Serena-Maneesh - Serena-Maneesh

Serena-Maneesh- Serena-Maneesh

Playlouder / Beggars / Indigo
VÖ: 23.06.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Plattentektonik

Weil es gleich noch schwer genug wird, wollen wir es uns wenigstens jetzt am Anfang kurz leicht machen. In unserer kleinen Welt ist "Serena-Maneesh" ab sofort Norwegisch und heißt soviel wie "Dunkelkammer". Es ist nämlich so, daß man sich keinen anderen Ort vorstellen kann, an dem diese Musik entwickelt worden sein könnte. Die Gitarren massig und bleiern, das Schlagzeug stur geknüppelt, der Gesang eine entfernte Erinnerung, vergraben unter dicken Klangschichten. Vielleicht kommt man auf solche Sachen, wenn einen die Existenz als Teil einer Sound-of-the-Sixties-Band zu langweilen beginnt. Vielleicht waren Serena-Maneesh die logische Schlußfolgerung nachdem sich der Rauch verzogen hatte und nicht mehr viel übrig war von The Loch Ness Mouse. Sie sind jetzt jedenfalls da. Und weil niemand hier ihr Schlachtschiff von einer Platte manövrieren kann, werden sie wohl auch bleiben.

Emil Nikolaisen is to blame. Weil der ehemalige Schlagzeuger oben erwähnter Jangle-Popband sein eigenes Baby wollte, kam er auf Serena-Maneesh, scharte ein paar schlaue, belastbare Menschen um sich und endete schließlich bei so was wie einer Shoegazer-Platte, wenn sie es denn erlauben würde, mal fünf Sekunden lang den Kopf stillzuhalten. Vieles hier klingt nach dem Produkt benebelter Jamsessions, wenig erscheint wirklich durchkomponiert. Und doch ist da ein Herz, weit unter den Sperenzchen von Serena-Maneesh, das für Popmusik und Refrains und Songs schlägt. "Drain cosmetics" läßt es noch am ehesten zu, der gerade frisch aufgetaute Opener einer Platte, die eigentlich gar keinen Opener haben sollte, weil sie mittendrin anfängt und nicht viel später schon wieder aufhört. Erstaunlich klare Akkorde. Es wird gleich noch schwer genug.

"Beehiver II" schon dürfte nämlich selbst Sergej Bubka ziemlich unüberwindbar finden. Zur Fratze verzerrt, von giftigen Gitarren durchstochen. "Candlelighted" vorher war da eher ein Trip, hypnotisch bis verhexend, mit Streichern, Mellotron, Marimba und Flöte von Freund Sufjan Stevens. Und trotzdem ist es ja doch nur da, um hinzuführen, auf falsche Fährten und "Your blood in mine". Ein Zentralmassiv von einem Song, ein Saxofon steht im Wind, ein Klavier daneben. Alles versinkt im Strudel der Unendlichkeit. Erdplatten schieben sich bei Serena-Maneesh übereinander. Grobe Steinbrocken brechen aus steilen Felswänden heraus. Und mittendrin steht Nikolaisen, den eigenen Kopf unter den Arm geklemmt, diabolisch grinsend. No more Jangle-Pop, okay?

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Drain cosmetics
  • Candlelighted
  • Beehiver II
  • Your blood in mine

Tracklist

  1. Drain cosmetics
  2. Selina's melodie fountain
  3. Un-deux
  4. Candlelighted
  5. Beehiver II
  6. Her name is suicide
  7. Sapphire eyes
  8. Don't come down here
  9. Chorale lick
  10. Simplicity
  11. Your blood in mine

Gesamtspielzeit: 58:12 min.

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