Donavon Frankenreiter - Move by yourself

Donavon Frankenreiter- Move by yourself

Mercury / Universal
VÖ: 30.06.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Blues traveler

Wir versuchen, Euch in dieser Rezension zu verschonen. Doch können wir nicht versprechen, auf gesamte Textlänge Rücksicht auf die zarten Gemüter der Leserschaft zu nehmen. Denn schließlich ist die Präsenz des Strandburgenbauers Jack Johnson allgegenwärtig. Und schon ist es passiert. Kaum drei Sätze geschrieben, schleicht er sich herein in diese Plattenbesprechung, die nicht einmal ihm gewidmet ist. Langsam könnte der Reiz zur Reizung werden. Donavon Frankenreiter hat es schon erkannt. Die Sache wird diesmal anders angegangen. Labelwechsel und musikalische Distanzierung von seinem Kumpel und Förderer sprechen schließlich Bände.

Doch lassen wir die Kokosnuß mal an der Palme hängen und überlassen die Scherben einer Männerfreundschaft den Tratschtanten der hawaiianischen High Society. Wir kommen lieber zum Wesentlichen: dem stetigen Bartwuchs des Protagonisten. Deutete der Vollbart des Kaliforniers vor gut einem Jahr noch auf sommerlich bedingte Rasierfaulheit hin, nimmt man ihm 2006 seinen neu gestalteten Schnauzer ab. Als Identifikationsfaktum, aber hauptsächlich wegen dem bluesigen, rollenden und schlichtweg wunderbaren "Move by yourself".

Frankenreiter legt auf seinem neusten Streich los wie die Feuerwehr. Wippend, strahlend und gefühlsecht groovt er mit dem Titelstück alle Vorbehalte zurecht und krallt sich nebenbei noch die rassigen Schönheiten aus der ersten Strandkorbreihe. Man könnte die Annahme hegen, Van Morrison würde mit Ray Charles um die Häuser ziehen und Blues Traveler im Wäschekorb verschwinden. Eine Orgel zu Beginn, eine Gänsehaut zum Abgang. Frankenreiter trifft den genau richtigen Ton zwischen sommerlicher Melancholie und träumerischem Überschwang. Wenn dabei schon nicht die Badeshorts steil geht, dann zumindest der Endorphinwert.

Und keine Angst. Auf hohem Niveau geht es weiter. "The way it is" beschwört den Geist von Stevie Wonder herauf und beweist auf eindrückliche Weise, daß ein echter Discohit auch mit Streichern prächtig funktionieren kann. Für jeden einzelnen Sonnenuntergang hält "By your side" eine Träne im Knopfloch bereit, und "That's too bad (Byron jam)" weiß ganz genau, wo das Wasser am blausten ist. Byron Bay läßt grüßen und mit ihm die nettesten Strandbars der australischen Ostküste. Die Gospelspielerei "Girl like you" hat einen Rhythmus im Blut, der es zum Überschwappen bringen würde, müßte es nicht dafür sorgen, daß unser Kreislauf vor Begeisterung kollabieren könnte. Und daß Frankenreiter kein Sänger für nur eine Nacht ist, beweist der melancholische Tiefgang zum Ende der Platte. "Beautiful day" lädt Ben Harper, Cat Stevens und vielleicht auch Lucky Jim zum Beischlaf ein und versenkt so ganz nebenbei Jack Johnson im nächsten Sandloch.

"Move by yourself" ist nicht etwa ein Spaß für zwischen durch. Es ist ein echtes Statement. Die aufgekeimte Welle der Sonnenbarden hat ihren Meister gefunden und aus dem Handgelenk einen neuen Sternenhimmel geformt. "Move by yourself" hat Strandmusik für Anspruchsvolle parat, Popmusik im Blues versteckt und ein Stilleben der Sorglos-Generation entworfen. Welche Antwort Surfkumpane Jack Johnson hierauf parat haben soll? Höchstwahrscheinlich keine.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Move by yourself
  • By your side
  • That's too bad (Byron jam)
  • Beautiful day

Tracklist

  1. Move by yourself
  2. The way it is
  3. By your side
  4. These arms
  5. Let it go
  6. Fool
  7. Everytime
  8. That's too bad (Byron jam)
  9. Girls like you
  10. All around us
  11. Beautiful days

