Basement Jaxx - Crazy itch radio

Basement Jaxx- Crazy itch radio

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 01.09.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

SickFM

Und dann war da noch die Abteilung "Unwahrscheinlich". Erster Eintrag: ein Radiosender, den man sich freiwillig länger anhört als anderthalb Sekunden. Eigentlich macht doch jeder Mensch mit Restverstand größtmögliche Bögen um Dudelfunk. Ist ja nicht auszuhalten, dieses hirnerweichende Einerlei aus dem Nervigsten der Achtziger und Neunziger sowie dem übelsten Mist von heute. Und weil in unbekannten Landkreisen herumirrende Autofahrer bei der Suche nach dem Verkehrsfunk immer wieder auf solchen Formatkram stießen, hat irgendein weiser Mensch Navigationssysteme erfunden. Denn der Punkrocker in uns allen kann eben immer noch keine Hornhaut in den Ohren herunterziehen, um sich zu retten. Nicht mal virtuell.

Drüben in England scheinen die Sender auch nicht besser zu sein. Also haben Basement Jaxx gleich ihr eigenes Ding gedreht: "Crazy itch radio". Der Titel ergibt Sinn. Denn erstens gehören Zucken und Jucken nun einmal zusammen, und zweitens haben Simon Ratcliffe und Felix Buxton ihren Tanzkram doch immer schon mit zappligsten Juckpulvern gestreckt. Hübsch grenzdebile Jingles haben sie auch gleich mitgebracht. Also begrüßen aufgedrehte Randexistenzen wie Biz Markie und Robyn ("Show me luv") die absonderlichen Zappler genauso wie die entrückten Schleicher. Und merken dabei nicht einmal, daß hier eine Reise durch so fast alle Beats und Grooves stattfindet, die man auf der Insel irgendwann mal hip fand. Nur daß diese Reise wie üblich eher seit- und rückwärts abgespult wird als schnöde geradeaus.

Deswegen pusten die Plastikbläser auch so hübsche Löcher in den Fummelfunk von "Hush boy". Im wunderbaren "Take me back to your house" wird die Verführung zu den Klängen einer Countryplatte erbeten. Oder einer Illusion davon. Dann verlieren hibbelige Latingrooves mittendrin den Faden, während sich "On the train" als Ibiza-Version von smoothem Jazz tarnt, um doch nur herrlich dramatischen Unfug zu verbreiten. Das eigentlich so entspannte "Everybody" purzelt von Löschblatt-Gepumpe über souligen Schüttelgroove bis hin zu seltsamem Hindi-Gesäusel und besteht doch eigentlich nur aus diesen komischen Trance-Klavierakkorden. Ganz wie damals, als das Jaxx-Debüt "Remedy" den Ravern fies aus der Rille hüpfte.

Das ist doch mal ein Radio, das man aushalten kann. Und dann auch noch eines mit handfestem Umzumz. Schade nur, daß Basement Jaxx ausgerechnet jetzt, wenn auch noch Robbie Williams zur aktuellen Stadiontour bittet, ein wenig die Zügel schleifen lassen. Es bollert fleißig, es schmiert ordentlich, es spinnt sogar für drei Platten gleichzeitig - aber längst nicht alles geht zusammen. Die dreisten Melodien, die Basement Jaxx noch immer aus dem Ärmel geschüttelt haben, kommen diesmal nicht immer aus dem Quark. Und während einen "Kish kash" noch wie ein ferngesteuerter Ameisenhaufen aufscheuchte, bleibt man bei "Crazy itch radio" eher sitzen und hört zu. Das seltsame Jucken ist dann diesmal doch nur Sache für den Hund auf dem Cover.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Hush boy
  • Take me back to your house
  • Hey U
  • On the train

Tracklist

  1. Intro
  2. Hush boy
  3. Zoomalude
  4. Take me back to your house
  5. Hey U
  6. On the train
  7. Run 4 cover
  8. Skillalude
  9. Smoke bubbles
  10. Lights go down
  11. Intro (Reprise)
  12. Everybody
  13. Keep keep on
  14. U R on my mind

Gesamtspielzeit: 51:12 min.

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