Catch 22 - Permanent revolution

Catch 22- Permanent revolution

Victory / Soulfood
VÖ: 30.06.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Hände zum Himmel

Die Idee ist nicht neu, aber immer wieder interessant. Vermutlich ist es nämlich gar nicht mal so einfach, ein Konzeptalbum zu schreiben. Nirgends anders ist ein roter Faden so vonnöten wie bei einem Songkonglomerat, das sich einzig und allein einem Thema widmet. Und was wir da schon alles hatten! Green Days letztes Album handelt vom alltäglichen, amerikanischen Kleinstadtleben, Pink Floyds "The wall" erzählt von der zunehmenden Vereinsamung eines Rockmusikers, die Ärzte fabrizierten ein komplettes Album über Haare, Mike Skinner aka The Streets plaudert über den Verlust von 1.000 Pfund Sterling, Udo Lindenberg über seine Mutter und Coheed & Cambria dachten sich eine SciFi-Geschichte über ein gleichnamiges Ehepaar aus.

Phantasie muß man haben. Und ein bißchen einen an der Waffel zu haben könnte auch nicht schaden. Das, ein paar Geschichtskenntnisse und die entsprechende politische Einstellung sind wohl die besten Vorraussetzungen dafür, ein Konzeptalbum über den marxistischen Revolutionär und sowjetischen Politiker Leo Trotzki aus dem Hut zu zaubern. Wenn man bedenkt, daß Catch 22 zum einen Amerikaner und zum anderen eine Skaband sind, denen man im Allgemeinen in Sachen Lyrik eher belanglosen Party-Singsang zuordnet, wird die Angelegenheit in der Tat ein wenig revolutionär.

Sieht man allerdings von der inhaltlich für manche Fäusterecker durchaus ansprechenden Angelegenheit ab, bleibt unterm Strich die Musik. Und die ist weder auflehnend noch revolutionär. Alles beim Alten, könnte man sagen. Der Funke will bei "The spark (1902)", einem smooth vor sich hin plätschernden Ska-Stück der alten Schule erst zum leicht ausufernden Ende hin überspringen. Trotzki kam im gleichen Jahr bei seiner Flucht aus Irkutsk vermutlich mehr ins Schwitzen. Ob er fünfzehn Jahre später, als er als Parteioberhaupt zum bewaffneten Aufstand gegen die Regierung aufrief, "Party song (1917)" im Hinterkopf hatte, bleibt dahingestellt. Als einer der schnellsten und energiegeladensten Songs neben "A minor part (1922)" oder "Bad party (1927)" ist dieser aber durchaus passend zum Ansturm.

Und so verarbeiten die Jungs aus New Jersey das weitere Leben des Rote-Armee-Gründers bis zu seiner Ermordung 1940. Ob eine teils fidele, teils ermüdende Mischung aus traditionellem Ska, einer großen Portion Reggae und einem Schuss Punk jetzt unbedingt der ideale Botschaftsträger ist, sei mal dahingestellt, ist aber vermutlich auch egal. Der durchschnittliche Mad-Caddies-Hörer im Che-Guevara-Shirt achtet eh nicht auf Texte. Und geht steil.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Prologue
  • On the Black Sea (1924)

Tracklist

  1. Prologue
  2. Spark (1902)
  3. Party Song (1917)
  4. Decembrists' Song (1921)
  5. Minor Point (1922)
  6. On the Black Sea (1924)
  7. Bad Party (1927)
  8. Alma Ata (1928)
  9. Purge (1936)
  10. Opportunity (1940)
  11. Epilogue

Gesamtspielzeit: 33:34 min.

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