Gesamtspielzeit: 44:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Armin
2006-06-28 18:53:15 Uhr
DONAVON FRANKENREITER - Entdeckungsreise

Rechtzeitig zur Veröffentlichung seines neuen Albums "Move By Yourself", erscheint mit "The Abbey Road Sessions" zeitgleich Frankenreiters erste DVD. Über zweieinhalb Stunden lang verzaubert das sonnige Gemüt mit den Aufnahmen aus den legendären Abbey Road Studios und lässt einen zwischendurch an Rehearsal- und Songwritingszenen teilhaben. Die anschließende Dokumentation ist liebevoll zusammengestellt und zeigt Donavon unbeschwert im Primrose Hill Park mit seiner Familie, beim Rumstreunern in London, bei den Proben mit seiner Band und zum Schluss erleben wir noch eine wunderschöne Version von "With A Little Help From My Friends". Ein absoluter Leckerbissen.

Christian
2006-06-23 19:17:34 Uhr
...und Jack Johnson hat damit noch nicht einmal etwas zu tun.
:-)
Anonymus
2006-06-06 21:56:08 Uhr
move by yourself macht wirklich gute laune
nettes video obendrein
Armin
2006-05-17 16:04:18 Uhr
Donavon Frankenreiter
Aktuelles Album "Move By Yourself" - VÖ: 30.06. // Aktuelle Single "Move By Yourself" - VÖ: 09.06.


DONAVON FRANKENREITER Funky Surfer

The times they are-a-changin’. Wo er Recht hat, da hat er nun mal Recht, der gute Bob Dylan. Nehmen wir beispielsweise die Worte Surfen und Musik. Dazu fiel ganz vielen Menschen seit den 1960er-Jahren eigentlich immer nur diese Bruderschaft ein, die sich zwar immer noch Beach Boys nennt, aber mehrheitlich kaum auf dem Brett über und unter zusammenschlagenden Traumwellen stand. Das ist jetzt endlich anders. Denn heute fallen ganz vielen Menschen in diesem Zusammenhang erstmal der Name Jack Johnson ein, und dann bestimmt auch gleich der von Donavon Frankenreiter. Dank seiner unermüdlichen Tournee-Aktivität und Songs wie „Free“ konnte sich der in Kalifornien aufgewachsene Sänger und Songschreiber als eine der Stimmen der Akustik-Rock-Szene etablieren. Höchste Zeit also, nicht nur gute Vibes zu verbreiten, sondern sich auch auf das musikalische Abenteuer einzulassen. Was allein schon am Label seines neuen, zweiten Albums deutlich wird. Denn „Move By Yourself“ wird (zeitgleich mit der DVD „Abbey Road Sessions“) auf Lost Highway veröffentlicht, bisher erste Adresse für alte (Willie Nelson) und neue (Ryan Adams, Lucinda Williams) Americana-Koryphäen. So markieren die elf Stücke eine grundlegende musikalische Veränderung für Frankenreiter. Seine sonnenverwöhnte Offenheit zeigt sich immer noch in jedem dieser Songs, doch er drückt seine Gefühle inzwischen mit Hilfe anderer Sounds aus. Vom Keyboard-lastigen „Let It Go“ - ein Song, der die Seele der Allman Brothers in eine nicht zu verleugnende Sensibilität für den Pop taucht - bis zu den Funk-Grooves des lodernden Titeltracks.

„Ich höre so viel verschiedene Musik und fühle mich beim Mitsingen von fast jedem Musikstil wohl“, erklärt Donavon Frankenreiter. „Also will ich nicht als der Typ rüberkommen, der nichts macht, außer mit seiner akustischen Gitarre am Strand zu sitzen und seine Songs am Lagerfeuer zu spielen. Vor allem das funky Zeug zu spielen macht richtig Spaß. Es führt mich zu einem anderen Teil meiner Persönlichkeit.“ Schön, dass wir die jetzt auch noch kennenlernen dürfen. Auch wenn sein Name dann vielleicht nicht mehr ganz so schnell im Zusammenhang von Surfen und Musik fällt.
klostein
2006-03-15 22:29:15 Uhr
Perfekter VÖ! So macht man das, Jack!
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