Comets On Fire - Avatar

Comets On Fire- Avatar

Sub Pop / Cargo
VÖ: 11.08.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Himmelsstürmer

"I wish I had a thousand bucks / I wish I was the Royal Trux / But mostly I wish I was with you." Vergessen wir einmal, wem diese Textzeilen gegolten haben und welche Angebetete die Huldigungen ihres verliebten Kauzes über sich ergehen lassen mußte. Vor einigen Jahren erschien diese stille Verehrung im letzten Song des Silver-Jews-Albums "Bright flight". Viele der Anhänger des Troubadours David Berman, der den Silver Jews ihren Namen gab, und alle Tagträumer, die sich irgendwann im Laufe der Jahre der aufgelösten Institution Pavement verschworen hatten, fielen blind und kauffreudig auf diese Zeilen herein. Die Plattenläden erfuhren einen kleinen Ansturm auf die Bluesexplosionen der Royal Trux. Niemand wußte so wirklich, auf was sie sich da eingelassen hatten. Blues bleibt Blues, bleibt schwer, verneigt sich vor seiner Tradition und ist halt nicht jedermanns Sache.

Ganz ähnlich verhält es sich da mit den Comets On Fire. Anfängliche Vorsicht ist geboten beim Genuß der Band. Nicht jede private Independentgröße, herausgezogen aus Shoegazer-Romantik, schweigenden und lang gezogenen Gitarreneruptionen und tiefgreifender Lyrik, wird hier ansetzen können. Der sprunggewaltige Sturz in ein Meer von Jams, Rhythmus und Melodienschwermut benötigt Vorbereitung. Vorerfahrung auf den Gebieten des Blues und der psychedelischen Endlosigkeit der sechziger und siebziger Jahre wären natürlich nicht schlecht. Denn auch wenn sich "Avatar" mit angezogenem Tempo ausladendem Gegniedel hingibt, das sich schleichend am experimentellen Postrock entlang hangelt, bauen die Comets On Fire vordergründig auf eine simple Bluesstruktur. Und die weiß ihrer Tradition ebenso Tribut zu zollen. Die Radikalität der Royal Trux, mit dreckigen Stimmen und erdiger, zerrütteter Rotzigkeit, verfolgt die Band aber mitnichten und schenkt daher dem Bluesapologeten im Lehrlingsstadium viele Ansatzpunkte in rockmusikalischer Hinsicht.

"Avatar" lebt unverzüglich auf und läßt dem Hörer keine Minute der Eingewöhnung. Stringente, Mark und Bein durchdringende Baßlinien treffen auf feinfühlige Drums, dem Jazz entliehen. Verzerrte, kreischende Gitarren setzen schlagartig ein und die kraftvolle, gewaltige Stimme von Frontmann Ethan Miller entfacht ein instrumentales Inferno, das den Atem stocken läßt. Keine Spur einer stupiden Spirale der Langweile, in nicht einem der durchschnittlich sechs- bis siebenminütigen Feuerwerke. Jede Sekunde wird die Songstruktur auf die Probe gestellt. Taugt sie nicht mehr, wird sie kompromißlos und in aller Härte zum Einsturz gebracht, versehen mit allerlei Feinheiten. In manchen Momenten so rapide, daß es schwer ist die Aufmerksamkeit zu halten. Mit "Holy teeth" gelingt ein konsequenter Ausflug in den Bereich Hardcore, ohne die vierte Veröffentlichung der Comets On Fire zu zerschießen. Trotz dieser wilden Mixtur aus psychedelischer Weitläufigkeit und unvermittelten Neuordnungen spielt "Avatar" nur auf einer Hochzeit, der viel mehr inne wohnt, als der erste Hördurchgang erahnen mag. Das letzte Gebet "Hatched upon the age" schießt den entrückten und großartigen Wahnsinn in den Wind und schenkt dem Blues ein bodenhaftendes Ende. Oh Lord!

(Markus Wollmann)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The swallow's eye
  • Sour smoke
  • Hatched upon the age

Tracklist

  1. Dogwood rust
  2. Jaybird
  3. Lucifer's memory
  4. The swallow's eye
  5. Holy teeth
  6. Sour smoke
  7. Hatched upon the age

Gesamtspielzeit: 45:50 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum