The Unisex - White days

The Unisex- White days

In-D / Soulfood
VÖ: 26.05.2006

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kleine Große

Sicher, es gibt unzählige Themen, zu dem einen ad-hoc hunderte vorzüglich passende Klischees einfallen würden. Ganz besonders viele klischeehafte Assoziationen gibt aber das Thema "Popmusik aus Schweden" her. Ob nun Mando Diao oder The Hives, die Skandinavisierung von Popeuropa schien in den letzten Jahren unaufhaltbar voranzuschreiten. Ist ja auch ein prima Konzept, so eine schwedische Popband. Immer gut frisiert, schnuckelig aussehend und mit Attitüde, bis der Zeiger bricht. In exakt diesem Subkosmos bewegen sich auch The Unisex aus Stockholm. Und wo geht man hin, wenn man der nächste große Wurf werden will? Nach England natürlich! Da waren die Fünf auch auf Tour (mit den Libertines und Snow Patrol). Einige Gigs in Griechenland führten außerdem dem Vernehmen nach nicht nur zu Top-Plazierungen in den Airplay-Charts, sondern auch zu einer kleinen Hysterie. Klingt trotzdem weitgehend nach der gewohnten Jubelei.

Es ist schon etwas dran an diesem Debüt "White days". Einiges Gutes, aber auch ziemlich viel Halbgares. Zunächst begeistert der klare, weiträumige Gesang von Jonas Linde. Man denkt beim ersten Durchhören: Mein Gott, die feuern hier ja eine Hymne nach der nächsten ab. Alles sehr eingängig, kantenlos produziert. Und das ist ein großes Problem dieser Platte. Klar, die Hälfte der Songs könnte man ohne schlechtes Gewissen als Singles auskoppeln. Aber nach dem dritten, vierten Song fragt man sich, ob die jetzt auch mal was anderes machen, außer schönen, großen Schwedenpop mit Chartpotenzial. Das wirkt alles zu abgeschliffen, textlich zu flachbrüstig, um noch Platz für überraschende Momente offen zu halten. Der Platte fehlt in letzter Instanz die Dynamik, die auch spektakuläre Elemente zulassen könnte.

Musikalisch orientiert man sich am standardisierten Indierocker-Repertoire, da kann man ja eigentlich kaum etwas falsch machen. Leider bedienen sich The Unisex auch einige Male zu oft an der unendlichen Theke der abgehalfterten Gitarrensoli. Natürlich darf auch das sich neckisch von hinten hereinspielende Piano nicht fehlen. Vom Überhit "Pigs and their farms" über das arienhafte "Sweeter than sugar" bis zum Doors-Referenzenungetüm "Break the silence": Immer orientieren sich The Unisex an den ganz Großen, immer springt dabei vor allem eine große Geste heraus. Beinahe schmerzhaft, wie vorhersehbar die bisweilen ist (versinnbildlicht im Songtitel "After the rain comes the sun"). Und immer klarer wird vor allem, daß man doch noch ein ganzes Stück zu gehen hat auf dem Weg zur Eigenständigkeit.

(Stefan Kesselhut)

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Highlights

  • Pigs and their farms
  • Sweeter than sugar

Tracklist

  1. Pigs and their farms
  2. Mushrooms & broccoli
  3. Castle of air
  4. Go again
  5. Sweeter than sugar
  6. Take me higher
  7. Magic carpet
  8. Break the silence
  9. Still out there
  10. La familia (live)
  11. After the rain comes the sun
  12. Pigs & their farms (Archive Remix)

Gesamtspielzeit: 45:47 min.

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