Propagandhi - Today's empires, tomorrow's ashes

Propagandhi- Today's empires, tomorrow's ashes

G7 / Fat Wreck
VÖ: 05.02.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gegen den Rest der Welt

Eine politische Band zu sein, birgt Gefahren in sich. Verliert man sich in massenkompatibler Phrasendrescherei, wird postwendend die Glaubwürdigkeit in Frage gestellt oder aber wird man gar, ein gewisses Maß an Unbeholfenheit vorausgesetzt, von der Öffentlichkeit in eine Ecke gedrängt, in die die Richtung eigentlich gar nicht gehen sollte. Bei Propagandhi hingegen haben derlei Gefahren nie bestanden. Zu bedingungslos und radikal standen die Kanadier hinter ihren Idealen, zu authentisch wußten sie ihre Inhalte zu vermitteln und zu konsequent hielten sie daran fest. Kompromisse sind nicht nicht dazu da, um eingegangen, sondern um umgeblasen zu werden.

"Knowledge is power, arm yourself!", prangt direkt neben Zitaten von Hitler und Stalin in großen Lettern von Bookletseite eins und gibt die Richtung vor: Wissen ist Macht - und genau die wollen Propagandhi auf ihre eigene Art ergreifen und vermitteln. Auf der Abschußliste stehen neben den Diktatoren der Erde insbesondere die vereinigten Staaten, die jegliches anti-kapitalistisches Aufbäumen unterbinden und die Kontinente dem Albumcover gemäß in rot-weiße Streifen zu färben versuchen. Mag das Fazit der Platte - "Nur wer sich den Fehlern der Vergangenheit bewußt wird, wird sie in Zukunft vermeiden" - in seiner Reduziertheit etwas abgedroschen klingen, so sind dessen Einzelheiten an Eindringlichkeit kaum zu überbieten. Die genaue Interpretation bleibt dem Hörer wie immer selbst überlassen, beachtenswert sind die Texte im Booklet und insbesondere der Multimedia-Teil der CD auch losgelöst von der Musik allemal.

Fünf Jahre liegt mit "Less talk, more rock" die letzte reguläre Propagandhi-Platte zurück, und in der Zwischenzeit muß sich eine Menge Wut und Energie angestaut haben. Nachdem sie die letzten Jahre vornehmlich mit dem Aufbau ihres eigenen Labels G7 und damit verbundenem politischen Aktivismus verbracht haben, strotzt das neue Werk "Today's empires, tomorrow's ashes" musikalisch nur so vor geballter Kraft. Für die gelegentlichen leisen Zwischentöne der Vorgängerwerke ist seit dem Abgang des ruhenden Pols John K. Samson, der in der Zwischenzeit mit seiner neuen Band Weakerthans allerorten Herz und Hirn eroberte, kein Platz mehr bei Propagandhi. Es regiert wieder der von frühen Vorreitern aus den Achtzigern wie den Dead Kennedys oder MDC beeinflußte Hardcore-Sound aus den Anfangstagen der Band. Einzige Ausnahmen bilden der Opener "Mate Ka Moris Ukun Rasik An" und "Albright monument Baghdad", die deutlich machen, wieviel Potential die Band freilegen kann, wenn sie etwas auf die Bremse tritt, ohne auch nur einen Funken von ihrer Wirkung einzubüßen. Daß der eine oder andere weitere Song dieser Art der Platte nicht geschadet hätte, wird durch energetische Zwei-Minuten-Kracher wie "Natural disasters" oder "New homes for idle hands" weggewischt. "Brick by brick / Wall by wall" - erst wenn die Wände wackeln und die Mauern wanken, kann die längst überfällige Veränderung beginnen. "The truth will set my people free."

(Armin Linder)

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Highlights

  • Mate Ka Moris Ukun Rasik An
  • Albright monument Baghdad
  • New homes for idle hands

Tracklist

  1. Mate Ka Moris Ukun Rasik An
  2. Fuck the border
  3. Today's empires, tomorrow's ashes
  4. Back to the motor league
  5. Natural disasters
  6. With friends like these who the fuck needs Cointelpro?
  7. Albright monument Baghdad
  8. Ordinary people do fucked-up things when fucked-up things never become ordinary
  9. Ladies' night in Loserville
  10. Ego Fum Papa (I am the pope)
  11. New homes for idle hands
  12. Bullshit politicians
  13. March of the crads
  14. Purina hall of fame

Gesamtspielzeit: 33:23 min.

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