John Frusciante - To record only water for ten days

John Frusciante- To record only water for ten days

Warner
VÖ: 12.02.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das Innere nach außen

Man könnte glauben, daß sich im zweiten Glied einer erfolgreichen Rockband ein entspanntes und sorgenfreies Leben führen läßt. Der Fokus richtet sich schließlich auf den Frontmann, während für den Gitarristen vom Scheinwerferlicht gerade das richtige Maß abfällt, um sehen zu können und gesehen zu werden. Im Falle von John Frusciante jedoch war alles anders. Mit gerade mal 18 Jahren stieg er nach dem Tod von Hillel Slovak 1988 bei den Red Hot Chili Peppers ein und nach dem Millionenseller "Blood, sugar, sex, magik" (1991) wieder aus, um dann zu "Californication" (1999) zurück zur Band zu stoßen. Doch die Zeit dazwischen geriet für John Frusciante zum Tanz auf der Rasierklinge - statt glücklich machender Gitarrensaiten bestimmte die Heroinsucht sein Leben ohne die Band. Seine aus dieser Zeit stammenden Soloalben "Niandra ladies and usually just a T-Shirt" (1994) und "Smile from the streets you hold" (1997) blieben daher für die meisten Fans Bücher mit sieben Siegeln. Eingängige Songs suchte man vergeblich, denn Frusciante hatte die Platten nicht für andere, sondern in erster Linie für sich selbst aufgenommen.

Nach dem die beiden ersten Soloalben vornehmlich als Seelentherapie dienten, hat sich auf "To record only water for ten days", das Frusciante diesmal völlig im Alleingang einspielte, der Nebel endlich gelichtet. Frusciante ist völlig clean, doch die gut zehn Jahre im Musikgeschäft haben deutliche Spuren hinterlassen und klingen aus seinem Munde wie fünfzig. Die Songs sind Musik, Reflexionen einer Seele, manchmal gar Liebeslieder von einem Mann, dem man jedes Wort glaubt, von den Lippen ablesen kann. "Show me unfocused fears in disguise / It shows me I must live to die" heißt es in "In rime", einem der schönsten Stücke. Beinahe könnte man meinen, Frusciante sei ein glücklicher Mensch geworden.

Seine virtuosen Künste an der Gitarre kann er dabei einmal mehr unter Beweis stellen, und auch wenn er immer wieder zur jaulenden Kopfstimme ansetzt, klingt das selten fehl am Platze. Dennoch gibt es etwas, das den an sich mitreißenden Songs einen Strich durch die Rechnung macht. Wenn die seelenvollen Songs sich mit dem seelenlosen Drumcomputer, der über weite Strecken steril und aufdringlich pluckert, einen erbitterten Kampf liefern, wünscht man sich, Frusciante hätte sich seine Ersatzdroge Mineralwasser vielleicht nicht in die Kehle, sondern lieber über seinen blinkenden Weggefährten geschüttet.

"You don't throw your life away going inside / You'll learn to drive out of focus" - manchmal ist es besser, dem Seelenleben den Weg ins Freie zu versperren. Doch ein allerletztes Mal dringt das Innere nach außen und läßt die Vergangenheit von John Frusciante durch die Oberfläche schimmern. Ein letztes Mal erhält die Welt schonungslos Einblick in das bestgehütete Geheimnis eines jeden Menschen. Für einen kurzen Moment noch, eine Platte lang.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Going inside
  • With no one
  • In rime

Tracklist

  1. Going inside
  2. Someone's
  3. The first season
  4. Wind up space
  5. Away & anywhere
  6. Remain
  7. Fallout
  8. Ramparts
  9. With no one
  10. Murderers
  11. Invisible movement
  12. Representing
  13. In rime
  14. Saturation
  15. Moments have you

Gesamtspielzeit: 42:10 min.

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