Benni Hemm Hemm - Benni Hemm Hemm

Benni Hemm Hemm- Benni Hemm Hemm

Sound Of A Handshake / Morr / Hausmusik / Indigo
VÖ: 18.08.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Architecture in Reykjavík

Vorstellungen von Städtern, die das Landleben betreffen, sind bisweilen unglaublich kitschig, lächerlich oder gar mit so harten Vorurteilen durchsetzt, daß man glauben mag, fernab der Ballungsräume habe der Fortschritt keine Meinung. Aber weil es so schön ist und die Erde genügend Schlechtigkeiten auf ihren Schultern zu tragen hat, vergnügen wir uns mit einem kleinen Trip in die lieblichen Wunschvorstellungen:

Um uns auf ein deutsches Gebiet zu einigen, ist die Zeit zu schade. Verlagern wir unsere Selbsterfahrungsreise also von den Plattentests.de-Headquarters in die grüne Realität der isländischen Dörflichkeit. In einem hölzernen, altertümlich verzierten Bett wachen wir auf. Das Krähen des freilaufenden Hahns verhallt zwischen Geysiren und der Lautmalerei des Milchmanns, der gerade gefüllte Glasflaschen auf der Veranda abstellt. Nach einem ausladenden Frühstück mit der liebenvollen Partnerin, das aus Köstlichkeiten aus dem Garten und der eigenen harmonieumwobenen Schlachterei mit ausschließlich glücklichen Schweinen besteht, verläßt man sein Anwesen, um der ansässigen Bevölkerung den Morgen mit einem herzlichen Gruß zu verschönern. Ein kurzer Plausch mit dem ein oder anderen, und schon kommt man am Marktplatz vorbei, wo Benni Hemm Hemm das allgemeine Wohlgefühl musikalisch untermalen.

Entschuldigt die kurze Unterbrechung Eurer Gedankenreise. Benni Hemm Hemm ist Euch nicht bekannt? Benedikt H. Hermannsson, dieser isländische Kauz mit seinem riesigem Konsortium aus Xylophonisten, Bläsern und kleinspurigen Chören und den feinen euphorischen Folksinfonien, die nichts im Sinn haben, außer ein zu steigerndes Glücksgefühl? Nichts? Dann ist es dringend ratsam, diesen Mann mit dem absonderlichen Namen kennen zu lernen. Sich von seinen stimmlichen Arrangements aus nordischer und osteuropäischer Folklore, amerikanischem Country und isländischer Sprache einfangen zu lassen. Gleich der instrumentale Beginn seines Debütalbums "Beginning end" steigert den Wunsch nach innerer Glückseligkeit, als der Song seine anfängliche Distanz aufgibt und sich von grenzenlosen Jubelarien und subtilem Bombast fluten läßt.

"Beygja og beygja" vertritt die Heimatsprache. Was immer es bedeutet. Aber was uns Benni Hemm Hemm vorträgt, liegt ja garnicht im Kernpunkt des Interesses. Die Hauptsache list die dichtgestrickte Reizüberflutung, die nicht eine Sekunde lang die Nerven entkräftet. An jeder Ecke wird getüftelt, gewebt und gesponnen. Stimmen überlagern sich, werden gedoppelt, drängen sich vom Vordergrund zurück in die letzte Ecke unseres ländlichen Marktplatzes. "Fight" versteckt sich geschickt hinter einer großen Portion lethargischem Country, bevor die Bläser der großen Combo die Enttarnung vollziehen und mit Schön- und Trunkenheit einen Walzer einleiten, der nach innigem und vertrautem Beisammensein nur so schreit.

Das Raffinierte ist das Spielen mit der Urgewalt von handbedienten Instrumenten und lieblichen Organen. Ein folkloristisches Idealbild. Alles geschieht im intimen und kleinen Rahmen, in freundschaftlichem Miteinander, gespickt mit Insidern, die wir wohl niemals verstehen werden. Ein Abend mit den engsten Freunden wäre wohl kaum schöner als dieses strahlende Kaleidoskop. Verzaubert stehen wir auf dem Markplatz inmitten des kleinen Dorfes, werden von dieser Traditionalistentruppe Benni Hemm Hemm eingeladen, mitzumachen und unser lautstarkes Entzücken mit der Band in unseren Alltag zu integrieren. Trübsal ist verboten! Erhebt Euch und unterstützt die einsetzenden Großchöre, die Eure Herzen im Sturm erobern werden. Reißt die Vorhänge auf, laßt die Sonne rein, fallt den Menschen in und um die Arme! Flippt aus, tanzt, genießt und schenkt dem Tag ein Lächeln! Benni Hemm Hemm haben gesprochen.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Beginning end
  • The doomed the damned
  • Fight
  • Til eru frae

Tracklist

  1. Beginning End
  2. Beygja og beygja
  3. The doomed the damned
  4. Fight
  5. I can love you in a wheelchair baby
  6. Ku-ui-po
  7. Labbi
  8. Sumarnott
  9. Til eru frae
  10. Gitstemm
  11. Sweaty in the sunshine
  12. Beginning end

Gesamtspielzeit: 34:24 min.

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