Jeff Walker Und Die Flüffers - Welcome to Carcass Cuntry

Jeff Walker Und Die Flüffers- Welcome to Carcass Cuntry

In Grind We Trust / Cargo
VÖ: 16.06.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Zieh, Kojote!

Bei seiner früheren Band Carcass war Jeff Walker nicht gerade für leise Töne bekannt. Im Gegenteil, waren die Liverpooler Rüpel doch eine Speerspitze des Grindcore. Wie bizarr mutet da die Ankündigung an, Walker wolle Country- und Bluesklassiker covern. Ebenso bizarr die Ankündigung der Gästeliste. Gut, die alten Carcass-Mitstreiter Bill Steer und Ken Owen liegen nahe. Ebenso die nahezu komplette Mannschaft von Amorphis. Und Billy Gould von Faith No More macht eh jeden Mist mit, Hauptsache Spaß dabei. Aber Ville Valo? DER Ville Valo? Leider verrät weder Labelinfo noch Booklet, wo genau Herr Valo - außer beim Rotweinvernichten - helfend eingriff. So viel also zu den Flüffers.

Wer nun wildestes Grind-Geballer erwartet, wird nach wenigen Sekunden enttäuscht die CD aus dem Player feuern. Und sich zu kopfschüttelnden Johnny-Cash-Fans gesellen. Denn der Typ, der bei "The man comes around" um die Ecke wankt, muß sternhagelvoll sein. Takt-, halt- und melodielos röhrt Walker durch die Gegend. Wie furchtbar! Aber egal, nochmal hören. Moment mal, sollte dies etwa eine Karikatur im Wortsinn sein? Ist das ganze etwa Absicht, mithin satirisch überhöht?

Rückblende. Sommer 1976. Der just des aufrechten Gangs mächtige Rezensent quält im elterlichen Garten unfreiwillige Mithörer mit der Endlosschleife einer höchst eigenen Interpretation von Pussycats "Mississippi". 30 Jahre später. Jeff Walker singt "Mississippi". Auf deutsch! Oder zumindest einer dem Deutschen entfernt ähnlichen Sprache mit englischen Einsprengseln. Und begleitet das Wort "Die" urplötzlich mit einem wilden Schrei und einer Handvoll Blastbeats. Wer einen Kaufgrund für "Welcome to Carcass Cuntry" sucht, hier ist einer davon.

Der zweite heißt "Keep on rocking in the free world" und ist gar nicht mal so furchtbar weit weg von Neil Youngs Original. Rifft jedenfalls sehr anständig und bildet das Grand Finale dieses Albums. Nur wie soll man das Gesamtwerk nun einordnen? Strenggenommen ist das alles eine Katastrophe, denn Walker röhrt wie Rantanplan, nachdem Lucky Luke ihm versehentlich eine Pulle Whiskey in den Napf kippte. Und so mancher Ton wird messerscharf, aber zielsicher verfehlt. Insbesondere bei eigentlich ruhigeren Songs wie Hank Williams' "I'm so lonesome I could cry". Aber man merkt Jeff Walker und seinen Mitstreitern an, daß sie jede Menge Spaß an der Arbeit hatten. Wie auch der Rezensent. Wie heißt es doch im Booklet? "Fuck 'em if they can't take a joke." Yep.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Mississippi
  • Keep on rocking in the free world

Tracklist

  1. The man comes around
  2. I can't help it
  3. You're still on my mind
  4. Sunday mornin' comin' down
  5. Mississippi
  6. I just dropped in (to see the condition my condition was in)
  7. I'm so lonesome I could cry
  8. Once a day
  9. The end of the world
  10. Rocky mountain high
  11. Keep on rocking in the free world

Gesamtspielzeit: 41:30 min.

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