Motorpsycho - Barracuda

Motorpsycho- Barracuda

Psychobabble / Stickman
VÖ: 05.02.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Glühende Verehrer

Als unsagbar fleißige Burschen sind die Norweger von Motorpsycho vollkommen zu recht bekannt. Kein Jahr vergeht ohne ein neues Album und kein Album ohne mehrere ausgekoppelte EPs, die allesamt liebevoll mit einer Handvoll neuer Songs gespickt die zahlreichen Fans erfreuen - von den beiden rauhen Live-Mitschnitten aus der "Roadwork"-Serie, die unlängst das Licht der Welt erblickten, ganz zu schweigen. Wie die meisten Menschen habe ich den Überblick über das Schaffen der Norweger längst verloren, aber es würde nicht verwundern, wenn eines Tages ein Motorpsychologe mit Freudentränen in den Augen an mich herantritt, um mir mitzuteilen, Motorpsycho hätten inzwischen mehr Songs veröffentlicht als die Beatles und die Stones zusammen. Die Frage, welche Motorpsycho-Veröffentlichung denn nun die Beste sei, sollte man einem solchen Menschen ohnehin besser nicht stellen, will man nicht im besten Fall ein "Alle gut, Ungläubiger!" oder im schlimmsten eine Tracht Prügel ernten.

Zwischen LP und EP beschert uns das Trio nun ein Minialbum. "Barracuda" heißt es, und hebt sich nicht nur mit seinem unbeirrt gräßlichen Artwork, sondern vor allem stilistisch vollkommen vom Vorgänger "Let them eat cake" ab. Während "Let them eat cake" versuchte, die Beatles ohne Verluste ins neue Jahrtausend zu retten, hat man bei "Barracuda" unweigerlich das andere Gesicht der Vergangenheit vor Augen. Statt der unbeschwert poppigen Seite der Sechziger und Siebziger, die auf "Let them eat cake" zum Zuge kam, leben Motorpsycho auf "Barracuda" den psychedelischen Teil ihres Bandnamens aus, ohne zu vergessen, den grollenden, kohlebetriebenen Motor anzuwerfen. Ein großes Stück staubiger Wüste muß sich in die Norwegischen Provinz verirrt haben. Denn Motorpsycho bedienen ausnahmslos jedes Klischee, das nie bedient werden wollte und vollbringen die mit Abstand geschmackloseste Retro-Rock-Platte, seit Led Zeppelin den Gang über den Jordan antraten.

Tonnenschwer groovend donnert sich der Opener "Heartbreaker" nach vorne, während Bent Saether emphatisch gegen die erdigen Bläser ankämpft und uns inbrünstig "Heartbreaker / Nothing but a heartbreaker" um die Ohren drescht. Die Luft ist gras- und bleigeschwängert, die Körperfunktionen verabschieden sich allmählich und bereits beim zweiten Track "Up 'gainst the wall (High time)" liegt man nur noch taub in der Ecke und kriecht in Gedanken die Wände hoch. Alles gleitet, die Umrisse verfließen, und irgendwann weiß man nicht mehr, was ein Kopf ist und wo einem dieser steht. In "Dr. Hoffmann's bicycle" übernimmt der Nervenarzt die Führung zu einen wilden Höllenritt, während die Pyrotechniker an den Instrumenten auf "Glow" schließlich ein siebeneinhalbminütiges Feuerwerk entflammen, dem man nicht ohne böse Verbrennungen entkommen wird. Der Klangteppich steht in Flammen, die Hölle sowieso, und dank der Brandmeister von Motorpsycho sprühen dort Funken durch die Lüfte, die auf diese Weise seit fast dreißig Jahren nicht mehr geglüht haben.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Up 'gainst the wall (High time)
  • Glow

Tracklist

  1. Heartbreaker
  2. Up 'gainst the wall
  3. Star star star
  4. Vanishing point
  5. Rattlesnake
  6. Dr. Hoffmanns bicycle
  7. Glow

Gesamtspielzeit: 33:27 min.

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