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M. Ward - Post-war

M. Ward- Post-war

Merge / 4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 08.09.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Veteran

Nach der Zeitreise mit dem großartigen letzten Album "Transistor radio" hat es gerade mal anderthalb Jahre gedauert, bis Matt Ward wieder in seiner Gegenwart ankam. In einer bitteren. Denn "Post-war" handelt von einem Land im Krieg. Doch es geht nicht um Protest, um Anklage oder gar um Leichenzählerei. Es geht um etwas unendlich Wichtigeres: "Post-war" handelt von einer Hoffnung, die sich partout nicht unterkriegen lassen will.

Ein Album der sich versöhnenden Widersprüche: Einmal mehr ist Wards Stimme rauh und doch gleichzeitig so butterweich. Wenn er aus einer Vorlage von Daniel Johnston das euphorische "To go home" macht, freut man sich beinahe auf die nächste Depression. Bei der sich dann hoffentlich wie hier auch wieder Rachel Blumberg (The Decemberists) und Jordan Hudson (The Thermals) zum süßen Backinggesang von Neko Case am Schlagwerk duellieren: "God, it's great to be alive / It takes the skin right off my hide / To think I'll have to give it all up someday."

Es ist die Meisterschaft dieses Matt Ward, solch dunkle Sujets nicht in verheultes Geschüchter zu betten. Bei aller Sentimentalität verströmt er stets Trost und Lebensfreude. In "Right in the head" sorgt sich jemand um seinen Bruder und dessen Dämonen. Und schunkelt dabei zu plärrenden Gitarren. Auch wenn Ward in "Chinese translation" zum wippenden Rhythmus "What can you do with the pieces of a broken heart?" haucht, glitzert das wie Sommersonne. "And if life is really as short as they say / Then why is the night so long / And then the sun went down / And he sang for me this song." So werden heimkehrende Soldaten nicht bemitleidet, sondern zum erleichterten Grinsen motiviert. Denn das hilft beim Verheilen der Narben.

Nie klang M. Ward so leichtfüßig wie bei dieser Verarbeitung des jüngsten amerikanischen Traumas. Erstmals mit einer festen Band im Rücken und Saddle-Creek-Hausproduzent Mike Mogis am Regler trifft die einsame Schönheit seiner Melodien nun auf aberwitzigen Eklektizismus. Trotzdem (oder gerade deshalb) trauen sich Songs wie "Requiem" oder "Rollercoaster" ganz nah an den Menschen heran. Sie atmen und husten und bekommen selbst Gänsehaut bei diesem Gesang. Es spielt längst keine Rolle mehr, aus welchem Jahrzehnt der vergangenen hundert Jahre Ward gerade seine Inspiration ziehen mag. Es spielt auch keine Rolle, daß viele dieser wunderbaren Lieder nach gerade einmal zweieinhalb Minuten schon wieder vorbei sind. Warum über Kürze klagen, wenn man doch ohnehin gleich wieder alles von vorne hören will? Immer und immer wieder.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Poison cup
  • To go home
  • Right in the head
  • Chinese translation
  • Rollercoaster

Tracklist

  1. Poison cup
  2. To go home
  3. Right in the head
  4. Post-war
  5. Requiem
  6. Chinese translation
  7. Eyes on the prize
  8. Magic trick
  9. Neptune's net
  10. Rollercoaster
  11. Today's undertaking
  12. Afterworld/Rag

Gesamtspielzeit: 37:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 23352

Registriert seit 07.06.2013

2020-06-12 18:18:29 Uhr
Ich kannte leider immer nur das Album, obwohl ich es richtig gut finde. Hmm.

kingsuede

Postings: 1820

Registriert seit 15.05.2013

2020-06-12 15:40:10 Uhr
Ich höre mich gerade durch die 00er Jahre. Da gehört M. Ward auch dazu, den ich einst vor ca. 70 Leuten im Kölner G9 live gesehen habe: mit einem tollen Finale und Cash‘ Get Rhythm zum Abschluss.

Post-war ist mein Lieblingsalbum, auch wenn Radio campaign vom Vorgänger Transistor radio mein liebster Song von ihm ist.
The Triumph of Our Tired Eyes
2012-08-20 09:03:17 Uhr
Finde die Transfiguration of Vincent noch einen Zacken besser. Sind aber beide sehr gute Alben.
captain kidd
2012-08-20 08:51:59 Uhr
transistor radio ist seine beste platte.
The MACHINA of God
2012-08-19 21:08:19 Uhr
Immer wieder grandioses Album. Was ist von ihm noch zu empfehlen?
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