Razorlight - Razorlight

Razorlight- Razorlight

Mercury / Vertigo / Universal
VÖ: 18.08.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Reborn in the USA

Razorlight waren "Up all night" und hatten einen Filmriß. Nichts weiter. Immerhin weiß Johnny Borrell diesen Zustand leichter Verwirrung dramaturgisch tadellos zu kitten. "In the morning / You know we won't remember a thing", singt er, als hätte das alles genauso im Drehbuch gestanden. Als handele es sich hier um ein Lehrstück, in dem eine Horde wilder Kerle von ihrer einstigen Tollwütigkeit befreit wird. Aber: Ist es denn tatsächlich eine Befreiung? Zugegeben, zunächst ist das ungefähr genauso verwirrend wie ein Filmriß. Das beinahe unnatürlich ausgeschlafene Schlagzeug, der kraftstrotzende Baß, die hyperaktive Gitarre. Nur noch fünf Minuten, denkt man, nur noch fünf Minuten und ein bißchen vom "Golden touch" träumen.

Sind allerdings erstmal die Sandkörner aus den Augen gerieben und die Erwartungen aus den Ohren gepult, hat diese Morgenstund tatsächlich Gold im Mund. Ist aber natürlich auch klar, daß das nicht ohne Zahnarzt dort hingekommen ist. Und der mußte leider auch ein Beißerchen ziehen: L2 im Mund-Koordinatensystem, im Fachjargon "Libertines 2" genannt. Der wäre nämlich sowieso früher oder später ganz übel abgefault. Im Anschluß haben sich die Vier bei Musiktherapeut Chris Thomas (The Beatles, Pink Floyd, Roxy Music, Sex Pistols, Pulp) einer Wurzelbehandlung unterzogen. Herausgekommen ist eine Art Old-School-Pop-Album. Zehn Songs in fünfunddreißig Minuten und im (keineswegs sterilen) Mehr-ist-doch-gar-nicht-nötig-Arrangement.

Manch einer mag die sympathische juvenile Schluderigkeit des Debüts vermissen, dafür zünden Razorlight jetzt ausgefeilte, wohl strukturierte, refrainstarke, hübsche, kleine Popfeuerwerke. Und Borrell kann mittlerweile auch ziemlich gut singen. Vor einem Blick in die Musikgeschichte hat die Band außerdem genauso wenig Angst wie vor dem Zahnarzt: "Who needs love?" erweist pianopoppig und zuckersüß harmonisch John Lennon die Ehre, und den klassischen amerikanischen 70er-Jahre-Rock haben Razorlight auch lieb. Ganz doll sogar. Wenn Bruce Springsteen "America" und "I can't stop this feeling I've got" hört - er wird Razorlight gleich als Support für seine nächste US-Stadiontour kidnappen. Und mit dem ausschweifenden Rausschmeißer "Los Angeles waltz" könnten sie dem Boss sogar ein wenig die Show stehlen.

Daß die Londoner gleich innerhalb der ersten fünfzehn Minuten drei Viertel der Album-Highlights raushauen, ist natürlich schon ein bißchen schade. Ebenso wie die Tatsache, daß "Kirby's house" - bereits von der War-Child-Compilation "Help! A day in the life" bekannt - bloß in einer unvorteilhaft langsameren, beinahe demohaften Version den Weg auf's Album gefunden hat. Aber solange Razorlight eine Lässigkeit wie bei "Before I fall to pieces" hinbekommen, wird man ihnen nicht nur einen Filmriß verzeihen. Sondern auch kleine Lügen: "I got the movie script / But I don't know what it meant." Das, lieber Johnny, glauben wir Dir nämlich überhaupt nicht.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • In the morning
  • Who needs love?
  • America
  • I can't stop this feeling I've got

Tracklist

  1. In the morning
  2. Who needs love?
  3. Hold on
  4. America
  5. Fall to pieces
  6. Can't stop this feeling I've got
  7. Pop song 2006
  8. Kirby's house
  9. Back to the start
  10. Los Angeles waltz

Gesamtspielzeit: 35:07 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Fritz Egner
2007-09-06 17:09:18 Uhr
gruselig!
hacienda123
2007-09-06 17:04:59 Uhr
\"Razorlight spielen eine schrabbelige ungebürstete Musik, die klingt wie Früh-Achtziger-Stadion-Rock, der auf dem Weg ins Stadion die Treppe runtergefallen ist\"

spiegelonline. punkt.
ToD
2007-07-13 11:46:09 Uhr
Sehr schlimm.
svenja
2007-07-12 23:09:31 Uhr
"america" läuft auf jedem mainstreamsender mittlerweile. schlimm.
kelle
2007-01-26 15:48:39 Uhr
duisburg, dortmund etc. nein nicht ziehen, nur übergangsweise für ein praktikum.
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