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Junior Boys - So this is goodbye

Junior Boys- So this is goodbye

Domino / Rough Trade
VÖ: 08.09.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Pubertät überstanden

Die Transformationen des renommierten Plattenlabels Domino Recordings haben in den letzten Jahren deutlich an Fahrt gewonnen. Erinnern wir uns an die Vergangenheit der mittlerweile dreizehn Jahre alten Institution aus London. Das Kämmerlein für die Sonderlinge der Musikszene. Low-Fidelity-Artisten, kontemplative Indiepop-Kinder und hippieske Fieldrecorder wurden von der Straße des Ausschusses aufgekehrt und hier in liebevoller Obhut aufgepäppelt. In den letzten Jahren jedoch hat dort ein radikalerer Wandel Einzug gehalten. Die Homepage wimmelt von durchgestylten Garagenrockern oder verrotzten und kaputten Stylern. Auch die begeisternden Fans der Klingeltöne können sich hier in aller Vielfalt bedienen. Der Zeitbegriff spielt jetzt auch im Hause Domino eine Rolle.

Wenn die Strokes-Libertines-Franz-Ferdinand-Kopisten-Front als Aggressionspotenzial noch nicht ausreicht und man sich gerne noch mal durch die Haare fahren und wild aufschreien möchte, weil man sonst nichts zu tun hat, dann sei um Gehör gebeten: Die Beat- und Dancegeneration soll ab jetzt auch bedacht und in das neue Konzept der fiesen Spinner aus London eingearbeitet werden. "Buh", sagen wir da. Und nochmal: "Buh! Wir als moralische und zahlende Unterstützung der ersten Stunde werden aber jetzt kräftig über den Tisch gezogen. Die verlieren ihr Gesicht." Aber okay, inspizieren wir diese Invasion erst einmal vorsichtig von außen. Junior Boys nennen sie sich. Aus Kanada stammend veröffentlichen Jeremy Greenspan und sein Partner Johnny Dark in diesen Tagen ihr zweites Album "So this is goodbye".

Der alteingesessene Labelfreund wird sicherlich verstört und fassungslos in die Ecke starren und dem Abspielgerät der Wahl dieses Alien entreißen wollen. Aber nicht zu voreilig, bitte! "So this is goodbye" bietet nicht etwa stupides Umzumz, das den Dancefloor auf und ab schreitet und die liebgewonnene Komplexität an des Türstehers Reich widerstandslos abgegeben hat. Zwar sind Beats und Elektronik in konsequenter Haltung nicht von der Hand zu weisen, aber wie die Junior Boys diese generieren und sich damit eine autonome Sparte schaffen, ist beachtlich. Ihr selbsternanntes Ziel war es, eine neue Art von Electronic Pop zu kreieren. Bevor ein Definitionschaos die Rezension vernichtet, kann man getrost festhalten, dass "So this is goodbye" diesem Ziel sehr nah gekommen ist.

Die Junior Boys suchen nicht die einfache Verschmelzung von House und Popmusik im traditionellen und massenstromgerechten Sinne. Sie klammern sich an die beiden Extreme der verschiedenen Genres, die versehen sind mit Ecken, Kanten, Gletscherspalten und spitzen Gebirgszügen. Heißt im Klartext, man infiltriert den avantgardistischen Pop, untergräbt Housemusik mit Tiefgang, verfolgt einen psychedelischen Minimalismus und macht schlussendlich nicht den Fehler, das Ergebnis auf Teufel komm raus zu einem halbgaren Einheitsbrei zu vermischen. Nein, hier hat jede Extremform seinen festen Platz und bekommt die Möglichkeit, sich zu behaupten und sein Können zu beweisen. Zwar hat "So this is goodbye" auf Albumlänge seine Probleme mit der Aufmerksamkeitsspanne des Hörers, aber die großartige Single "In the morning" steht als Paradebeispiel für die Herangehensweise der Junior Boys. Der androgyne Gesang Greenspans, der pulsierende Baß, die kargen Synthiebeats, die gesampelte Stimmakrobatik, der melancholische Poprefrain, ein leichtes Erzittern der Gitarre. Jeder Teil des Puzzles steht für sich selbst, werden nicht verzerrt oder ruckartig über den Haufen geworfen. Die Verschmelzung der einzelnen Teile obliegt der Phantasie des Hörer und dem Verständnis für die Komplexität der New Electronic Pop Music. Uns bleibt nur noch zu sagen: "Entschuldigung, Domino. So fiese Spinner seid ihr gar nicht."

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Count souvenirs
  • In the morning
  • Like a child

Tracklist

  1. Double shadow
  2. The equalizer
  3. First time
  4. Count souvenirs
  5. In the morning
  6. So this is goodbye
  7. Like a child
  8. Caught in the wave
  9. When no one cares
  10. FM

Gesamtspielzeit: 49:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
musie
2007-02-20 13:56:48 Uhr
immer noch grossartig, das album. achtung, die kommen jetzt auf tour:

Feb 20 2007 7:30P
Dingwalls London
Feb 21 2007 8:00P
Pressure Point Brighton
Feb 22 2007 8:00P
Thekla Bristol
Feb 24 2007 8:00P
Music in Mind Festival Brugge
Feb 25 2007 8:00P
Paradiso Amsterdam
Feb 26 2007 8:00P
Botanique Brussels
Feb 27 2007 8:00P
EKKO Utrecht
Feb 28 2007 8:00P
Nouveau Casino Paris
Mar 1 2007 8:00P
Cooperative de Mai Lyon
Mar 2 2007 8:00P
Covo Bologna
Mar 3 2007 8:00P
Circolo degli Artisti Rome
Mar 5 2007 8:00P
Zukunft Zurich
Mar 6 2007 8:00P
Schocken Stuttgart
Mar 7 2007 8:00P
Uebel und Gefahrlich Hamurg
Mar 8 2007 8:00P
Vega Copenhagen
Mar 10 2007 8:00P
Panorama Bar Berlin

http://www.myspace.com/juniorboys
Ben
2006-10-28 16:14:02 Uhr
Gestern live gesehen. Absolut zauberhaft! Die ganze Zeit in einem Zustand andauernder Glückseligkeit gewesen. Schöner geht Pop eigentlich nicht. Das Album bleibt weiterhin in meinen Top 10 des Jahres. Die 6/10 ist ein Witz ;)
Chimera
2006-10-13 03:20:50 Uhr
Mich hat die Platte jetzt auch. Wirklich eine richtig gute Pop-Platte. Abgesehen von "In the morning" keine offensichtlichen Hits. Aber so bleibt die Chance, dass man es sich (im Gegensatz zu z.B. "Chewing Gum" von Annie) noch in einem Jahr anhören kann. Mal schauen. Der Langzeit-Test dürfte die größte Herausforderung werden...
onomato
2006-09-29 18:18:24 Uhr
unglaublich gutes Dingen. unglaubliche melodien. flauschiger geht´s wohl nicht. toll toll toll!
musie
2006-09-29 16:41:41 Uhr
gefallen mir auch sehr. ist das dritte zoot woman album sozusagen.
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