William Elliott Whitmore - Song of the blackbird

William Elliott Whitmore- Song of the blackbird

Southern / Soulfood
VÖ: 08.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Wolkenfelder

Wer oder was ist schon ein richtiger Mann? Ein Blick in die hiesigen Straßen gibt uns nicht wirklich Aufschluß darüber. Wir finden dort: Männlich ist rau, ist herb, ist aggressiv, ist hemmungslos, ist respektfrei, ist verachtungsvoll, ist trinkfest, ist bewußt bildungstief, ist schauspielerisch schwer aktiv. Vielleicht müssen wir die Szenerie wechseln, um Ihn wirklich zu finden: da, wo die Kakteen das raue Land mit ihrer kargen Pracht erfreuen; da, wo die harten Hunde wirklich zu Hause sind. Im wilden Westen. Ein Hut in die Stirn gegraben. Ein Halstuch, um den triefenden Schweiß der harten Arbeit zu stillen. Ein Gürtel von schwerem Patriotismus. Tiefe Ehrfurcht vor dem Schöpfer der Welten. Die Musik der Wüste des Westens im Blut. Zuhause: eine ehrgeizige Dame an Herd und Sprößlingen. Das ist Er. Hat alles in der Hand und läßt sich nichts nehmen. Respekt ist noch zu wenig.

Ziehen wir alle diese Merkmale des idealistisch Männlichen ab, alle diese überzeichneten Vorurteile und schwachen Oberflächlichkeiten, bleibt "Song of the blackbird" übrig. Überzeugend tönt es: "One man’s story is another man’s shame." Zwar geht es auch hier rau und grobkörnig zu. Patriotismus und Religion finden sich auf "Song of the blackbird" - aber nur in der kontemplativen Liebe zur Natur und in aufrechtem Moralismus. Beinharte Attitüde sucht man verzweifelt. Auch die Anerkennung rührseliger Menschlichkeit und tiefgründiger Ehrlichkeit wird dem standardtypischen Draufgänger nicht gelingen, sondern eher mächtig vor den Kopf stoßen. Banjo und akustische Gitarre sind die einzigen Hilfsmittel, die William Elliott Whitmore braucht, um seine Kunst zwischen traurig-spröden Alltagsgeschichten und der Angst vor Tod, dem Nichts und der Liebe an den gebannten Hörer zu transportieren. Er hat eine Stimme, die älter klingt als die Sonne am Firmament und Tom Waits zusammen. Strikt bleibt er auf seinem Weg der blanken Roots und des schwermütigen Gospel, immer im Sinne von "Weniger ist mehr".

Jeden Schritt geht er auf dem Grat des Todes, vorangetrieben durch eine immerwährende Hoffnung und den tiefen Glauben an die Wiedergeburt. Whitmore hat in den Jahren des pubertierenden Heranwachsens unvermittelt und unverhofft seine Eltern aus seinem Leben schwinden sehen. Wer sich zum ersten Mal die Songs des achtundzwanzigjährigen Amerikaners zu Gemüte führt, nimmt einen stimmlich gezeichneten Mann wahr, der textlich dem Ende seines Lebens angekommenen scheint und schwer reflektierend, der Welt da draußen an seinen persönlichen Schicksalen und inneren Konflikten teilhaben läßt. "Song of the blackbird" ist das Ende einer Trilogie. Das Ende einer Abrechnung mit seiner Vergangenheit. Und auch wenn es so scheint, daß seine Seele bald höhere Sphären erklimmt, ist da dieser kleine Hoffnungsschimmer. "And then the rains came" treibt urplötzlich einen gewaltigen Bruch in die immerwährende Dunkelheit. Eine warme, akustische Soundcollage, die allen Schwermut auf die Erde niederzwingt und in seiner Stille dem Inneren von "Song of the blackbird" am Nächsten kommt. Ein Bruch in den Wolken, ein schüchterner Blick nach vorn.

(Markus Wollmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • One man's shame
  • And then the rains came
  • Everyday

Tracklist

  1. Dry
  2. The chariot
  3. One man's shame
  4. Rest his soul
  5. And then the rains came
  6. Lee County flood
  7. Take it on the chin
  8. Red buds
  9. Everyday

Gesamtspielzeit: 31:09 min.

Threads im Plattentests.de-Forum