Jurassic 5 - Feedback

Jurassic 5- Feedback

Interscope / Universal
VÖ: 28.07.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nice by nature

Es ist ein bißchen so wie damals, als auch der Letzte aus dem Freundeskreis klein bei gab und sich doch noch ein Handy aufschwätzen ließ. Von nun war er jederzeit für jeden zu erreichen und tippte sich ordentlich Hornhaut auf den rechten Daumen. Aber cool - das war er halt nicht mehr. Und ähnlich läuft das gerade auch bei Jurassic 5. 1997 fingen sie mit ihrer Debüt-EP an, die seltene Sorte Rapmusik zu machen, die sowohl Leuten, die HipHop hören als auch Leuten, die keinen HipHop hören, gefällt. Außerdem betrieben sie seit jeher engagierten Oldschool-Wahlkampf und klangen gerade deshalb immer wie kaum jemand sonst im neuen Jahrtausend. Mit LP drei haben sie nun aber ihren Sound modernisiert, blitzen wie frisch aufpoliert - und was dabei rumkommt, ist bestenfalls die Erfindung der Black Eyed Peas in gut.

Schwachsinn wäre: Jurassic 5 Sellout-Vorwürfe zu machen, weil die Beats für "Feedback" gerader, die Bässe dicker und überhaupt alles disziplinierter geworden ist als auf ihren bisherigen Alben. Love for the game ist weiterhin das kleinste Problem dieser Band. Man höre nur, wie sie "Gotta understand" um einen seelsorgenden Prince-Stimmenimitator und die spitzen Zungen ihrer MCs aufgezogen haben. Die bewährten J5-Patente, also vierstimmige Hooklines und ein fröhlich rotierender Mikrofonstaffelstab, sind sowieso weiterhin Ehrensache. Und doch hat das diesmal auch was Aussichtsloses, wenn die plötzlich mit hochgezogenen Hoodie-Kapuzen und verkrampftem "Another one bites the dust"-Groove ("In the house") in die Disco wollen. Man hatte sich Jurassic 5 eben immer mehr so als HipHop vom Sofa aus vorgestellt.

Vielleicht ja auch unser Fehler. Was ohnehin einschneidender stört, ist das altbekannte Beleidigte-Leberwurst-Gemoser in Richtung des mehr verkaufenden, weniger realen HipHop-Kollegiums. Kann sich das wirklich noch irgendjemand anhören? Also, jetzt ohne einzuschlafen? Ist das nicht was für Leute, die ihre Mittagspause so legen, daß sie auch die 20. Al-Bundy-Wiederholung nicht verpassen müssen? Man würde sich gar nicht so sehr aufregen, wären da nicht "Work it out" und die Dave Matthews Band, ausgerechnet, die sich so lange um die Wette entspannen, bis das beste J5-Stück seit mindestens sechs Jahren ganz von allein passieren mußte. Der verlorene Zwilling zur '98er "He got game"-Collabo von Public Enemy und Stephen Stills. Das ist die Art von Rückwärtsgewandtheit, die sogar wir hier gerne gutheißen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Gotta understand
  • Work it out

Tracklist

  1. Back 4 U
  2. Radio
  3. Brown girl (feat. Brick & Lace)
  4. Gotta understand
  5. In the house
  6. Baby please
  7. Work it out (feat. Dave Matthews Band)
  8. Where we at (feat. Mos Def)
  9. Get it together
  10. Future sound
  11. J resume (Skit)
  12. Red hot
  13. Turn it out
  14. End up like this
  15. Canto de Asssanha
  16. A day at the races (Live)

Gesamtspielzeit: 55:46 min.

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  • Jurassic 5 (40 Beiträge / Letzter am 21.07.2016 - 13:24 Uhr)

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