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Sonic Youth - Rather ripped

Sonic Youth- Rather ripped

Geffen / Universal
VÖ: 02.06.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Homecoming queen

Es gibt ein paar Dinge, die gehören sich einfach nicht. Mit nacktem Finger auf angezogene Menschen zeigen. Dem besten Freund die Frau ausspannen. Markus Söder. Oder im Zusammenhang mit Sonic Youth von Altersmilde sprechen. Ein absolutes No-Go, wie wir an der Börse immer sagen. Und trotzdem bleibt festzuhalten, daß New Yorks wichtigste Band seit The Velvet Underground es einem da zuletzt nicht gerade leicht gemacht hat. "Sonic nurse" schon stolperte vor zwei Jahren nur knapp an den offenen Armen der Popmusik vorbei. Und "Rather ripped" nun liegt endgültig mittendrin und will sie gar nicht mehr loslassen. Es könnte eine echte Herausforderung werden, diesen Text zu schreiben, ohne die Worte Bequemlichkeit oder Wohlbefinden zu tippen.

Die Aufreger diesmal: Jim O'Rourke ist wieder raus - nachdem er erst zur letzten Platte als festes Sonic-Youth-Mitglied aufgenommen worden war. Den Krach hat er dabei ganz offensichtlich mit aus dem Studio geschmuggelt, vielleicht braucht er ihn ja fürs nächste Wilco-Album. Sieben von zwölf Songs sind auf "Rather ripped" indes kürzer als vier Minuten. In einer Pressemitteilung ist tatsächlich das Wörtchen "Punkpop" gefallen. Und irgendwo auf dieser Platte ist angeblich auch die Titelmelodie der Schöner-Leben-Serie "Friends" versteckt. Wir sind da nicht so sicher, ehrlich gesagt. Aber fest steht mal, daß es so viele geradlinige Songs in solch konzentrierter Form noch auf keiner Sonic-Youth-Platte gab.

"Reena" ist der erste und beste davon. Die Gitarren spiegeln sich in gewohnten Stonewashed-Farben, besonders hinter den Kulissen wird viel gearbeitet. Aber wie Kim Gordon mit sanfter Melancholie von verlorenen Freundschaften singt, dafür gibt es kein besseres Wort als Jan Wiggers "sinnlich" aus der Spiegel-Online-Kritik. "You keep me coming home again" lauten ihre ersten Worte hier, es ist fast ein bißchen lustig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen wegen Sonic Youth überhaupt nur wissen, warum sie abends noch nach Hause kommen. Im bedrohlichen Unterton des zügigen "What a waste" erkennt man Gordon da schon eher wieder, die Diskrepanz zwischen versöhnlicher Musik und unversöhnlichen Texten wird immer offensichtlicher. Es gibt jetzt vielleicht ein rundum eingängiges Sonic-Youth-Album. Aber es gibt weiterhin keine fröhliche Musik von dieser Band.

Die Melodien waren dabei auf "Sonic nurse" noch ein bißchen tollkühner, die Körperspannung beständiger. Daß Thurston Moore, der auf "Rather ripped" zusehends das Kommando übernimmt, aber erst nach 25 Jahren und 19 Platten auf ein Stück wie "Or" gekommen ist, das ist das eigentlich Unerhörte an dieser Platte. Das Schlagzeug streichelt mit kratzigen Handschuhen, Moores Stimme hängt in der Luft, die Gitarre spielt abwesend am Song vorbei, fast wie unter Narkose. "Turquoise boy" hatte mit seiner Aufmüpfigkeit eben nochmal ein größeres Loch in die Platte gerissen, aber wirklich erinnern kann man sich daran nicht mehr. Der letzte Eindruck bleibt, und Sonic Youth werden langsam unsichtbar. Wartet's mal ab: Mit 70 fangen sie dann mit Umhängekeyboards und solchem Quatsch an. Ganz bestimmt.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Reena
  • Turquoise boy
  • Or

Tracklist

  1. Reena
  2. Incinerate
  3. Do you believe in rapture?
  4. Sleepin around
  5. What a waste
  6. Jams run free
  7. Rats
  8. Turquoise boy
  9. Lights out
  10. The neutral
  11. Pink steam
  12. Or
  13. Helen Lundeberg

Gesamtspielzeit: 56:08 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MopedTobias (Marvin)

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion

Postings: 17988

Registriert seit 10.09.2013

2021-12-07 22:03:23 Uhr
Bin auch bei einer 8/10 insgesamt. Bei vielen anderen Bands wäre so ein Album das glasklare Highlight.

Auch von mir danke an alle und gute Nacht! Hoffentlich finden sich nächstes Mal auch wieder ein paar Leute für das große Abschlusswerk "The eternal" zusammen.

jo

Postings: 3431

Registriert seit 13.06.2013

2021-12-07 22:02:30 Uhr
Bin eher bei einer 7/10. Trotzdem ein insgesamt prima Album mit tollem Ende.

VelvetCell

Postings: 4145

Registriert seit 14.06.2013

2021-12-07 22:00:17 Uhr
Ich würde 7/10 geben angesichts einiger eher langweiliger Songs (die trotzdem toll klingen, ist ja klar).

Jennifer

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 4589

Registriert seit 14.05.2013

2021-12-07 21:59:34 Uhr
Auf Spotify dröhnt gerade total überraschend noch "Helen Lundeberg" weiter. :D Bin kurz erschrocken.

Vielen Dank in die Runde, hat Spaß gemacht. Gute Nacht, bleibt gesund, passt auf Euch auf!

Old Nobody

User und News-Scout

Postings: 2617

Registriert seit 14.03.2017

2021-12-07 21:58:48 Uhr
Bin aller Kritik zum Trotz immerhin dennoch bei ner ganz ganz knappen 8 fürs Album.Es spricht absolut für die Band und ihr Gesamtniveau, dass ich das dennoch als schwächeres Album wahrnehme
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