Declan O'Rourke - Since Kyabram

Declan O'Rourke- Since Kyabram

V2 / Rough Trade
VÖ: 11.08.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wasser marsch!

Das Schöne am Genre Songwriterpop ist, daß es einsam macht. Die fragilen Gitarrenklänge. Die tränentiefen Stimmen. Und Mollmelodien, die keinen Boden finden. Auf einmal wandern Tränen über die Wange, die keinen Grund haben. Plötzlich ist da Sehnsucht nach einem Ort, der Weite verheißt. Gib mir Herbst! Gib mir Regen! Gib mir Irland! Und gib mir das Album von Declan O'Rourke!

"Since Kyabram", dieses Debüt des jungen Iren, macht in einem seltsamen Sinne sehnsüchtig. Die elf Songs sind wahrlich keine Aufreger. Sie zünden nicht unmittelbar, sondern flackern wie ein kleines Flämmchen in einer dicken Kerze im Wind. Sie schimmern und spenden so viel Wärme, wie nur eben nötig. Songwriterpop ist dezent. Er geizt an Instrumenten - nicht aber an Emotionen. "No place to hide", der eröffnende Titeltrack, ist für diese Theorie ein schöner Beweis. Erst tropft der Regen. Dann ein wohlbekanntes Picking-Muster: Die Gitarre von O'Rourke wird sehr pfleglich behandelt. Dazu singt der 28-jährige Troubadour mit einem Organ, das an Ron Sexsmith erinnert. Auch die Pausbacken von O'Rourke lassen übrigens verdammt an den Brit-Barden denken. Dafür schaut Declan weniger launig aus seinem dicken Parka, in dem er die Startseite seiner Webseite ziert. O'Rourke ist in Irland dieser Tage angesagt. Viele Menschen surfen auf seine Seite und betrachten den Liebhaber der rauhen See, wie er dort in die Gischt blickt. Sein aktuelles Album kletterte bis auf Platz 5 der irischen Charts und hielt sich mehrere Wochen in den Top 10. Manchmal wird aus einer einsamen Sache ein Faible, das die Masse teilt. In Deutschland wird er bald The Divine Comedy als Vorsänger begleiten. Und dann werden wir auch hier das weinerliche Timbre lieben und seine Single "Sarah" mögen.

Es ist ganz und gar nicht so, als ruhe sich O'Rourke musikalisch auf einer Spielweise aus. Mannigfaltig sind die Stile auf "Since Kyabram", reichhaltig sein Fundus. Mit "Galileo (Someone like you)" gelingt ihm ein wenig Theatralik à la Rufus Wainwright. "Your world" ist verspielter Folkpop. Das dominierende musikalische Element ist jedoch bei dem jungen Iren die melancholische Folkballade. Tranig vorgetragen, wehmütig intoniert und mit einem Schuß Hoffnung. Und wie die CD beginnt, so endet sie. Mit Wasser. Ganz nackt, ohne instrumentale Beigaben, intoniert O'Rourke einsam sein "Marrying the sea - till death do us part". Eine zutiefst romantische Liebeserklärung an die Küste: "You can keep me for the time I have / Or I lie here on the sand." Und erst nach viereinhalb Minuten kommt noch mal die Gitarre dazu. Wunderbar. Ich bin raus. Ich habe einen Termin. 23:11 Uhr, Düsseldorf/Flughafen.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • No place to hide
  • Sarah (Last night in a dream)
  • Marrying the sea - Til death do us part

Tracklist

  1. No place to hide
  2. Birds of a feather
  3. Galileo (Someone like you)
  4. Your world
  5. No brakes
  6. We didn't mean to got to the sea
  7. 1-way minds
  8. Love is the way
  9. Sarah (Last night in a dream)
  10. Everything is different
  11. Marrying the sea - til death do us part

Gesamtspielzeit: 46:15 min.