The Winnebago Orchestra - Fifteen

The Winnebago Orchestra- Fifteen

Tuition / Al!ve
VÖ: 26.05.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Gedenkminuten

Beginnen wir diese Rezension mit einem Experiment. a) Schnappe Dir einen Schal oder sonst ein Stückchen Stoff, mit dem Du Dir c) die Augen verbindest. Nicht ohne b) vorher Deinen Plattenspieler, in dem die aktuelle CD "Fifteen" des Winnebago Orchestra liegt, so zu programmieren, daß Du nur noch auf die Play-Taste drücken mußt, um das Lied Nr. 5 zu hören. "Love is here with me". Fertig, los… Warte einige Sekunden! Was hörst Du jetzt?

Es ist immer wieder das alte Spiel, das die über Musik Schreibenden spielen. Es wird nach Vergleichen und Referenzen gesucht, um das Ungehörte zu beschreiben. Das Winnebago Orchestra macht es uns in dieser Hinsicht einfach. Im Booklet schreiben sie alle Favoriten auf, die ihren musikalischen Werdegang geprägt haben sollen. An erster Stelle? Richtig! The Go-Betweens. Genau jene Band, die Du womöglich gerade mit verbundenen Augen gehört hast. Der Sound des Winnebago Orchestras klingt schon verdammt nach dem spröden Folkpop des Duos aus Brisbane. Kein Wunder also, daß das Trio auf dem Go-Betweens-Label Tuition landete.

Vor wenigen Wochen nun starb Grant McLennan, eine Hälfte der tollen Go-Betweens. Wie immer viel zu früh. Und ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem das Duo einen weiteren Zenit zu erklimmen schien. Das Album des Winnebago Orchestras kommt deshalb zu einem wahrlich seltsamen Zeitpunkt. Aber es paßt zur Stimmung, mit der man als im Leben Stehender dem Tod begegnen will. Mit einem freudigen und einem traurigen Auge. Im ersten Track "Get me" weint direkt die E-Gitarre eine Slide-Länge lang über das Leben, anschließend singt Caroline Trettine mindestens ebenso viel, wie sie spricht. Immer knallscharf an der Melodie vorbei. Da muß man schmunzeln! Oder mitmachen, wie Spencer Roberts und Andy Davies es tun, die beide stimmlich und instrumental zur Platte beitragen. Drei Menschen sind es also, die hier so opulent "Orchestra" genannt werden wollen. Das ist schon ok so, denn mehr Menschen passen auch nicht in ein "Winnebago"-Wohnmobil rein. Dieses Trio dreht fortan bei "Actors studio" richtig auf. Wir hören: Belle And Sebastian. Wir fühlen uns: super!

Diese Gefühlsregung läßt fortan nicht mehr los. Obwohl das Leben manchmal so schwer ist. Prächtig der Stimmungswechsel etwa in "Love is here with me". Zunächst spröde, entfaltet sich die Musik hier plötzlich gleich einer Magnolienblüte in der Sonne. Und mit kleinen Perlen wie "Motorcycle angel" (im Original von Jazz Butcher) oder "The sky aches" schließlich setzt sich diese Laune fort. Noch einmal hören wir Belle And Sebastian raus bei "Bachelor button", das nun der Erhabenheit von "Fifteen" ein kleines Krönchen aufsetzt. Kleine verzichtbare Ausreißer nach unten sind selten. Gut und gerne hätte die Platte aber auch "Fourteen" oder "Thirteen" heißen dürfen, wenn dafür das nervende "Pebbles" und das schwächelnde "Love's history" verschwunden wären.

Bleibt zum Schluß eine kleine dramaturgische Randbemerkung. Denn als Kaufempfehlung ist diese Rezension nur bedingt tauglich. Wie nur soll jemand sich den Schal um die Augen binden, um ein Album zu hören, die er nicht besitzt? Aber wer schert sich bei solcher Musik schon um Logik?

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Get me
  • Love is here with me
  • Bachelor button

Tracklist

  1. Get me
  2. Actors studio
  3. Alison the swimmer
  4. Midnight blue
  5. Love is here with me
  6. Spinning wheels
  7. Four legs
  8. Motorcycle angel
  9. Pebbles
  10. The sky aches
  11. Cherry red
  12. I'm here with you
  13. Angels
  14. Bachelor button
  15. Love's history

Gesamtspielzeit: 46:49 min.

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