Bonnie 'Prince' Billy - The letting go

Bonnie 'Prince' Billy- The letting go

Sea Note / Drag City / Domino / Rough Trade
VÖ: 15.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Diesseits und jenseits

Die Welt ruft Will Oldham. Bis nach Island hinaus ist er diesmal gezogen. Raus aus dem Wald, hin zu den Elfen. Aber das ist bloß Klischee. Also etwas, was zu Oldham paßt wie ein Doktortitel zu Verona Pooth. Reden wir also lieber von Dawn McCarthy, die dem weltfernen Poeten Oldham und seinem Bonnie-'Prince'-Billy-Emblem jetzt eine feste Muse zu sein scheint. Sie entpuppt sich als "Strange form of life", sie spukt mit ihm durch "Cursed sleep", und schon fragt man sich nicht mehr, was sich Oldham wohl dabei gedacht haben mag, eine ständige Begleiterin ins Boot zu holen.

Nun sind es zwei Stimmen, die beizeiten um Fassung ringen. Die sich im Zweiklang voneinander zu entfernen scheinen und doch mit vereinten Kräften dem Song dienen. Schnell merkt man, daß die vermeintlichen Dissonanzen immer nur die rostigen Nägel im Fleisch des Wohlklangs sind. Denn die sorgen erst für das nötige Gefühl, für die zerbrechende Zärtlichkeit, für das typische Oldham-Charisma.

Nicht nur im Gesang geht Oldham für den eigentlichen Nachfolger des betörenden "Master and everyone" neue Wege. Die Produktion von Valgeir Sigurðsson (Björk, Múm, CocoRosie) scheucht Oldham endgültig aus der längst zu eng gewordenen Lo-Fi-Ästhetik heraus. Sanfte Elektronik-Tupfer, mittsommerumnächtigte Streicher und Muskelfaserrisse in diversen Gitarren schleichen sich heran. Doch bald greifen sie spürbar in den Stoffwechsel von "The letting go" ein, rauben dem eindrucksvollen "The seedling" den letzten Nerv, lassen den staubigen Blues von "Cold & wet" künstlich stottern und umranken "God's small song" wie durchsichtige Kletterpflanzen.

Auch "The letting go" strahlt diese bedrückte Grundstimmung aus, die jemand, der einmal die Dunkelheit gesehen hat, nicht einfach abschütteln kann. Und doch besitzt es eine beinahe optimistische Offenheit, die man Oldham bislang immer nur wünschen wollte. "Lay and love" wirkt beinahe wie ein naives Liebesturteln. Eitel Sonnenschein geht trotzdem anders. Denn das Drama wartet weiterhin an jeder Ecke. "Someone lovely / And she's bringing bad news", erzählt "No bad news". Während die Geigen sägen und die Gitarren perlen, zerbricht eine Welt. Ein merkwürdig erleichternder Gedanke. Denn in jedem Ende steckt ein neuer Anfang.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Strange form of life
  • No bad news
  • Lay and love
  • The seedling

Tracklist

  1. Love comes to me
  2. Strange form of life
  3. Wai
  4. Cursed sleep
  5. No bad news
  6. Cold & wet
  7. Big friday
  8. Lay and love
  9. The seedling
  10. Then the letting go
  11. God's small song
  12. I called you back

Gesamtspielzeit: 58:11 min.

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