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DJ Shadow - The outsider

DJ Shadow- The outsider

Island / Universal
VÖ: 15.09.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ausgeschieden

Was ist eigentlich Zeit? Ist es tatsächlich schon zehn Jahre her, daß DJ Shadow mit "Endtroducing" die HipHop-Klangwelt nachhaltig aus den Baggies schubste? Dem Meisterstück selbst hört man das noch heute nicht ansatzweise an. Auch sein letztes Album "The private press" war vor vier Jahren eine angenehm herausfordernde Groovemaschine. Dabei beschränkte sich Josh Davis bei seinen dunklen Soundscapes meist darauf, Fundstücke und Klangfetzen zusammenzulöten. Ein beinahe wissenschaftliches Spiel mit den Samples.

Da ist es wenig verwunderlich, daß "The outsider" das erst dritte Album des Kaliforniers ist. Aber in den letzten Jahren tröpfelten die Beats besonders spärlich von seinem Plattenteller. Hier eine Zusammenarbeit mit Zach De La Rocha, dort ein paar Rhythmen mit Saul Williams und zwischendurch ein Remix für Radiohead. Und dann platzt "3 freaks" über iTunes und Myspace hinein in die Vorfreude. Und bollert erst mal ein derangiertes Bay-Area-Teil in Richtung der ratlosen Gesichter. HypeHop statt Synapsenschleudern? Clubsounds statt Kopfhörergenuß? Uff.

Deutlicher hätte Davis kaum machen können, wie sehr seine Wurzeln im kalifornischen HipHop liegen. Plötzlich geben sich Plappermäuler wie Keak Da Sneak, Turf Talk und E-40 die Klinke in die Hand. Und erstmals klingt ein DJ-Shadow-Album wie ein marktbewußtes Produkt für die Regale von sterilen Elektromärkten. Die erste Hälfte von "The outsider" schüttelt einige dickhosige Drumloops aus dem Ärmel, die prima ins hüpfende Auto passen. Und dabei mit links fast alles in die Tasche steckt, was da sonst so durchs heruntergelassene Fenster plärrt. Aber von jemandem, der früher Strukturen aus Jazz und Klassik mit seinen raffinierten Grooves vereinte, hätte man sich etwas mehr Subtilität erhofft.

Erst mit Track acht folgt eine Art Selbstbesinnung. "Broken levee blues" läßt schubladigen Hyphy- und Crunk-Wumms einfach mal vor der Tür. Und das kratzige Getrümmer von "Artifact" könnte eine prima Gehörwäsche sein. Plötzlich kommt Gefühl in die Musik. "Backstage girl" hat den Blues und möglicherweise die eine oder andere Geschlechtskrankheit. "I gotta stop fuckin' with these hoes off of MySpace", merkt Phonte Coleman zu sumpfigen Blueslicks an. In "The tiger" schweben Sergio Pizzorno und Christopher Karloff von Kasabian mit in den Dschungel. Und Stateless-Sänger Chris James veredelt in "Erase you" und "You made it" noch mehr atmosphärischen Pop, der wie ein hypothetischer Coldplay-Remix wirkt. "Immerhin", meint man. "Verlernt hat er's ja nicht, dieser DJ Shadow." Aber wenn am Ende dann noch die aufgepimpten "Enuff" und "Dats my part" losscheppern, weiß man, daß er wohl einfach nicht will. Was wohl damit zusammenhängt, daß der Meister der Fundgrube die Lust am Schallplattensammeln verloren hat. Schade.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • 3 freaks (feat. Keak Da Sneak & Turf Talk)
  • Backstage girl (feat. Phonte Coleman)
  • The tiger (feat. Sergio Pizzorno & Christopher Karloff)
  • Erase you (feat. Chris James)

Tracklist

  1. Outsider intro
  2. This time (I'm gonna try it my way)
  3. 3 freaks (feat. Keak Da Sneak & Turf Talk)
  4. Droop-E drop
  5. Turf dancing (feat. The Federation & Animaniaks)
  6. Keep 'em close (feat. Nump)
  7. Seein' thangs (feat. David Banner)
  8. Broken levee blues
  9. Artifact (Instrumental)
  10. Skullfuckery (feat. The Heliocentrics)
  11. Backstage girl (feat. Phonte Coleman)
  12. Triplicate / Something happened that day
  13. The tiger (feat. Sergio Pizzorno & Christopher Karloff)
  14. Erase you (feat. Chris James)
  15. What have I done (feat. Christina Carter)
  16. You made it (feat. Chris James)
  17. Enuff (feat. Q-Tip & Lateef The Truth Speaker)
  18. Dats my part (feat. E-40)

Gesamtspielzeit: 70:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5939

Registriert seit 26.02.2016

2019-11-16 11:42:03 Uhr
Ja, "Nobody Speak" ist für mich einer seiner besten Songs. Allein wegen der Lines, dazu noch der Beat.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23361

Registriert seit 07.06.2013

2019-11-16 05:44:22 Uhr
Das stimmt.

Aber echt? Du findest das RTJ-Ding besser als "Turf dancing". Hmm.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 5939

Registriert seit 26.02.2016

2019-11-16 00:04:51 Uhr
Einer der besten auf "The Outsider", aber so weit würde ich dann doch nicht gehen. :-P
Für mich sind das größere Problem auf dem Album eher die halbherzigen Rückgriffe auf den Stil der ersten beiden Alben. Und die wirklich ewige Länge. Mit der halben Spielzeit wäre das Ding viel effektiver.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23361

Registriert seit 07.06.2013

2019-11-15 23:08:47 Uhr
"Turf dancing" ist im übrigen geiler als der Hit mit Run The Jewels von der "Mountain". :)
Jerry Garcia
2018-04-14 17:19:39 Uhr
Mit noch mehr Abstand betrachtet, ein sehr gutes Album. Sehr abwechslungsreich. Geht gut ins Ohr.
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