Moloko - Catalogue (Premium edition)

Moloko- Catalogue (Premium edition)

Echo / PIAS / Rough Trade
VÖ: 23.06.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Katalogware

Ja, ist denn schon Weihnachten? Wer zwecks Freundebewirtung durch die bis in die Ewigkeit geöffneten Läden für den Handel mit Tonträgern und Staubsaugern läuft, stößt jedenfalls bereits im Hochsommer auf Stapel von Best-Of-CDs, die doch eigentlich ein untrügliches Anzeichen für das Herannahen der besinnlichen Zeit sein sollten. Weil aber unmittelbar vor dem Elektrofachmarkt statt Tannenbäumen haufenweise mit nichts als einer Flagge Bekleidete Möchtegernbundestrainer Richtung Großbildleinwand palavern und noch nicht mal die Discounterketten ihre Lebkuchenpaletten in die Gänge gestellt haben, muß eine andere Erklärung gesucht werden: Wie alles in diesen Tagen, hängt sie mit Fußball zusammen, geht - zumindest was Moloko betrifft - aber nicht darin auf. Klar ist: Mit "Catalogue" will man Kohle machen und das durch die Balltreterei bewirkte selbstauferlegte Neuerscheinungsverbot umgehen. Daher folgt man wie vom Reißbrett dem Muster einer Best-Of-CD, sprich: alle Hits plus ein neuer Song in reichlich liebloser Verpackung aber mit optionaler Zusatz-Live-CD auf einer "Premium edition", damit auch den langjährigen Fans vielleicht noch ein Groschen aus der Tasche gezogen werden kann. Das Konzept zu dieser Platte konnte bequem zwischen zwei Halbzeiten zusammengestellt werden und idealerweise ist man damit schon reich geworden, bevor England im Viertelfinale ausgeschieden ist.

Die Kommerzialisierung wird dabei gar nicht geleugnet, sondern zum Leitmotiv der Platte erhoben: "Next day delivery guaranteed!" Ein Album, daß sich sogar noch bewirbt, wenn man es schon längst gekauft hat. Warum dann aber überhaupt ein paar Zeilen zu diesem Album schreiben? Sollten wir hierzuseits nicht lieber auch über Ronaldos sorgsam angefutterte Energiereserven spekulieren oder die Torwartfrage im Zusammenhang mit Mehmet Scholls Nichtberücksichtigung erläutern? Besser nicht, denn dann würde uns entgehen, daß eine Moloko-Best-Of (und sei sie noch so glatt), doch ein Zeichen setzt: nämlich, daß es die Band noch gibt. Ein neuer Song ist besser als gar keiner, und auch mit nur einem Song kann ein dreijähriges Schweigen enden (Roisin Murphys Soloplatte "Ruby blue" mal ausgeklammert).

Kommen wir also zunächst zu "Bankrupt emotionally": Die Plattenbeilage informiert uns: "This set of 3 programmable missiles will get the job done when there is nothing left to say! Not suitable for animals. May contain traces of depleted uranium." Während die Stiftung Warentest ob solcher Anpreisung wahrscheinlich eher die Stirn runzeln würde, können wir von Plattentests versichern, daß es so wild nicht ist. Der Neue ist ein guter, ein eingängiger, ein fast schon klassischer Moloko-Song - und das obwohl er ein bißchen mit Soulelementen spielt und im Vergleich zu den großen Brüdern auf der Tanzfläche nur den Anheizer geben darf.

Und der Rest? Tja, selbst wer dieser Tage nur Fußball im Kopf hat, dürfte sich an "The time is now", "Sing it back" oder "Pure pleasure seeker" erinnern. Und sogar die, die es tatsächlich geschafft haben, die Jahre der Moloko-Ektase im Winterschlaf zu verbringen oder damals noch mit dem Pubertieren beschäftigt waren, dürften instinktiv zucken, wenn sie der unwiderstehliche Sound des wohl lebendigsten TripHop-Acts überfällt. Zumal auf "Catalogue" die schwierigsten Stellen ausgespart sind. Denn wer nur nach den Singles hechelte, sah sich nach dem Erwerb eines der vier regulären Alben bekanntlich vor größere Anpassungsprobleme gestellt.

Und zum guten Schluß noch ein Hinweis: nicht erschrecken, wenn die Live-CD mit einer Ausnahme nur Songs enthält, die auch schon auf der regulären Best-Of-Scheibe sind. Moloko sind live ganz anders, was schon der Umstand zeigt, daß man bei zwei Songs weniger insgesamt zwanzig Minuten mehr braucht. Eine Rezension ist aber wirklich nicht der richtige Ort, dies alles zu erklären. Man muß einfach mal dabei gewesen sein. Oder zumindest dieses Best-Of selbst in Fußballzeiten eingekauft haben.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • The time is now
  • Statues
  • Pure pleasure seeker
  • Sing it back (live)

Tracklist

  • CD 1
    1. The time is now
    2. Sing it back
    3. Fun for me
    4. Familar feeling
    5. Pure pleasure seeker
    6. Cannot contain this
    7. Bankrupt emotionally
    8. Day for night
    9. Indigo
    10. The flipside
    11. Where is the what if the what is in why?
    12. Forever more
    13. Statues
  • CD 2
    1. Familar feeling (live)
    2. Absent minded friends (live)
    3. Day for night (live)
    4. Fun for me (live)
    5. Where is the what if the what is in why (live)
    6. Cannot contain this (live)
    7. Pure pleasure seeker (live)
    8. The time is now (live)
    9. Forever more (live)
    10. Sing it back (live)
    11. Indigo (live)

Gesamtspielzeit: 133:30 min.

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