Hush Puppies - The trap

Hush Puppies- The trap

V2 / Rough Trade
VÖ: 25.08.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Still und heimlich

Wir gratulieren zähneknirschend. Der erste Platz im The-Hives-Kopier-Grand-Prix geht in diesem Jahr nach Frankreich. Douze points. Die Single "You gonna say yeah" der Pariser Band Hush Puppies klingt dermaßen nach der zackigen Powerrock-Masche der Hives, daß sie ständig zwischen Kopie und Plagiat wankt. Was wir allerdings im gleichen Atemzug nicht gänzlich leugnen können: Das Lied ermuntert zum Frohsinn. Spätestens beim nächsten Disco-Besuch werden wir uns dabei erwischen, wie wir mit anderen jungen Leuten zu den Hush Puppies die Puppen tanzen lassen. Ziemliche Wette. Nicht der einzige Diebstahl, der im Zuge des Studiums der Bandbiograhpie auffällt. Seit 1958 schon heißt eine Schuhmarke aus Rockford/Michigan ebenfalls Hush Puppies. Mal sehen, was deren Anwälte von diesen Parisern halten. Ehe nun aber vorschnell ein Urteil über eine Musik einer Band gesprochen wird, deren Debütalbum dieser Tage erscheint, bedarf es einer disziplinierten Beweisführung. Es gibt ja immerhin noch elf andere Lieder auf "The trap", das von Benjamin Diamond produziert wurde. Den kennt die Welt als Sänger von Stardust ("Music sounds better with you"). Huch!

Der Opener "1975" wartet auf mit einer ins Ohr gehenden Hookline: "We were born in the 70s, 1975." Diese Verse bleiben im Ohr. Im Gedächtnis haften bleibt auch schnell die flink bediente Orgel im Intro. Zumal die am Anfang klingt, als würde gleich Robbie Williams sein "Feel" dahinschmettern. Wo wir gerade beim Thema Stehlen sind: Im zweiten Track erinnern sich die Hush Puppies an den Radiohead-Titel "Packt up like sardines in a crusht tin box", lassen ein "t" weg, nennen ihren Song einfach "Packt up like sardines in a crush tin box" und hoffen, daßes keiner merkt. So geht es nicht. Da müssen wir einmal mehr schimpfen. Doch damit wollen wir es bei der Kritik für "The trap" belassen.

Wir müssen auch nämlich Lob aussprechen für eine mitunter doch recht munter wirkende musikalische Mischung. Gelungen und so gar nicht Plagiat ist der Sound immer dann, wenn die Orgel im Spiel ist. Die nämlich verhilft der Musik der Hush Puppies dazu, ihren Austauschwert zu minimieren. Man höre "Bassautobahn", das mindestens ebenso bekloppt wie sein Name ist. Im Mittelteil wird das Keyboard gar ein wenig Deep-Purple-like bedient, und der Baß haut sich dazu so monoton durch das Stück, das uns ganz heiß unter den Achseln wird. "Single" heißt das zehnte Lied und hat deutliches Potential, das zu werden, was sein Titel verheißt. Zudem ist "Single" nicht einmal gestohlen, sondern hat einfach so eine Melodie, die nicht aus dem Ohr will. "Sorry so" gefällt als ein sehr cooler und zurückgelehnter Popsong. Das Schlagzeug gibt laut und kräftig einen treibenden Rhythmus vor. Das ist Musik zum Mitwackeln. Geht nach vorne. "Marthelot 'n' Clavencine" und "Alice in wonderland" wiederum begeistern durch fast psychedelischen Räucherstäbchen-Rock. Wie geschrieben: Sie wurden in den Siebzigern geboren.

