The Rifles - No love lost

The Rifles- No love lost

Right Hook / Red Ink / Rough Trade
VÖ: 14.07.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In Schuß

Das hörst Du mit verbundenen Augen: The Rifles kommen aus London. So ruppig werden Gitarren nur in der englischen Hauptstadt bearbeitet. So charmant rotzen nur die musizierenden Bewohner der Popmetropole ihre Vokale aus, und so proletarisch sind die Melodien sonst kaum irgendwo auf der Welt. Diese Tatsache treibt den NME, seines Zeichens der Königsmacher des britischen Pop, zu epischen Lobeshymnen. In diese Bewunderung stimmen verdiente Britrock-Recken wie Graham Coxon ein. Und zum Schluß, gegenwärtig also, jubeln sie auch auf dem benachbarten Festland. Zack zack zack. Das Rifles-Debüt "No love lost" ist draußen. Sind diese Herren Londons neue Superband? Ja, sie sind es.

Man sagt, diese vier Krawallmacher würden in ihren Texten von der Alltagswelt ihres Heimatstädtchens berichten. Derlei Behauptungen kann nur der aufstellen, der auch aufmerksam ihren Texten lauscht. Wie aber dies tun angesichts einer Musik, die den Kopf gar nicht erreicht, die stattdessen direkt ins Herz und die Beine geht? Als erstes gelang dies der Debütsingle "Peace & quiet", die ob ihrer nonchalanten Abgehangenheit zu Beginn gar ein wenig an die Strokes erinnert. Bis der Gesang einsetzt. Denn dann wird klar, daß es Menschen aus London sein müssen, die hier am Werk sind. Frieden und Ruhe? Können sich die Rifles wohl abschminken. Sie sind die neuen Kinder aus der Krachmacherstraße. Wer so geniale Lieder schreibt wie "Repeated offender", das sich im Mittelteil gleich mal selbst beklatscht, der muß mit Aufruhr rechnen. Wenn das Wort Hymne nicht mit so viel Geschichte belastet wäre, würden wir "Repeated offender" eine solche nennen. Tambourin, Rasseln und der ganze Pipapo. So muß Rock klingen, um uns mindestens die Hose auszuziehen.

Die Arctic Monkeys können jetzt jedenfalls zurück in die Arktis. Kein The-Jam-Fan muß mehr beweinen, daß Paul Weller seit geraumer Zeit alleine musiziert. Und The-Clash-Fans finden neuen Lebenssinn. London is calling: The Rifles machen alle glücklich. Daß allen Rockreferenzen im Sound zum Trotz der Faktor Pop nicht zu kurz kommt, dafür sorgt wieder mal Ian Broudie, der mit feinem Gespür für Authentizität die Regler bediente. Die dritte Single "Local boy" ist wieder so ein Ding, das jeden Pub kurz vor der Sperrstunde noch einmal zur Minidisco macht. Frontmann Joel Stoker erzählt von diesem Jimmy, der zweifelsohne ein Mod sein muß. Jedenfalls begnügen sich die Rifles im Gegensatz zu musikalischen Zeitgenossen nicht damit, textlich das Hier und Jetzt zu bejubeln. Jimmy denkt nach hinten: "Thinking of a day that's oh / So long ago, that he can't remember right / There was a time a man can still be a man and be proud to use his heart." Genau jenes Besinnen auf die Vergangenheit mit dem Wissen, daß die Musikgeschichte nicht bei Franz Ferdinand anfängt, macht dieses Quartett so stark.

Es bliebe so viel mehr Grund, diese Platte zu lieben: der ruppige "Hometown blues", eine Ode an die industrielle Tristesse des Empires in seinen häßlichsten Momenten. Oder die Schönheit so freudetrunkener Schunkelballaden wie "She's the only one". Und wenn alle Pubs der Hauptstadt zum letzten Pint die Glocke baumeln lassen, spielen die Rifles "Narrow minded social club". Soll der Wirt den Strom doch abstellen. Sie können es auch akustisch, mit improvisiertem Backgroundchor und einer Mischung aus Träne und Wut im Knopfloch. "Narrow minded" sind The Rifles in jedem Falle. Aber muß man wirklich über die Grenzen von London hinaus schauen, um Popmusik für die Geschichtsbücher zu schreiben?

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Local boy
  • Hometown blues
  • Repeated offender
  • Narrow minded social club

Tracklist

  1. She's got standards
  2. Local boy
  3. One night stand
  4. Hometown blues
  5. Peace & quiet
  6. Spend a lifetime
  7. Robin Hood
  8. She's the only one
  9. Repeated offender
  10. When I'm alone
  11. Narrow minded social club

Gesamtspielzeit: 45:51 min.

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User Beitrag

Mr. Fritte

Postings: 315

Registriert seit 14.06.2013

2015-06-01 20:26:46 Uhr
Och, das zweite Album lohnt sich schon noch. Nr. 3 und 4 waren aber wirklich überhaupt gar nix. Schon schade, mag die ersten beiden Alben wirklich sehr gerne.

nörtz

Postings: 5183

Registriert seit 13.06.2013

2015-06-01 08:13:24 Uhr
Korrekt! Hätten sie die mal lieber auf ihre Alben verteilt, denn so gut wie auf dem Debüt waren sie nie wieder. Von den Nachrfolgern ist auch überhaupt nichts bei mir hängengeblieben.

Gordon Fraser

Postings: 1211

Registriert seit 14.06.2013

2015-06-01 07:18:36 Uhr
Tatsächlich schon zehn Jahre alt geworden die Tage. Zum Jubiläum gibt's eine Neuauflage mit drölfzig Bonustracks: http://www.pledgemusic.com/projects/nolovelost

Braucht man wahrscheinlich nicht, aber mit dem eigentlichen Album macht man immer noch nichts falsch. Hits, Hits, Hits in Fülle.
Nolle
2007-06-04 18:21:58 Uhr
Gerade nochmal gehört, 8/10 auf jeden Fall gerechtfertigt. Die machen einfach Spaß
outsmarted
2007-02-10 14:17:52 Uhr
also in ffm spielten sie genau eine stunde. nach den zugaben kamen sie nochmal und spielten ein lied was überhaupt nicht geplant war und nicht auf der setlist stand....

aber toll war es...
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