Nybbl - The path from a point is in the shape of a heart

Nybbl- The path from a point is in the shape of a heart

Noise Factory / Cargo
VÖ: 21.07.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nerdlich

Was war eigentlich zuerst da? Die Einsamkeit oder die Musik? Sind die Soundscapes von Nybbl so verloren, weil sich Tim Quackenbush monatelang die Nächte vor dem Bildschirm um die Ohren geschlagen hat? Oder schob er dort Klänge und Geräusche hin und her, weil er so allein war? Um jedenfalls aus dem Albumtitel "The path from a point is in the shape of a heart" die Antwort herauszufiltern, benötigt es ein gehöriges Stück Phantasie.

Wenn man diese Maschinerie aber schon einmal angeworfen hat, könnten dabei Eindrücke wie solche herausspringen: Während der Rechner hochfährt, plätschert im Hintergrund noch ein wenig Wasser ins Waschbecken. Die Gitarre, die in der Ecke neben dem Schreibtisch steht, hat keine großen Einwände gegen ein paar langsam gezupfte Akkorde. Das Betriebssystem bootet und wählt sich auch gleich per Modem ins Netz ein. Wo die Datenübertragung zwar über verschiedene Server läuft, aber trotzdem eher gemütlich vonstatten geht. Der Track dazu heißt dann auch "To begin with".

"Dance for Buddy" formuliert eine ähnliche Stimmung mit anderen Nutzgegenständen und Effekt-PlugIns. Hier steht beizeiten das Atmen noch vor dem Zuhören. Das bedeutet natürlich nicht, daß der Kanadier nicht auch mal die müden Pupillen zum Flackern bringen würde. Denn in guten sieben Minuten kann man auch mal kurz das Scheppermonster wecken, wie es sich für gepflegte IDM gehört. Kein zweckentfremdetes Geboller, sondern die Annäherung an lebensnahe Gefühlsstrukturen.

In "Finding faultlines" zwitschert und bläst einiges, aber der späte Beat klackert eher betörend als betäubend. "Styrofoam pieces in a place of a heart" filtert den Herzschlag des Unbehagens aus Nullen und Einsen. Und langsam merkt man, daß sich Quackenbush neben GUI-gestützten Oszillationen durchaus auch mit (post)rockigen Stimmungsschwankungen auskennt. Kleinschrittige Veränderungen verästeln sich über Minuten vorgetäuschter Stagnation unter der Oberfläche. "One day that smile will save you" oder "Joy chant" fahren den Schleppgroove zurück und erlauben sich sogar ein wenig Euphorie. Und doch ist die erstaunlichste Erkenntnis von "The path from a point is in the shape of a heart" der Song (!) "The season": Im entspannten Zweikampf zwischen Postrock und Indietronica warten ein paar kuschelige Melodiemomente. "I have faith in the horizon / It pulls the better part of me in front of you." Auch abstrakte Musik ist eben eine Herzensangelegenheit.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Finding faultlines
  • The season
  • Styrofoam pieces in a place of a heart

Tracklist

  1. Dance for Buddy
  2. Finding faultlines
  3. One day that smile will save you
  4. The season
  5. Styrofoam pieces in a place of a heart
  6. Monoid
  7. Joy chant
  8. Such grand ideas

Gesamtspielzeit: 50:09 min.