Die Franzosen wird freuen, daß die Hush Puppies den musikalischen Kosmos ihrer Heimatkultur um ein paar akzeptable Rock-Kracher bereichern. Zumal es ausgerechnet die alten Pop-Opas aus Großbritannien sind, die plötzlich auf Rock aus Frankreich abfahren. Die französischen Arctic Monkeys werden die Hush Puppies manchmal genannt. Warum auch immer. Wir nennen sie zumindest für einen Song die französischen Hives. Und wissen, daß ein Album aus mehr als nur einem Song besteht.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • You're gonna say yeah
  • Sorry so
  • Single

Tracklist

  1. 1975
  2. Packt up like sardines in a crush tin box
  3. You're gonna say yeah
  4. Marthelot 'n' Clavencine
  5. Sorry so
  6. Pale blue eyes
  7. Comptine
  8. Bassautobahn
  9. Alice in wonderland
  10. Single
  11. You and me
  12. The trap
  13. Automatic 6

Gesamtspielzeit: 46:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Armin
2008-02-18 16:45:15 Uhr
HUSHPUPPIES
Die aus dem südfranzösischen Perpignan stammenden, inzwischen in Paris
lebenden HushPuppies haben sich hierzulande bereits mit einigen Auftritten
einen sehr guten Liveruf erspielt. So etwa bei der vergangenen Popkomm, als
sie im Rahmen der Diamondtrax—Labelnacht im Berliner Lido geglänzt haben.
Nach ihrem Debüt-Album „The Trap“ ist jüngst mit „Silence Is Golden“ ihr
zweites Album erschienen.
Wie ihre Labelmates von Nelson, die jungen Rhesus oder die bekannteren
Phoenix gehört auch das Quintett mit zu den französischen Bands, die mit
ihren englischsprachigen Songs auch auf den internationalen Martk zielen.
Bei den HushPuppies gehen ihre Vorlieben für Sixties-Garagenrock und den
Glam der Siebziger eine fruchtbare liaison mit modernem Indierock ein. „Auf
dem zweiten Album der Band gibt es rauen Garagen-Rock um die Ohren, der an
die wilden Zeiten der britischen Mod-Kultur der 60er Jahre erinnert:
Vespa-Spritztouren, feiern und nochmals feiern“, schreibt der Musikmarkt.
Mehr unter www.hushpuppiestheband.com und www.myspace.com/hushpuppies

Di 08.04.2008 Ulm-Roxy
EUR 10,00
Mi 09.04.2008 Karlsruhe-Substage
EUR 11,00
Do 10.04.2008 Berlin-Bang Bang Club
Fr 11.04.2008 Bremen-Lagerhaus
EUR 12,00
Sa 12.04.2008 Bonn-Harmonie (Crossroads Festival)
So 13.04.2008 Dresden-Beatpol
EUR 11,00
Mi 24.04.2008 Hannover-Musikzentrum EUR
11,00
Do 25.04.2008 Lingen-Alter Schlachthof EUR
11,00
Sa 26.04.2008 Hamburg-Molotow EUR
12,00
So 27.04.2008 Dortmund-FZW
EUR 10,00

VVK über www.kartenhaus.de oder 01805-969 0000 (14 ct pro
Minute/Mobilfunkpreise können abweichen)
Diamondtraxx/Stereo Deluxe (HushPuppies), arndt@stereodeluxe.com, Tel. 0 30
– 6 16 22 -28, neues Album „Silence Is Golden“


nowhereman
2007-02-06 16:19:47 Uhr
wir sind uns doch einig, dass die hush puppies die rockmusik nicht neu erfunden haben, dennoch verdient the trap respekt. ich meine "wie kannst du bei `you're gonna say yeah!` nur ruhig sitzen bleiben"? dann musst du unrockbar sein. diese energie, diese attituede, kein wunder, dass der vergleich zu einer coolen schwedischen band angefuehrt wurde. dazu kommt noch die live-qualitaet der band hinzu, die man einfach nicht leugnen kann. ich wage zu behaupten, dass diese band in aller munde sein wuerde, kaeme sie von einer bestimmten insel
carsten*
2007-01-05 12:19:20 Uhr
Leider zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Live sehr sehr geil. Energiegeladener als Kooks, Monkeys & Co.
agsfb
2007-01-05 11:16:32 Uhr
Bin nach 10.000-mal Hören immer noch ziemlich begeistert, ein Hammer von einem Album!
jeckyll
2006-08-17 22:25:27 Uhr
Genau!

Leider langweilig.
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