Duels - The bright lights & what I should have learned

Duels- The bright lights & what I should have learned

Nude / V2 / Rough Trade
VÖ: 28.07.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zeitspiel

Oft läuft es bei über Musik schreibenden Menschen so: Eine Platte landet im Briefkasten, deren Besprechung sehr dringlich ist. Eine Woche lang beschäftigt sich der Rezensent intensiv mit der Musik. Er hört sie auf dem Klo, auf dem Weg zur Arbeit und zurück, vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen. Und nach maximal 7x24 Stunden ist der Zeitpunkt gekommen, wo die Eindrücke in Worte gefaßt werden müssen. Uff. Bei Duels lief es anders. Sie kamen im Postkasten an, da hatte der Sommer gerade erst angeklopft. Sie lagen neben dem CD-Player, und immer wieder bat das Cover mit einem in Zeitlupe fallenden Menschen, doch mal auf die CD zu hören. An Zeit mangelte es nicht, weil die Veröffentlichung auf sich warten ließ. Und so fanden wir nach und nach die Muße, die gegenseitigen Qualitäten einzuschätzen. Duels ihrerseits wußten, daß mir ihre unprätentiöse und in abgewogenen Teilen vom Pomp aufgeblasene Musik gefallen würde. Und ich wußte, daß ich früher oder später diese fünf Menschen würde loben müssen. Aber der Reihe nach.

Der Song, um den bei Duels niemand vorbei kommt, ist der Opener "Brothers & sisters". Dieser ist zu Beginn dermaßen wuchtig, daß eine Überdosis Euphorie aufkommt. Es ist prima, wie das Lied mit einem brachialen Gitarrenriff beginnt und wie sich am Ende die Stimmschichten überlagern. Hier streitet sich eine Gesangslinie mit der anderen, es wird gefetzt und gezankt. Am Ende gewinnt: die Musik! Duels-Sänger und -Songschreiber Jon Foulger soll sich übrigens ein Konzeptalbum ausgedacht haben. Es fällt dem, der auf die Musik primär und die Texte erst sekundär achtet, nicht deutlich auf. Gut so! Der unreflektiert lauschende Teil der Welt erfreut sich an oftmals grandiosen Melodien. Duels aus Leeds hauen nicht selten dick auf die Pauke und sparen dennoch manchmal mit allzu deutlicher Akzentuierung. Eine willkommen dezente Mischung in einer Zeit, in der in England mal wieder Bands aus dem Ärmel fallen wie anderswo Äpfel von Bäumen.

Daß nach dem Opener erst einmal Ruhe einkehrt, ist für die Dramaturgie nur zu dienlich. Und so bleibt Zeit, im zweiten Song "Things" die Zeile "Here comes the fear" zu entdecken, die unmißverständlich klar macht, daß es die Spätzeit von Pulp ist, an die Duels erinnern. Weil die vier Herren mit Dame ja aus Leeds kommen, werden sie allzu oft in eine Reihe gestellt mit Formationen wie den Kaiser Chiefs oder The Cribs. Und in Leeds, so sagt man, entstehe Britanniens nächste Szene, nachdem sonst schon alle Städte von Liverpool bis Portsmouth abgefrühstückt worden waren. Wollen Duels solche Traditionen? Nein! Sie berufen sich nicht allzu sehr auf Vorbilder, sondern schaffen einen Sound, dem etwas Eigenständiges innewohnt. Daran ist vielleicht die charismatische Stimme des Frontmanns schuld. Oder die eigene Art, Melodien nicht allzu sehr auszureizen.

Die Menschen werden Duels mögen. So wie der, der hier gerade über sie schreibt. Er schwärmt von "The slow built", einer entspannten Midtempo-Pop-Nummer. Oder von der ersten Single "Animal", mit einem kitschigen Keyboard, schrammeligen Gitarren und einem hektischen Gesang. Dort und in "Pressure on you" stehen die Duels noch am ehesten in der kurzen Traditionslinie des aktuellen New-Wave-Rock. Der erste Eindruck ist also nicht immer der wichtigste. Manches kommt erst mit der Zeit.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Brothers & sisters
  • Potential futures
  • The slow build

Tracklist

  1. Brothers & sisters
  2. Things
  3. Potential futures
  4. The slow build
  5. The monsters are loose
  6. Animal
  7. What we did wrong
  8. Pressure on you
  9. Young believers
  10. Once in the night
  11. Taxi song

Gesamtspielzeit: 43:53 min.

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