Underoath - Define the great line

Underoath- Define the great line

Virgin / EMI
VÖ: 16.06.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Neue Horizonte

Schauen wir kurz zurück: "They’re only chasing safety" platzte einfach rein. In unsere Ohren, in unser Herz und dank vieler Hits auch in unsere jung gebliebenen Tanzbeine. Wild rasselte aber auch die Anzeige des Kontostandes beim Label Solid State. Fast eine halbe Million Silberlinge wurden allein in den USA verkauft. Das könnte für Underoath locker dafür gereicht haben, neuerdings in den Hilton-Hotels dieser Welt zu sitzen, um über ihr neues Album zu blafaseln. Da lümmeln sie sich in übergroße Ledersofas und grinsen mit der Marmorausstattung um die Wette.

Leider kam es für uns zu keinem Interview, weil wir uns einfach geschämt haben, mit unseren verfetzten und billig wirkenden Hosen da aufzukreuzen. Aber den Ablauf der Interviews kann sich jeder wahrscheinlich denken. Sänger Spencer Chamberlain fläzt herum und sülzt irgendwas von "It is definitely our fucking hardest album ever!". Na dann. Haben Taking Back Sunday übrigens auch gesagt. Von wegen neue Horizonte erreichen und so. Wenn ungemein erfolgreiche Ami-Bands zu Protokoll geben, daß ihr Album nach dem Durchbruch ungemein hart und konsequent geworden sei, so heißt das meist tatsächlich: Die Songs sind weicher, langweiliger. Emo wird komplett groß geschrieben, der Core wurde weggeputzt, und alles und jeder schmachtet zufrieden vor sich hin.

Aber hätten wir unsere Minderwertigkeitskomplexe mal kurz beiseite gelegt. Argh, verdammt! Denn irgendwas muß da in diesem funkelnden Hotel schief gelaufen sein. Das Frühstück war angeschimmelt. Paris Hilton kam vorbei. Keine Ahnung. Jedenfalls irgendwas, das erklären könnte, warum "Define the great line" so ist, wie es nun geworden ist. Vielleicht ist es aber auch einfach nur die Tatsache, daß Underoath nicht Fall Out Boy sind und nicht Taking Back Sunday. Das haben sie übrigens wirklich selbst erkannt. Herzlichen Glückwunsch.

Nun endlich zum Album. Das ist: komplexer, vielseitiger, variabler, vertrackter, komplizierter und deswegen auch unberechenbarer. Aber vor allem ist es: härter! Ja, härter! Wirklich! Endlich einmal eine Band also, die ihre Versprechen einhält. "In regards to myself" gibt da gleich erstmal die Richtung vor und brettert mit einem ordentlichen "Wake up!" los. Und wenn darauf, trotz all der neuen alten Härte, mit "A moment suspended in time" der Song mit dem größten Tanzflächenfaktor erhallt, machen wir das doch doppelt so gerne. Also aufwachen. Schließlich gibt es auch genügend Gründe dafür. Denn die Härte wird nicht plump durch das Aufdrehen der Gitarren erzeugt, sondern in nicht unerheblichem Maße durch ein düsteres und klaustrophobisches Keyboard-Spiel. Speziell dem Interlude "Salmarnir" wird dadurch eine fast traurige Note verliehen.

Die neuesten Wege dürfte aber sicher "Casting such a thin shadow" einschlagen. Ein fast instrumentaler Sechsminüter im Isis-Stil, bei dem man sehnsüchtig, aber vergeblich auf einen schaurig-schönen Oceansize-Refrain wartet. Stattdessen Aaron-Turner-Geschrei. Ebenso beängstigend. Furchteinflößend werden dann in der dunkleren Grundstimmung auch eigentliche Mitmach-Songs wie "Writing on the walls", in dem noch nicht einmal "We walk alone"-Gegrunze und Dudel-Zwischenpart aufgesetzt klingen. Respekt. Überhaupt Respekt dafür, daß uns Underoath zeigen, daß Krach, Melodie, Kunst und Geschäft doch auf nur eine CD passen. Und auch, daß kaputte Hosen, lange Haare und Bart in Designersofas schick aussehen. Wir probieren das bei Gelegenheit auch mal aus.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • A moment suspended in time
  • Returning empty handed
  • Casting such a thin shadow

Tracklist

  1. In regards to myself
  2. A moment suspended in time
  3. There could be nothing after this
  4. Ever so inviting
  5. Salmamir
  6. Returning empty handed
  7. Casting such a thin shadow
  8. Moving for the sake of motion
  9. Writing on the walls
  10. Everyone looks so good from here
  11. To whom it may concern

Gesamtspielzeit: 46:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

hideout

Postings: 313

Registriert seit 07.06.2019

2019-07-30 00:13:51 Uhr
Also diese Platte hier ist hart, hat aber auch ihre ruhigen Momente und ist melodisch. Aber wie ich schrieb, ich habe sehr lange gebraucht."Casting such a thin shadow", mein Highlight, ist lange ruhig, fast postrockmässig und am Ende knallt es. "Lost in the sound..." habe ich auch schon lange nicht mehr gehört, aber sehr postiv in Erinnerung.

The MACHINA of God

Postings: 17862

Registriert seit 07.06.2013

2019-07-30 00:03:05 Uhr
Kann das sein, dass das eine Band ist, die mit jedem Album eher härter als weicher geworden ist? Ist ja eher untypisch. Mochte wohl die "Lost in the sound of separation" am meisten.

hideout

Postings: 313

Registriert seit 07.06.2019

2019-07-29 23:56:26 Uhr
1.In regards to myself 9/10
2.A moment suspended in time 9/10
3.There could be nothing after this 9/10
4.Ever so inviting 10/10
5.Salmamir*
6.Returning empty handed 10/10
7.Casting such a thin shadow 10/10
8.Moving for the sake of motion 9/10
9.Writing on the walls 9/10
10.Everyone looks so good from here 8/10
11.To whom it may concern 7/10

Habe sehr lange gebraucht um mit dieser Platte warm zu werden. Die Verschnaufspause ist genau richtig positioniert, der Ausklang gelungen. Ein zweites Stück im Stile von "Casting such a thin shadow" wäre schön gewesen, der auch mein Favoritensong hier ist.

9;0/10
Mattenhengst
2011-10-09 09:04:59 Uhr
genau man! hauptsache die räumen beim festival wieder alles ab und rocken die meite in grund und boden,als gäbe es kein halten mehr.
vomsk
2009-07-27 11:24:15 Uhr
Das ist mal ne geile Anekdote :D
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