L'Âme Immortelle - Auf Deinen Schwingen

L'Âme Immortelle- Auf Deinen Schwingen

GUN / Sony BMG
VÖ: 25.08.2006

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Herzmenstruation

Kann mal bitte jemand den Verbandskasten holen? L'Âme Immortelle verschütten auch mit "Auf Deinen Schwingen" wieder jede Menge Herzblut. Nachdem den Österreichern mit ihrem Majordebüt Gezeiten" ein gar nicht mal so übler Achtungserfolg gelungen war, geht's jetzt in die Vollen. Mehr Schepperdrums, mehr gesalbte Reime, mehr Dekolleté. Und vor allem: noch mehr Gniedelriffs. Längst klebt das schicke "Electrogoth"-Etikett nicht mehr richtig. Man muß sich nur das Video zur neuen Single "Phönix" anschauen: Wenn die Gitarren so hübsch im Takt gewedelt werden, muß das Rock'n'Roll sein.

Natürlich ist das jetzt nicht Rock'n'Roll im Sinne von Schweiß. Wenn hier was trieft, dann ist das der Schmalz, der derart aus allen Ritzen quillt, als hätten sich Rosenstolz und Joachim Witt zum Schäferstündchen verabredet. "Tief unten, halb ertrunken / Raubt mir jeder Trieb die Sicht", "Du warst der Gipfel meiner Schmerzen / Mein jüngstes Gericht" und - besonders horizontal - "Du warst stark, wenn ich nicht konnte." Das barmt, das fleht, das klebt zwischen den Zähnen wie ein leckeres Zementbonbon.

Das hat zwar weder Hand noch Fuß, aber dafür wenigstens ein tiefgründiges Konzept: Mann (Thomas Rainer) liebt Frau (Sonja Kraushofer). Statt sich aber der Angebeteten zu nähern und sie einfach mal anzusprechen, stellt er ihr als notgeiler Stalker nach. Und bastelt wirrerweise auch noch an einer Art mathematischer Glückformel, die sich in passend operettenhafter Manier als Unheil von Frankensteinschem Ausmaß entpuppt. Gute Güte!

Wo "Gezeiten" wenigstens noch halbwegs knackige Songs zu bieten hatte, die von solch grenzdebilen Pathospasteten ablenken konnten, werfen sich Kraushofer und Rainer nun in ihre mit Hilfe von Johnny Lee Michaels (The 69 Eyes) mit allen auffindbaren Cubase-Plugins vollgepackten Gothicschlager. Und verirren sich prompt im selbstgedimmten Halbdunkel. "Wo komm ich her, wo geh ich hin? / Wann weiß ich, wer ich bin?", kann sich Rainer nicht entscheiden. Ob er Witt sein will oder Falco. Ob er den grollenden Blutengel markieren will oder den sabbernden Latexfetischisten. "Mit zweifelhaften Götzenbildern / Füll' ich die Leere in mir auf / Um meinen Schmerz zu lindern / Zwischen Seelenheil und Amoklauf."

Das alles ist natürlich frappierender Blödsinn. L'Âme Immortelle mögen zwar mit den ausladendsten Gesten herumhantieren, seit der Menschheit Hände gewachsen sind. Aber was sie mit denen anstellen, ist als Gefuchtel ähnlich sinnfrei wie ihre Lyrik. Und taugt daher weder zu einer gepflegten Massage noch zum deftigen Faustschlag. "Halt mich fest, halt mich doch fest / Und brich mir das Genick", fordert Rainer schon im Titelstück. Aber dafür müßte erst mal ein wenig Rückgrat her.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Run away

Tracklist

  1. Auf Deinen Schwingen
  2. Herzschlag
  3. Du siehst mich nicht
  4. Nur Du
  5. Phönix
  6. Destiny
  7. Sometimes love is not enough
  8. Run away
  9. Wohin
  10. In Dein Leben
  11. Last will
  12. Der letzte Akt
  13. Dein Herz

Gesamtspielzeit: 51:53 min.

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