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Superpunk - Wasser marsch

Superpunk- Wasser marsch

L'age d'or / Zomba
VÖ: 05.02.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Außerparlamentarische Opposition

Passend zur aufkeimenden 68er-Diskussion um Joschka Fischer und die Steinewerfer bringen Superpunk mit ihrem Zweitwerk "Wasser marsch!" längst vergessene Klassenkampfideale zurück auf den musikalischen Tagesplan. Irgendwo zwischen Punk, Pop und Schlager musizieren die fünf Herren mehr schlecht als recht gegen das System. Obwohl Superpunk zumindest mit einem Fuß zur Hamburger Schule zugehörig sind ("Wasser Marsch!" erscheint bei L'age d'or und Jan "Tocotronic" Müller zählte zur Gründungsformation) findet man sich hier auf der stark linken Seite des Pausenhofes wieder. Fernab aller intellektuellen Debattierclubs um Tocotronic, die Sterne und Co. wettern Superpunk mächtig plump, aber mit einer Menge Spaß, gegen das herrschende System. Lang lebe die Revolution. Wer hätte gedacht, im Jahr 2000 noch Songtitel wie "Auf ein Wort, Herr Fabrikant" zu finden? Und das auf einer Platte, die musikalisch andererseits mächtig in Mainstream-Gefilden schippert.

Superpunk sind nämlich gar keine echten Punks: Auf dieses wilde Kuriosum aus kitschigen Keyboardklängen mit Gitarrenversatzstücken könnte auch Stefan Raab seine lyrischen Ergüsse legen. Höchstens so handzahm wie die Ärzte und so verirrt wie die Kassierer zimmern sich Superpunk ein reichlich abgedrehtes, aber nicht unbedingt innovatives Stück Musik. Gitarrenbretter sind keine zu finden, und daß Punk etwas mit Schmutz zu tun hat, ist bei der sterilen Produktion auch nicht zu erkennen. Wenn Guildo Horn grüne Haare hätte, wenn Wolle Petry einen Iro tragen würde, wären die beiden bei Superpunk bestens aufgehoben. Dem Album merkt man an, daß Produzent und Keyboarder Thies Mynther zuletzt für Stella und andere Popacts gearbeitet hat. Schade nur, daß "Wasser marsch!" schneller als erwartet den Hahn abdreht und so die Hälfte der Platte mangels Flüssigkeitszufuhr musikalisch nur vor sich hinplätschert.

Doch im Mittelpunkt der Scheibe stehen ohnehin die Texte, und an denen werden sich die Geister scheiden: Nimmt man, abgesehen vom gelegentlichen Ehrerbietungen an gute alte Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt, die Worte ernst, muß man doch immer wieder am Verstand der Band zweifeln. Setzt man hingegen ein ironisches Zwinkern auf beiden Augen voraus, kann "Wasser marsch" gewaltigen Spaß machen. Extreme Geschmacksverirrungen wie bei "Neue Zähne für meinen Bruder und mich" sind nur selten zu registrieren, während die treffenden Pointen à la "Und ich darf meinem Chef nicht trauen / Er will mir Microchips einbauen" (aus "Lehn dich an mich") überwiegen. Befreiend sinnentleert wird das Proletariat gegen alles verteidigt. Dagegen sein ist oberste Priorität. Der Chef, der Staat und der Rest der Welt sind die Feindbilder. Bratwurstigkeit macht sich breit, und mit Klassenkampftrinken und vollem Zoten-Rohr geht es ab zur Revolution: Der König ist tot, es lebe Superpunk!

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Auf ein Wort, Herr Fabrikant
  • Lehn dich an mich

Tracklist

  1. Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen
  2. Rock'n Roll will never dead
  3. Auf ein Wort, Herr Fabrikant
  4. Ich bin kein Ignorant, ich bin kein Idiot
  5. Neue Zähne für meinen Bruder und mich
  6. The happy crossdresser
  7. Bleib deinen Freunden treu
  8. Lehn dich an mich
  9. Die Bratwurstigkeit
  10. Diese Welt ist nicht für mich gemacht
  11. Mein zweiter Name ist Ärger
  12. Kidnapper
  13. The top old boys
  14. Beau Rivage

Gesamtspielzeit: 37:11 min.

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