Kevins Campfire - Disaster

Kevins Campfire- Disaster

Choirboy / Cargo
VÖ: 25.08.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Allein in der Wildnis

Ein einziges Lied. Es steckt im Album wie eine Kugel im Erschossenen, wie ein Stachel, der den Rezensenten piesackt. Die Frage nach einer musikalischen Prophezeiung wird aufgeworfen. Und der Gedanke an "Speed kills" von Bush, welches aufgrund der 9/11-Terroranschläge in "The people that we love" umbenannt wurde, schleicht sich von hinten an. "They talked about honour and pride / In the name of god / Fire and fight // He had a bomb in his bag / And he bombed the track / Everyone is so far away from love", heißt es in "Adnan and Sheena", und auf einmal tauchen da Koblenz, Dortmund, Kiel, versuchte Bombenattentate in Personenzügen und der postkoloniale Alptraum des 21. Jahrhunderts vorm inneren Auge auf. Der Albumtitel ist Programm. Und da Leid ein unendliches Gut und beliebtes Leitmotiv ist, wird hier aus dem Vollen geschöpft. Isolation. Einsamkeit. Existenzängste. Wenn Platten vor Selbstmitleid heulen könnten, würde "Disaster" nur so jaulen.

"Massive Alternative Noise" soll das sein? Hier will es aber jemand ganz genau wissen. Wenn man schon in keine Musikrichtung gequetscht werden will, sollte man mit solchen Titulierungen vorsichtiger umgehen. Kevins Campfire haben hier definitiv keine Kompromisse gemacht, 2005 den Besetzungswechsel vollzogen und Alex Klier, der schon Die Ärzte und Sportfreunde Stiller gemastert hat, ins Boot geholt. Oliver Gries, seines Zeichen Frontmann und frischgebackener Labelchef, hantiert gekonnt mit seiner Alternative-Rock-Stimme, wird durch gelegentliche Eruptionen des zweiten Sprachorgans flankiert, die Gitarren scheppern schwer und kraftvoll, hier wird nichts neu erfunden, sondern Bewährtes kraftvoll und satt auf die Musikwelt losgelassen.

"Sourcream" mündet in eine Screamorgie und erinnert an Swosh!, der Titelsong könnte ein innerer Monolog aus Fight Club sein, besagtes "Adnan and Sheena" hat einen unerhörten Liquido-Refrain, bei "Freakshow" standen Union Youth Pate, und die obligatorische Ballade "Hopefully right part 1" hätte auch von den Donots stammen können. Und genau dies ist der Schwachpunkt der Platte. In einer globalisierten Welt, in der Transvestiten-Musik aus Timbuktu nur einen Mausklick entfernt ist, kommt man an Momenten à la "Ahh, das sind doch Kevins Campfire, hab ich gleich erkannt!" nicht vorbei. Und die fehlen auf "Disaster" leider.

(Steffen Meyer)

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Highlights

  • Sourcream
  • Get down
  • Freakshow

Tracklist

  1. Sourcream
  2. Buried romance interlude
  3. Adnan and Sheena
  4. Disaster
  5. Last dance
  6. Hopefully right part 1
  7. XT 7918
  8. Massacre
  9. Hey okay
  10. Get down
  11. Freakshow
  12. When disaster ends

Gesamtspielzeit: 44:06 min.

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