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Chris Stills - Chris Stills

Chris Stills- Chris Stills

V2 / Rough Trade
VÖ: 28.07.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nicht weit vom Stamm

Eine Gitarre zappelt wie ein verirrter Schmetterling im Spinnennetz. Die sonnengebräunte Percussion nimmt's locker, der Wind wird sie schon irgendwie befreien. Und dann: "Deep in my heart lives San Andreas." Erstmal durchatmen. Chris Stills hat so einige lyrische Eingravierungswürdigkeiten parat. Aber diese poetisch umhäkelte Zerrissenheit der ersten Worte seines zweiten Longplayers, die hat natürlich auch ihren biographischen Ursprung: Wir haben es hier nämlich mit dem Ergebnis einer amerikanisch-französischen Co-Produktion zu tun. Genauer gesagt mit dem Sohn von Hippiefolkrocker Stephen Stills (Buffalo Springfield, Crosby, Stills, Nash & Young) und Chansonette Véronique Sanson. Chris war gerade drei Jahre alt, als seine Eltern die emotionale Insolvenz ihrer Beziehung einsehen mußten und wieder getrennte Wege gingen. Nach einer Kindheit in Paris mit Klavierstunden, Bach und Mozart zog er zum Vater, lernte Gitarrespielen und Los Angeles lieben.

Was seine Eltern nur temporär schafften, gelingt Chris Stills ganz hervorragend auf Dauer: eine harmonische Einheit. Die aus pulsierendem California-Folkrock und der fragilen Eleganz des französischen Pop. Und er gönnt sich die Freiheit, in Englisch und Französisch zu singen. Man muß sich schließlich nicht immer entscheiden. Klar ist das so eine Sache: Söhne berühmter Musiker-Daddys. Vor allem, wenn sie mit dreiundzwanzig beim Heimatlabel ihres alten Herrn (in diesem Fall Atlantic) einen Vertrag bekommen. Das riecht dann erstmal gewaltig nach Handschlag mit Augenzwinkern auf dem Golfplatz. Jedoch: Irrtum. Obwohl Chris Stills mit seinem Debüt "100 year thing" (1998) weitgehend in die Fußstapfen seines Erzeugers trat, trägt er mittlerweile sein eigenes musikalisches Schuhwerk - nicht ohne Grund hat er sich die schlichte Selbstbetitelung für Album Nummer zwei aufgehoben.

Aufmerksamen Ryan-Adams-Freunden dürfte Chris Stills bereits in den Credits zu "Gold" aufgefallen sein - als Gitarrist, Bassist, Backgroundsänger und Co-Autor von "Harder now that it's over". Nun folgt die Revanche - sein alter Kumpel Ryan hat mit ihm gemeinsam den wurlitzerverzierten Country-Schunkler "For you" komponiert. Überhaupt lohnt sich ein Blick auf die Gästeliste: Matt Johnson (Jeff Buckley, Rufus Wainwright) hat getrommelt, Joan Wasser - die mit "Real life" gerade selbst ein herausragendes Album veröffentlich hat - gewohnt zauberhaft violiniert. Das Songmaterial: solide, hübsch und radiotauglich ohne Anbiederung. Aber auch ohne den ganz großen Clou.

"When the pain dies down" ist eine dieser herzigen Piano-Balladen, mit denen in "Dawson's Creek" Tränen getrocknet werden, "Kitty Cathy" könnte man ohne weiteres für eine Benjamin-Biolay-Nummer halten, und "Say my last goodbye" gehört unbedingt ins Autoradio, falls man mal über den Highway cruist. Das Beste dann aber tatsächlich zum Schluß: die Lagerfeuerhymne "Sweet California" und als Hidden Track eine tolle französische Version von "The weight". Wäre diese Platte bloß noch ein bißchen innovativer, ein bißchen spannender und ein bißchen weniger glatt produziert - für irgendeinen Thron würde es bestimmt reichen. Aber auch so wird klar: Chris Stills ist ganz und gar nicht auf seinen Stammbaum angewiesen, um auf einen grünen Zweig zu kommen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Landslide
  • Sweet California

Tracklist

  1. Landslide
  2. When the pain dies down
  3. Kitty Kathy
  4. For you
  5. Story of a dying man
  6. Flying high
  7. Say my last goodbye
  8. Demon
  9. Fool for love
  10. Golden hour
  11. Sweet California

Gesamtspielzeit: 48:42 min.

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