" jedenfalls schafft er es gekonnt, seinen Fuß einen Spalt breit in sämtliche Türen zu setzen. Eine Lektion für die Heerscharen gesichtsloser Plagiate, die durch die Charts geistern: Wenn schon klauen, dann mit Stil.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Public places
  • Comfortable places
  • Scope

Tracklist

  1. I'm not a model
  2. Public places
  3. Jim's problem
  4. Don't you believe
  5. No 90210
  6. Comfortable place
  7. World over
  8. Feel that emotion
  9. Scope
  10. Cookies and cream
  11. No straight line
  12. Everything falls apart
  13. Stay

Gesamtspielzeit: 49:31 min.

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