Emirsian - A gentle kind of disaster

Emirsian- A gentle kind of disaster

Noisolution / Indigo
VÖ: 18.08.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der kaukasische Kreidekreis

Ein typisches Migrantenschicksal. Vor zwanzig Jahren zog Aren Emirze mit seiner Familie aus Armenien nach Deutschland. Langsam faßte er Fuß in der neuen Kultur und machte sich westliche Ausdrucksweisen zueigen: erst als Schreihals von Rinderwahnsinn und seit längerem schon als Kopf der unterschätzten Harmful. Sein Vater Karekin jedoch, selbst durch und durch Musiker, stand stets für die armenischen Wurzeln. Für kaukasische Melancholie und spartanischen Folk.

Als sein Vater vor drei Jahren starb, stürzte ein Teil von Emirzes Selbstbild ein. Narben, die längst verheilt schienen, platzten auf und stellten die kulturelle Identität in Frage. Doch statt mit Harmful Zerrissenheit und Verzweiflung ihren lärmigen Lauf zu lassen, geht Emirze auf "A gentle kind of disaster" den umgekehrten Weg. Ausgehend von den verrauschten Kassettenaufnahmen seines Vaters suchte er die Antworten auf all seine Fragen in der Ruhe. Beinahe nackt stellte er sich mit einer Akustikgitarre ins Studio und tastete sich voran. Selten unterstützt von scheuem Klavier oder Akkordeon, manchmal aufgerauht durch für westliche Ohren ungewohntes Instrumentarium. Hilfloser Schmerz duldet keine verweichlichte Produktion.

Und so stürzt sich Emirze in das zartbittere "Overcome". Mal singen Gitarren, mal verwehen sie. Im verhuschten "Dialogue" nagt ein Cello an der Geduld, und plötzlich wird der Song zum traurigen Walzer. "On the run" findet zentrale Worte: "Just tell me more about my father / Somehow beloved and bewitched / A gentle kind of disaster / But all for real, all for real."

Unruhig und verwunschen klingen diese Miniaturen. Reichlich Moll und unwirkliche Verästelungen prägen das Klangbild. "Pure aftertaste" jagt das reine Gefühl durch die glühende Röhre. Bruder im Geiste Aydo Abay wird im verwunschenden "Satisfied" von weinender Verzerrung umspielt. "Wide awake" deutet Erlösung an, wenn der sanfte Groove des Schlagzeugs einsetzt und beinahe entspannt wirkt. Doch wenn in "Cut the line" aus dem bedrohlichen Knirschen der Akustikgitarre Karekins Beschwörungen erklingen wie Botschaften aus einer anderen Welt, überfällt einen sofort wieder die Gänsehaut. Und bleibt, wenn am Schluß das ergreifende, armenische Liebeslied "Achtschig sirunag" wie eine ferne Erinnerung an glückliche Zeiten wirkt. Es ist nicht nur rohe Gewalt, die Schmerz verursacht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Overcome
  • Satisfied
  • Wide awake
  • Cut the line

Tracklist

  1. Overcome
  2. On the run
  3. Dialogue
  4. So near
  5. Pure aftertaste
  6. Alone
  7. Satisfied
  8. Feel
  9. Wide awake
  10. Nameless
  11. Cut the line
  12. Achtschig sirunag

Gesamtspielzeit: 33:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Sandy
2008-11-19 12:17:50 Uhr
"Yelq" ist eine innige Arbeit. Je mehr ich höre, desto liebe ich auch mehr.
keiler
2008-09-03 23:40:33 Uhr
der gig war mit nuun, die sich mittlerweile aufgelöst haben :)

die auszüge von seiner neuen platte, die ich bisher gehört habe, sind schon mal großartig. bin sehr gespannt auf's neue album.
--
2008-01-24 11:39:40 Uhr
@keiler
In welcher Band spieltest du?
keiler
2008-01-24 10:55:31 Uhr
Mit HARMFUL hab ich schon zusammen auf einem Festival gespielt.

sehr sehr nette band.
und sehr sehr geil
8hor0
2008-01-23 21:16:11 Uhr
schön - die ruhige seite von harmful..
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