Thea Gilmore - Harpo's ghost

Thea Gilmore- Harpo's ghost

Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 08.09.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wege aus der Krise

Als bei Thea Gilmore vor zwei Jahren eine klinische Depression festgestellt wurde, war das eine Art Erklärung für ihre "Songs aus dem Mülleimer der Psyche", wie sie ihre Raritäten-Sammlung "Songs from the gutter" vor zwei Jahren nannte. Von Anfang an hatten die intensiven Emotionen ihrer Stimme und die Zerrissenheit ihrer Songs eine Schärfe, die man britischem Folkrock gar nicht mehr zugetraut hätte. Dabei hatte sie ihr Debüt mit gerade einmal achtzehn Jahren veröffentlicht und sich seitdem als eines der größten Songwriter-Talente in Großbritannien empfohlen.

Doch die psychische Störung warf sie erst einmal aus der Bahn. Trotzdem rappelte sie sich hoch und rettete sogar die in die Brüche gegangene Beziehung zu ihrem Produzenten Nigel Stonier. Und bringt demnächst als nunmehr verheiratete Frau ihr erstes Kind zur Welt. Manchmal wird alles gut. Allzusehr hört man das neue Wohlbefinden dem fünften Album der gebürtigen Irin allerdings nicht an. Doch auch das ist ein Glück.

Denn schon im Opener "The gambler" steckt Gilmore ihre dunkelgeränderte Stimme in hymnisches Moll. Mißmut und Hoffnung schaukeln sich hoch und pegeln sich gegenseitig aus. "The odds are slim, but isn't that the test." Scheitern als Chance. Es ist dieses Spannungsfeld, das "Harpo's ghost" prägt. Mit harschen Gitarren und feingeistigen Melodien. Mit scheppernden Grooves und flüsternden Anklagen. So verzweifelt lebendig kann Pop also auch sein.

"Everybody's numb" salutiert den Gründern der "united states of emptiness", die Zärtlichkeiten von "Call me your darling" hinterlassen blaue Flecken, und der Baßlauf von "We built a monster" knurrt schon hungrig. Schicksale, die mit dem Feuer spielen. Seelen, die erst lernen müssen, mit den frischen Narben zu leben. "It was another lesson in the rise and fall of holiness." Aber Selbstmitleid hat hier nichts verloren. Denn in Gilmores Welt zieht man sich am eigenen Schopf wieder heraus.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The gambler
  • The list
  • Going down
  • Cheap tricks

Tracklist

  1. The gambler
  2. Everybody's numb
  3. Red white and black
  4. Call me your darling
  5. We built a monster
  6. The list
  7. Going down
  8. Whistle and steam
  9. Cheap tricks
  10. Contessa
  11. Slow journey II / Play until the bottle's gone

Gesamtspielzeit: 49:25 min.

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